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Der Israelit · 1871-11-08 · Heft 45 (8.11.1871) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 45 (8.11.1871)
Date
1871-11-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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833 mit merkwürdiger Kunst angefertigt, so die Sukah, die Sabbatlampe, der Kiduschbecher, die Untensilien des Seder u. s. w. Der Verstorbene setzte in diesen frommen Luxus allen seinen Ehrgeiz. Seine Frömmigkeit war aufrichtig. Als feine Krankheit ihn an dem Besuch des öffentlichen Gottesdienstes hinderte, ließ er unter großen Kosten während der verflossenen Feiertage pjo zu Hause machen. Und diese Frömmigkeit verband sich oft mit seiner sanft ausgeübten Wohlthätigkeit. Wir wollen nur nachstehende Thatfache erwähnen. Als er an einem Samstag eine gewisse Straße in Paris durchschritt, sah er einen Israeliten, welcher verschiedene Quincaillerie-Gegenstände verkaufte. Er näherte sich ihm und fragte: „Wie viel gewinnen Sie täglich, mein Freund?" „Ungefähr 6—7 Frcs., mein Herr." „Kommen Sie jede Woche zu mir und holen Sir sich 20 Frcs. bei mir, aber verkaufen Sie nicht mehr am Sabbat." Vein großes Ansehen konnte man auch an seinem Leichenbegängnis merken; die ausgezeichnetsten Männer, die politischen, finanziellen, industriellen und literarischen Berühmtheiten, sowie auch viele Arbeiter, konnte man bei demselben sehen. An seinem Grabe sprachen Albert Cohn, Oberrabbiner Z. Kahn und A. Cremieur. Hoffen wir, daß er seinen Kindern seine isr. Tugenden hinterlaffcn und daß sein Sohn ihn in unserer Gemeinde, in unserer Achtung und Sympathie ersetzen wird. Paris. In den Halbfeiertagen des Laubhüttenfestes hat Herr Oberrabbiner Zadok Cahn einen Hirtenbrief an seine Gemeinde gerichtet. In demselben ist besonders die Wichttgkeit der religiösen Erziehung der Jugend hervorgehoben. Es sollen in zwei Stadtvierteln Religionsschulen errichtet und dem Unterrichte des Hebräischen eine besondere Sorgfalt gewidmet werden, die Jugend soll in den Stand gesetzt werden, im Pentateuch, in den Psalmen, im Jesaras und aus dem Gebetbuche übersetzen und erklären zu können. Ein Nachmittagsgottesdienft am Samstag wird für die Kinder eingerichtet. Für die Erwachsenen werden während des Winters Vorlesungen über die jüdische Religion gehalten. Wenn so die Jugend Kenntmß von unserer Religion erlangt, heißt es weiter, werden sich unsere Gotteshäuser mehr Men, die Jugend wird mit Vergnügen dieselben besuchen. Der Hirtenbrief spricht sich dann über die Ordnung im Gottesdienste aus und tadelt besonders das viele Sprechen und die Unruhe während des Gottesdienstes; zuletzt ist von der jüdischen Wohlthätigkeit die Rede. Donaufürstenthümer. Bukarest. Die Cholera und die Juden. Ein selten klingender Titel dies. — Freilich in den meisten Ländern Europa's, wo man nicht gewohnt ist, jedes schlechte Wort mit den Juden in Verbindung zu bringen, sind dies sonderbar befremdete Worte, wie denn die Cholera gerade mit den Juden in Verbindung gebracht wird; aber in einem Lande der Judenverfolgung, wie es Rumänien ist, kann man schon solche Worte aussprechen. — Doch genug! Wir wollen zur Sache übergehen. Wie unsere Leser wisien, ist unlängst in Konstantinopel die Cholera heftig ausgebrochen und da nun die Türkei an Rumänien grenzt, hat die Stadt Bukarest die strengsten Maßregeln gegen die Einschleppung der Cholera veranstaltet. Jeder aus der Türkei Kommende muß zuerst ärztlich untersucht werden und die Gesundheilsprobe bestehen. Nun, dieses ist ganz in der Ordnung; aber in diesem Beschlüsse des Bukarester Stadtrathes heißt es auch, daß ein türkischer Jude unter gar keiner Bedingung, und wenn er tausendmal die Gesundheilsprobe überstanden hat, eingelassen werden darf; denn nur der jüdische Glaube und die Berührung der Bekenner dieses Glaubens bringen die Cholera zur Welt. Wie sonderbar! Wie merkwürdig! Die berühmtesten Aerzte und Naturforscher haben sich bis heute umsonst abgemüht , nur auf die Ursache der Cholera zu kommen, ob sie sich durch die Luft, oder im Waffer, oder aus der Erde durch Würmer fortbewegt — und sind nicht auf den wahren Grund gekommen. — Und siehe! Der weise und kluge Rach der Stadt Bukarest ist auf die Erfindung gekommen, daß nur die Juden die Cholera erzeugen und verbreiten! Aber wir möchten gerne diesem weisen Rache von Bukarest sagen, daß auch diese ihre Erfindung nicht neu ist. Alles ist schon dagewesen! Und alles Böse ist schon in Bezug auf Juden erfunden worden. In früheren Jahrhunderten, sobald eine große Sterblichkeit in einem Lande ausgebrochen war, sagte man, daß Gott wegen der Duldung der Juden diesem Lande zürnt, und dieselben wurden daher, um sich mit Gott zu versöhnen, verbrannt oder aus dem Lande gejagt. Als im vierzehnten Jahrhundert der sogenannte schwarze Tod wüchete, da wurden die unglücklichen Juden grausam verfolgt und verbrannt, indem man sie beschuldigte, daß sie die Brunnen vergiftet hätten. Nur ist es merkwürdig, daß sich noch in diesem aufgeklärtem 19. Jahrhundert ein Stadtrath solchen Unsinn auszusprechen nicht scheuen soll! Sollte man nun staunen, daß das rumänische Volk und niedere Gesindel solch einen fanatischen Judenhaß hege, wenn selbst der Rath der Hauptstadt von solchem Wahnsinn befallen ist? Die amtliche Ausweise von den Cholera-Jcchren 1855 und 1856 zeigten vielmehr, daß von den Juden damals an dieser Krankheit verhältnißmäßig weniger als Christen gestorben sind und zwar weil dem Juden schon vermöge seiner Religion eine mäßige Lebensweise geboten ist und weil bei den Juden die Armen und Kranken sehr sorgfältig gepstegt und berückstchttgt werden. (Pesth. jüd. Zeit.)

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