Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1871)
- Date
- 1871-11-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Arryrgarrg. Beilagk z« Nr. 45 des Israelit. Aeitungsnachrichlen und Eorrefpondenze». Deutschland. Württemberg. Der Bericht über das Israel. Waisenhaus Wilhelmspflege in Eßlingen vom 1. Juni 1870—71 , erstattet von dessen Vorstand Ad. Levi, gibt wieder eine interessante Uebersicht über die Einnahmen nnd Ansgaben des Vereins zur Versorgung armer israel. Waisen und verwahrloster Kinder. Im vorjährigen Berichte war der Hoffnung Ausdruck geliehen, daß der Krieg, dessen Fackel damals noch hoch loderte, das Institut in seiner stillen Wirksamkeit nicht stören und dem finanziellen Gedeihen desselben keinen Einhalt thun werde. „In dieser Zuversicht." sagt der menschenfreundliche Vorstand, „sind wir nicht getäuscht worden: die Wilhelmspflege erfüllte in ruhigem., friedlichem Gange ihre Aufgabe, Unterricht und Erziehung der unserer Obhut anvertrauten Kinder schritt stetig vorwärts und trug, ungestört von den äußeren Ereignissen, dasjenige Maß von Früchten, das bei meist ebenso wenig begabten als lerneifrigen Schülern zu erzielen dem Geschick und Fleiß der Lehrer überhaupt gelingen konnte." — Aus der Reihe der Zöglinge sind im vergangenen Verwaltungsjahre 4 Knaben und 1 Mädchen ausgetreten. Der eine der ersteren widmet sich dem Lehrfache und bereitet sich derzeit in der Wilhelmspflege auf den Eintritt in die Präparandenanstalt vor; der zweite ist in eine kaufmännische Lehre gekommen; der dritte wird Schuhmacher und der vierte soll das Glasergewerbe ergreifen; das Mädchen erlernt die Putzmacherei. In Folge der Entlassung obenbezeichneter 5 Waisen ist die Gesammtzahl der Zöglinge in dem Zeitpunkte, da der Bericht hinausgegeben wird und die Aufnahme der neuangemeldeten noch nicht vollzogen ist, auf 16 herabgesunken. — Es beherbergt aber das israel. Waisenhaus neben diesen noch 4 tcnibftumme Kinder mojaischer Confession, welche die Taubstummenschule in Eßlingen besuchen, hat außerdem noch 5 Köstlinge, von welchen 3 den Unterricht in der Anstaltsfchule mitgenießen und unterzieht sich noch daneben der belästigenden Aufgabe, den israel. Schulpräparanden und Seminaristen gegen mäßiges Entgelt die Kost zu reichen, so daß wohl kaum werde in Abrede gezogen werden wollen, daß die Wilhelmspstege nach verschiedenen Richtungen und mit aller Kraft bestrebt fei, dcm jüd. Gemeinwesen sich dienlich und nützlich zu erweisen. Was die rechnerische Seite des Berichts anbelangt, so steht zwar Heuer der Gesammtbetrag der eingegangenen Gutthaten gegen die Vorjahre nicht unerheblich zunick — eine Erscheinung, die Angesichts der mannigfachen in Folge des Krieges an die Mildthätigkeit herangetretenen Anforderungen wohl erklärlich' ist und auch damit zusammenhängt, daß man die sonst übliche Col- Iccte bei den christlichen Einwohnern Stuttgarts und in» nerhalb inancher israel. Gemeinden, z B. in Heilbronn rc., glaubte unterlassen zu müssen, — aber trotzdem ergibt der Rechnungsabschluß wiederum eine beträchtliche Zunahme des Vereinsvermögens. Die Einnahmen von Zinsen aus Activ - Cap.talien, Beiträgen, Opfern und Kostgeldern rc. betragen fl. 11,353. 54 kr. Interessant für alle Leser auch des „Israelit" dürste es sein, daß das K. Staats - Waisenhaus alljährlich nach Verhältniß der jüdischen zu der christlichen Bevölkerung Württembergs die Kosten für etliche israelitische Waisen übernimmt, d. h. die Kostensumme dafür der Wilhelms- Pflege ersetzt. Die Ausgaben für Steuern, Besoldungen , Reparaturen, Oeconomie x. rc. machen fl. 8859. 21/2 kr. Das Vereinsvermögen, das sich Heuer um fl. 3699. 8 kr, vernlehrt hat, besteht jetzt, einschließlich des Hauses, in fl. 87,899. öl1,^ kr. — Möchten die treuen Förderer des Instituts, denen Sc. Maj. der König stets als glänzendes Vorbild voranleuchtet, auch in Zukunft der israel. Waisenanstalt mit ihrer opferwilligen Teilnahme zugethan bleiben. Frankfutt a. M. Die Interpellation wegen der hiesigen israel. Realschule, die der Abgeordnete für Frankfurt, Herr Sonnemann, in der vorigen Reichstaassession einbrachte, hat endlich ihre Frucht getragen. Wie sich unsere Leser erinnern werden, war das der erwähnten Realschule nach Constituirung des Norddeutschen Bundes gewährte Recht, ihren Schülern Qualifications- Zeugnisse zum Einjährig-Freiwilligen-Dienft ausstetten zu dürfen, hinterher vom preußischen Cultusministerium willkürlich verkümmert worden. Herr v. Mühler hatte eine Verfügung erlassen, nach welcher jenes Recht auf die israel. Zöglinge beschränkt und in Bezug ans die christlichen versagt wurde. Aus Sonnemann's Interpellation ertheilte der Präsident des Bundeskanzleramts die Zusage, daß die „auf Grund der Gesetze getroffene Anordnung zur Durchführung" gebracht werden solle. Diese Zusage, am 25. April d. I. gegeben, ist jetzt erfüllt. Sicherem Vernehmen nach lief gestern ein Reskript der Regierung zu Cassel an das Directorinm der Realschule ein, welches das durch die Verfügung des Herrn v. Mühler beeinträchtigte Recht wieder herstellt und der israel. Realschule gestattet, jene in Rede stehenden Zeugnisse auch ihren christlichen Eleven zu ertheilen. Wir