Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1871)
- Date
- 1871-11-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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832 brauchen nicht auszuführen, daß diese Erledigung der Angelegenheit eine über Frankfurt hinreichende Tragweite hat. (Fr. Ztg.) Berlin, 31. Octbr. Die „Krzztg." jammert über die Entscheidung, die in Sachen der Frankfurter israelitischen Realschule getroffen ist. Die Bemerkung der „Fr. Ztg.": „Wir brauchen nicht auszuführen, daß diese Erledigung der Angelegenheit eine über Frankfurt hinausreichende Tragweite hat," preßt dem erwähnten Organe den nachstehenden Stoßseufzer aus: „Das demokratische Blatt hat leider darin vollständig Recht. Die Stelle in dem bekannten Werke des Geh. Raths Dr. Wiese: „Die bisher in Preußen anerkannten höheren Schulen haben einen christlichen Grundcharakter" gehört von nun an zu den altpreutzischen Reminiscenzen, welche seit 1866 mehr und mehr außer Geltung kommen. Ob nicht bei weiterem Fortschreilen auf dieser Bahn der geistige Staatsschatz aufgelöst und verwirthschaftet werden wird, mit Hilfe dessen allein es Preußen möglich war, seinen Beruf in und für Deutschland zu erfüllen?" Berlin, 19. Oktober. Das jüdische Waisenhaus vor dem Rosenchaler Thor — bekanntlich durch die Liberalität des Herrn M. Reichenheim mit einem Capitalaufwand von 200,000 Thlrn. begründet — ist nunmehr so weit in seiner baulichen Vollendung vorgeschritten, daß seine Einweihung binnen Kurzem erwartet werden kann. (Voss. Ztg.) Berlin. Ein nicht genannt sein wollender Israelit hat der hiesigen Gemeinde znr Errichtung eines Siechenhauses 30,000 Thlr., ein anderer 21,000 Thlr. zur Erweiterung der Alterversorgungsanstalt geschenkt. (Hamagid.) Hamburg, 17. October. Der Israelitische Feuerungs-Verein von 1855 nimmt unter den hiesigen Wohlchätigkeits-Vereinen einen hohen Rang ein. Derselbe zählt nach den vom Vorsitzenden in der Sonnabend abgehalfenen Vereinsversammlung gegebenen Mittheilungen nunmehr 1017 Mitglieder und ermöglicht es, 210 armen Familien das nochwendige Brennmaterial für den Winter zu liefern. Nach den Priucipien dieses Vereins gestiftet, constrtuirte sich im Mai d. I. der (Damen-) Verein von 1871 zur Vertheilung von Lebensmitteln, und wir nehmen gern Notiz von dem Wohlthätigkeitssinn dieser Damen, wenn wir berichten, daß schon in diesem Winter 40 Familien mit zusammen 258 Köpfen durch Zuwendung von 182 Sack guter Kartoffeln einer drückenden Nahrungssorae enthoben wurden. Aus Königsberg, 26. d., wirb geschrieben: „Es gehört wohl zu den seltenen Erscheinungen, daß ein junger Mann von 15* - Jahren das Gymnasium mit dem Zeugnisse der Reife verläßt, die Universität besucht, sechs Monate darauf von Königsberg nach Bonn geht und bald darauf Assistent im physikalischen Institut wird, nachdem er durch seine mikroskopischen Untersuchungen und durch seine hervorragenden Kenntnisse in der Physiologie die Aufmerksamkeit der Professoren, hier des Geheimrathes Pflüger, auf sich gelenkt. Dieser junge Mann gehört unserer Stadt Königsberg an und ist der Sohn des Dr. Wolffberg, Religionslehrers der Synagogen-Gemeinde. Seine Arbeit „über die Spannung der Blutgase in den Lungencapillaren" mit einer Tafel (Separat - Abdruck. Bonn, bei Georgi. 1871. S. 30), das Resultat äußerst merkwürdiger Versuche, ist für wichtig genug gehalten worden, in das „Archiv für die gesammte Physiologie des Menschen und der Thiere" ausgenommen zu werden. Schönsee (bei Thorn), Sept. Vor Kurzem starb im hiesigem Orte der fromme jüdische Kaufmann Rabbi Löb Dechuczynski im Alter von 108Jahren. Die Zahl der Enkel und Urenkel, die der Mann hin-- terläßt, erinnert an alttestamentarische Verhältnisse. Frankreich. Pnris. Moses Millaud, dieser außerordentliche Mann, der die Bewunderung der Welt erregt, deffen Thättgkeit und immense Arbeiten das lange Leben eines Patriarchen hätten ausfüllen können, dessen Güte und Wohlthatigkeit sprichwörtlich geworden, dessen Frömmigkeit endlich eine Ehre und ein Segen für unsere Gemeinde war, ist nicht mehr. Die großen politischen Journale, ohne Ausnahme, haben den verschiedenen und zahlreichen Verdiensten des Verstorbenen, seinen gigantischen Arbeiten im Finanzfache für die Industrie und die polittsche Presse Anerkennung gezollt. In dieser letzten Sphäre war er ohne gleichen, ein Genie. Sein „kvtit Journal“ allein ist ein erstaunliches Werk und hat dieses eine Popularität erworben, wie fich im Journalismus kein ähnliches Beispiet vorfindet. Er hat durch dieses Blatt einen mächttgen heilsamen Einfluß auf die moralische Besserstellung der großen Massen geübt. Aber, schreibt der „Un. isr." weiter, wir liebten und bewunderten ihn als Israeliten. Während man in vielen großen jüdischen Häusern mit beklagenswerther Sorgfalt jeden Zug unserer göttlichen Religion und jede praktische Ausübung der heil. Gebote gleichsam auslöscht, im glänzenden Hotel Millaud erinnerte Alles an den Gedanken, Befehl und die Gegenwart des Gottes Israel. Alle religiösen Gegenstände des häuslichen Cultus waren mit einem Reichthum und