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Der Israelit · 1871-11-01 · Heft 44 (1.11.1871) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 44 (1.11.1871)
Date
1871-11-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XII. Jahrgang. Beilage zu Nr. 44 des Israelit. Leitender Artikel. Die Unterwerfung JsaaL's. Ich werde ihnen den Bund mit ihren Vorfahren allezeit gedenken. Es bedarf wohl keiner Erwähnung, daß die zehnte göttliche Prüfung Abraham's, feinen Cohn, seinen einzigen, seinen geliebtesteu, den Isaak zum Opfer zu bringen, wohl ein großer Beweis vom unerschütterlichen Gehorsam Abrahams gegen Gott ist. Wie schwer dieses Opfer, wohl das größte, das von Jemanden je verlangt, auch dem liebenden Vater fallen mußte, Gott forderte es, und Jeder, der solche frommen Gesinnungen hegt, wie unser Vorväter, sollte auch mit Liebe solch eine Aufgabe erfüllen. Die That Jsaak's war eine nicht weniger werthvolle. Von ihm, dem fechsunddreißigjährigen Cohn, von ihm selbst hatte Gott doch nicht die Hingebung feines Lebens gefordert, und erst im letzten Augenblick erfuhr er, daß er zum Opfer gebracht werden sollte, daß sein eigener geliebter Vater ihm den Tod bringen mußte. Treffend ist der vorhergehende Dialog von Vater und Sohn. Als Abraham am dritten Tage nach dem göttlichen Befehl den Ort erblickte, wo er das Opfer bringen sollte, verabschiedete er sich von seinen Jüngern mit den Worten: nym ’jni -wenn cy ns L3i> :3ar ro ny womit er sagen wollte: „Bleibet Ihr hier im Irdischen (nom;uc^3 nenn), ich nnd der Knabe gehen dorthin: na;" welche Bedeutung mit unserer Auffassung des Sinnes; *;jn? nvr no, ganz übereinstimmt. Als er nun das Holz auf Isaak legte, selbst das Feuer und das Schlachtmcsier mitführte — diese tödtenden Gegenstände den zu opfernden Sohn tragen zu taffen, nein, das konnte er nicht — und so beide einig zusammengingcn, da erst erlaubte Isaak sich eine Frage und sprach: „Vater!" „Hier bin ich," (auch diese Worte sprach ich, zu Allem bereit, wenn Gott mich rief), „hier bin ich, mein Sohn." Da fragte dieser ferner: „Sieh hier das Feuer und das Holz (das Cchlachtnuffer erwähnte der Sanstmüthige nicht), wo aber ist das Lamm zum Opfers" Hierauf antwortete der Vater: „Gott wird sich ersehen I das Lamm zum Opfer — und so nicht, dann bist Du das Opfer — mein Sohn -)." s Beide schwiegen und gingen wieder einig zusam- 1 men wie zuvor. Sie schwiegen und verttauten wie gesagt ist: 13 ‘rnrni 'T? on, „Schweiget für den Ewigen nnd hoffet." Sie schwiegen, wie später der Hohepriester Aron beim Anblick seiner hingegangenen Söhne. Endlich an den Ort gekommen, der ihm von Gott angesagt, baute Abraham dort den Altar, legte das Holz zurecht nnd band seinen Sohn Isaak. Dieses Binden war ihm nicht befohlen, und doch wird die ganze Aufgabe von Vater und Cohn mit dessen Namen: mpyn, noch viel mehr aber mit den von. pnu' mpy angedeutet. Das Binden war auch wirklich die Hauptprobe von Beider Frömmigkeit. Das Binden geschah, um allem Widerstreben des Körpers gegen Gottes Willen znvorzukommen. Im Augenblick, als Abraham seine Hand streckte und das Messer nahm, seinen Cohn zu schlachten, schaute er noch gen Himmel, und da fielen Engelthränen auf ihn nieder. Ein Engel Gottes rief vom Himmel nnd sprach: „Abraham, Abraham!" Nochmals sagte er: „Hier bin ich," — noch immer bereit, GottesWülen zu folgen. — Doch nein, es war Gott genug. Bei dieser Begebenheit kommen uns die Worte unserer Weisen ins Gedächtniß: by nro :rnr ryra l’ornn p *psy pw b* „Selbst wenn das Schwert auf deinem Halse liegt, enthalte dich nicht vom Gebet," oder zweifle nicht an Gottes Gnade. Dieses Zcugniß von der Gottesfurcht Abrahams und Isaaks, die mpy, ist unendlich ihren Nachkömmlingen belohnt worden. Die Asche vom Altar, worauf Isaak sich binden ließ, ist auf immer vor Gottes Thron bewahrt, und dieses ist uns ein Zeichen, daß mpy r.D? Israel auf ewig verbürgt bleibet. Das übrige Leben Isaaks war ein einfaches, ein anspruchlofes. Bon ihm wurden wenige Prüfungen mehr gefordert; er brauchte nicht wie Abraham und später sein Sohn Jakob in fremden Ländern umher zu irren. Die einzige That mpyn, das Binden, welches er sich mit Hingebung gefallen ließ, war eine Aufgabe, hinreichend für sein ganzes Leben. Das Binden des Körpers enthält schon alle Tugenden, welche der Mensch zu beobachten hat: daninter sind inbegriffen: das Jnzaumhalten unserer Leiden- *) Vgl. die Übersetzung des Targum Ieruschalmi diese- Wortes.

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