Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1871)
- Date
- 1871-11-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447499-2447543--09846-2465561- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
827 chen im Gebiete der hebr. Theologie keine Lorbeeren erringen kann, so sucht er aus dem Felde der Neologie sein roe^n zu bekunden. Um diesen heroftralischen Ruf wird ihm gewißNiemand gram sein, bis auf einen seiner gleichgesinnten Sodalen, die auch auf eine ähnliche traurige Berühmtheit reflectiren. Die Schiff-Synagoge ist auch beim Morgengottesdienste, der von früh bis gegen 1 Uhr Mittags währt — festlich beleuchtet — zu dem nispn werden viele n"D mit werthvollenOrnamenten und schönen «np 'Pv geschmückt, benutzt und beehrt man mit dieser Function meist noi*? □’jpn nun. — Während der einzelnen nispn erfreute der Vorsänger, Herr Klein, dis zahlreichen Bethaus-Besucher unter Begleitung von mit sehr schönen Gesängen. Es ist eine Sache der Unmöglichkeit, daß alle Beter, dem alten Brauche gemäß, zum Segensspruche über die Thvra vorgerufen werden und gilt in dieser Beziehung auch da der bekannnte Spruch tona» n"o — 'b’ßfc* *?ID3 'idn ton, und wenn auch in der That in geistiger Beziehung D'üjjö n^y >:a sind, so werden hier doch die Meisten mit einer n'to beehrt, nur müßte nicht jeder n"'v machen lassen, da es ihm überlassen bleiben könnte, von selbst ohnedies den to-oa die übliche na: zukommen zu lassen; man kann füglich am o“'. wo man sich gar der Geschäfte enthalten soll, nicht von “niasn »xnnc sprechen. Doch immerhin ist die Pause etwas zu lang und stört die Andacht. Se. Ehrw. Herr Rabb. Spitzer ist gewöhnlich min inn und ebenso werden zu n'Ewo ]nn -,'vsv? nur religiöse Männer auserwählt, wenn auch deren Spenden minder hoch ansfallen sollten. Im Bethause der Polen (II. kl. Ankerg. 2) und der D'TDn (I. Fischerstiege) geht es besonders lebhaft und lustig zu und dauert der Abendgottesdienft' oft bis gegen 10 Uhr, da sie überhaupt später zu beten anfangen. Am Nachmittage des po-Festes nach nn:a versammelten sich im ttnnon n'a viele Mitglieder und Gäste aus andern Bethäusern (darunter auch einzelne Angesehene der d'-tdi-j), und man, kennte sich in dieser animirten Gesellschaft bis gegen 10 Uhr Nachts icnpn ay ,Pino *)’Din? recht gemächlich unterhalten. Geistige und geistreiche Würze erhielt die Conversation durch durchzehends gediegene n"n, vorgetragen von Herrn Rabbiner Salomon Spitzer, wie auch vom Talmudgelehrten Rabbi Abraham Hirsch Klein, Herrn Moses Katz, Rabb. der Spiegelschule, und den Herren Rabbi Fabian Spiegel und Rabbi Jonas Mann, wie auch vor: Herrn Michael Austerlitz, Studirenden an der Preßburger Rabbinerschule. Nicht minder trug bei zur fröhlichen Stimmung ein junger talentvoller Sänger, Herr Gutschmanow aus Rußland, der durch seine musterhaften, rührenden Gesangsvorträge alle Zuhörer begeisterte und rauschenden Beifall erntete. Dieser geniale, mit einer wundervollen Stimme begabte, hoffnungsvolle Kunst-Virtuose, der auch auf dem Klavier ein Meister ist, würde als Opernsänger seine Earrisr? machen und bald avanciren, doch will er diesen Beruf nicht wählen, weil er fürchtet, dabei in rettgiöser Beziehung Concessionen machen zu müffen, und zieht es lieber , vor, in bescheidener Stellung zum Cantor fich heranzubilden. Es verdient diese seltene Gesinnungstüchtigkeit alle Anerkennung und Nachahmung, wie wir auch diesem Herrn viel Glück und baldige Beförderung wünschen, die er von Seiten der Glaubenstreuen mit vollstem Rechte verdient. Den Gipfelpunkt jedoch erreichte die allgemeine Freudigkeit, als Herr Rabb. Spitzer seinen ihm mit stürmischen Hochs Toaste ausbringenden Verehrern die befriedigende Versicherung gab, daß er für jetzt seinen Posten nicht verlassen werde, wenn er nur ebenso die beruhigende Gewißheit hätte, daß auch wir uns von Gott unv dessen Thora nie trennen wollen, was eine einstimmige, begeisterte Zustimmung hervorries. Es ist mir und mit mir gewiß auch allen Gutgesinnten besonders angenehm, in diesem erfreulichen Sinne mein letzthin gegebenes Versprechen durch die erwünschte Mittheilung lösen zu können, daß es den vereinten Bemühungen der Freunde des Herrn Rabbiner Spitzer und der guten Sache gelungen ist, unfern Rabbiner zum Bleiben zu veranlassen, und gewiß hat auch Ihr geschätztes Blatt wesentlich dazu beigetragen, daß Herr Rabbiner Spitzer feinen schwierigen Posten zu unserm Besten und zum Wohle des Judenthums nicht so bald verlaffen dürfte, wenn auch die Bahn eine dornenvolle ist: doch der günstige Erfolg kann nicht ausbleiben, die Anerkennung der Mit- und Nachwelt und der göttliche Lohn werden ihm reichlich zu Theil werden. Trieft. Der Liebe des brasilianischen Kaisers zur hebräischen Sprache haben wir schon zu wiederholten Malen erwähnt; nun lesen wir noch in den Wiener Zeitungen folgendes: der Kaiser von Brasilien begab sich von Pesth nach Triest, wo ihm vom dortigen brasilianischen Consul, Hrn. Baron Marko Morpurgo, ein großer Empfang bereitet wurde. Der Kaiser ließ sich Hrn. Vr.S. Tormigini vorstellen und fragte ihn, ob er die Gedichte des berühmten italienischen Dichters Dante in hebräischer Sprache übersetzt hätte, was ihm bejaht wurde. Die hebräische Uebersetzung hat dem Kaiser sehr gut gefallen. In Carlsbad wurde dem Kaiser, wie „Hamagid" berichtet, von einem russischen Glaubensgenossen ein hebr. Gedicht: „Trostesworte über seine im vorigen Jahre in Wien verstorbene Tochter" überreicht, welches derselbe mit großem Interesse gelesen Frankreich. Paris. Sechs jüdische Aerzte erhielten für ihre während des Krieges geleisteten Dienste die Ehrenlegion, ebenso ein Lieutenant der Mobilgarde; Herr Rabbiner Leon Oury, Feldprediger bei der Metzer Armee, wurdr zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.