Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1871)
- Date
- 1871-11-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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817 Unterscheidungs-Merkmal vom südarabischen Typus, der säst bartlos ist. Nur eines haben die Juden mit den Südarabern gemein, das ist die Magerkeit. Hierin unterscheiden sie sich auffallend von den Juden der spanischen (sephardischen) Unterabiheilung, bei denen (namentlich den in Tunis angesiedelten) eine außerordentliche Neigung zur Wohlbeleiblheit vorhanden ist. In Südarabien dagegen habe ich nie ein wohlbeleibtes Individuum gesehen; die Männer und älteren Frauen zeigen sogar oft eine austallende Magerkeit. Ich war neugierig, zu erfahren, ob es unter der südarabischen Judenschaft auch Karaiten gebe. Bekanntlich sollen die ersten jüdischen Ansiedler in?)emen, die Beni Koraita, wie auch der Name anzudeuten scheint, dieser Sekte angehört haben. Aber alle meine Nachfragen erhielten eine entschieden verneinende Antwort, wodurch nur bestätigt wird, was schon Niebuhr sagt, der alle Juden t)emenB Talmudisten nennt. In Aden, wo die ansässige Judenschaft nur eine einzige große Synagoge besitzt, bestehen zwar noch zwei kleine Gotteshäuser, die nicht von den Adener Israeliten, sondern nur von fremden, aus dem Innern gekommenen besucht werden. Aber ein Unterschied im Bekenntniß findet doch hier nicht statt, wie mir der Oberrabbiner von Aden versicherte; er sagte, die Leute aus dem Innern fühlten sich durch die Nähe der meist reicheren und civilisirteren Adener gewissermaßen gedemüihigt, und das sei der einzige Grund, warum sie sich absonderten. Nach Anderen besteht jedoch in der Abendgebetsstunde ein Unterschied, welche bei den Einen fest auf 6 Uhr fixirt wäre, was jedoch nicht viel auf sich hat, denn in Aden geht die Sonne fast immer um 6 Uhr Abends unter, da es nur 12° nördlich von der Linie liegt. Uebrigens bietet die große Synagoge kaum Platz für die Fremden, denn die Adener Judenschaft zählt an 2000 Köpfe, so daß an jedem Festtag sich immer viele Hunderte dort einfinden. Als ich an einem Freitag Abends die Synagoge besuchte, fand ich sie dicht mit Menschen gefüllt, Alle sehr wohl gekleidet, die Knaben mitunter prachtvoll und mit silbernen Zierrathen behängen. Der Boden war mit schönen Teppischen bedeckt, eine Unzahl Lampen war angezündet; der Schrein, in welchen die Thora aufbewahrt wird, war kunstvoll geschnitzt und reich verziert. Während des Gottesdienstes führte man mich nicht herum, wie dies in Cairo bei den Karaiten geschehen war, sondern wartete das Ende ab, um mir die Thora zu zeigen. Diese war auf langen Lederrollen geschrieben und ich erfuhr, daß in Südarabien jede Synagoge solche Lederrollen besitzt. Auch außerdem sind eine Menge solcher Nöllen vorhanden und nicht schwer zu erwerben. Deren sollen noch jetzt beschrieben werden, aber nur im Innern; in Aden selbst gibt es keine Schreiber, welche Liefe Arbeit aussühren. Am folgenden Sabbath machte ich dem Oberrabbiner einen Besuch. Dieser führte den Titel „Morr" und das soll überhaupt die Bezeichnung aller höheren i Rabbiner Sudarabiens fein. Cs ist wohl das chal-; däische Marö (Herr), das auch im Syrischen in der j Form „Mar" eine so große Nolle spielt. Sein Name ist Menachem ben Möscheh. So nämlich wird hier I der Name Moscheh ausgesprochen. Der Mvri war 1 ein ehrwürdiger Greis, hochbetagt und schon vom? Alter gebückt, nebenbei auch sehr kränklich, so daß ' er mich ans dem Ruhebette liegend empfing. Seine j Gelehrsamkeit soll groß sein; er ist übrigens der! einzige hier ansässige Jude, der bedeutende Kenntnisse besitzt. Die Bücher, deren er sich bediente, waren meist europäische Drucke; er besaß jedoch auch Handschriften auf Leder. Er klagte mir, daß keiner seiner Söhne sich der Gelehrsamkeit gewidmet habe. Aden sei überhaupt ein schlechtes Terrain für diese, man fände hier zu leicht anderweitige und einträglichere Beschäftigungen. Nach seinem Tode müsse man wohl einen Fremden kommen lassen, um einen gelehrten Mvri zu haben. Ich wurde mit trefflichen weißen, fast kernlosen Rosinen (den berühmten aus San») und englischem Ligueur traktirt. Das gebrannte Wasser gilt immer für erlaubt, während blos der Wein von Juden zubereitet sein muß. Die Stammestraditiorren haben sich in Bezug aus die Leviten und Kohanim (Abkömmlinge der Priester) treu erhalten und werden in den Zunamen der Betreffenden zur Geltung gebracht. In Aden zählt man zur Zeit 30 Personen vom Geschlecht der Kohanim, dagegen nur 10 Leviim - man legt nämlich den Ersteren, obgleich auch vom Stamme Levi doch I im gewöhnlichen Leben niemals den Namen Leviim j bei, ja die Unwissenden halten die Kohenim für einen j eigenen Stamm. Alle übrigen Juden nennen sich zum | Unterschiede von diesen beiden: „Israeli". Die Leviim? besonders genießen fast größeres Ansehen als die ] Priestersöhne, was vielleicht daher kommt, weil die j Kohanim hier «nverhältnißmäßig zahlreich sind. .! Die Adener Juden sind zum größten Theil Handj werter, Waffenschmiede, Silberschmiede, Metzger, Man- ] rer, zu jeder Handarbeit geschickt. Nebenbei treiben j sie etwas Handel und kleinere Wechselgeschäfte. Der j Großhandel und die Bankgeschäfte sind hier nicht in } ihren Händen, sondern in denen der Banranen, der f ostindischen Kausmannskaste. Die größeren Details laden gehören den Parsi's und die kleineren auch Banianen oder indischen Moslems. So sind denn ' die Inden hier auf Handarbeit angewiesen. Sie sind ) sehr geschickt, namentlich im Verfertigen der Waffenzierralhe und kriegerischen Utensilien der Araber, und; wissen diesen Dingen mitunter eine ganz elegante! Form zu geben. Da die Araber namentlich mit Dolchschneiden, Pulverhörnern, Kugelblattern silberbe-