Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1871)
- Date
- 1871-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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811 Möge der sehr religiöse Geist, anstatt wie bisher abnehmen, wachsen und gedeihen? Berlin. Die „P. Z." berichtet aus Berlin: Der Stabsarzt Asche vom 3. Feldart. - Regiment (General - Feldzeugmeifter) ist zum Oberstabsarzt befördert worden, und ist derselbe der erste Israelit, der diesen Grad erreicht hat. Berlin. Am 10. Oktober starb dahier Herr Joseph Zebner. Der Verstorbene wurde 1804 in Groß-Glogau geboren. In seinen früheren Jahren war er Lehrer an der Gemeindeschule zu Strelitz. 1840 erschien seine „Auswahl historischer Stücke aus hebräischen Schriftstellern vom 2. Jahrhundert bis auf die Gegenwart". Das Buch erregte allgemeines Aufsehen. 1845 ging er nach England, woselbst er Bibliothekar am Britisch Museum, wurde und sich die größte Achtung erwarb. Mit außerordentlichem Fleiße arbeitete er, und gelang es ihm, die Collection hebräischer Werke im Britisch Museum zu einer der vollständigsten der Welt zu machen. Während dieser Zeit veröffentlichte er einen zweiten Commentar des Buches Esther von Jbn Ezra nach einem Manuscript im Britisch Museum unter dem Titel: Drras *pn. Körperschwäche und Krankheiten zwangen ihn vor zwei Jahren, seinen Posten niederzulegen, wo er dann nach Berlin übersiedelte. Er war Mitarbeiter von. Sleinschneiders ■vstan und anderer periodischen Zeitschriften. Der Dahingeschiedene lebte streng religis; vor Annahme seines Postens als Bibliothekar am Britisch Museum stellte er die Bedingung, daß er an Sabbat- und Festtagen von jeder Arbeit dlspensirt sein müsse. Er trug seine Leiden mit großer Ergebung. n"3"s"j"n. (Jew. Chr.) Paderborn, 17. Oct. Heute fand im hiesigen israelitischen Waisenhause für Rheinland und Westphalen auf Veranlassung der Gründerin und Vorsteherin der Anstalt, Fräulein Fanny Nathan, die Todtenseier der in den Feldzügen von 1866, 1870 und 1871 .für Gott, Kai'er und Vaterland ruhmvoll gefallenen Glaubensbrüder Statt. Der Feier wohnten der Herr Ober- Präsident v. Kühlwetter so wie sämmtliche Spitzen der Behörden unserer Stadt und eine große Anzahl Gäste bei. Beginn der Festlichkeit war Morgens 10 Uhr, um welche Zeit ein entsprechendes Telegramm an den Kaiser und König abgeschickt wurde, dann Aufstellung der Gedenktafel der Soldaten unter Absingung eines Chorals durch die Waisenkinder mit Musikbegleitung; Gebet für die Gefallenen. Darauf Festrede, gehalten von Herrn Rabbiner Dr. Schwarz aus Cöln, welcher in geistig patriotisch durchdachten Worten die Handlung verherrlichte. Zum Schluffe der religiösen Feier wurde von den Waisenkindern ein Choral gesungen. Hieraus gemeinschaftliches Frühstück für die erngeadenen Fefttheilnehmer im Waifenhause und festliche Bewirthung der Kinder, wobei der Herr Ober-Präsident v. Kühlwetter in kräftiger Rede die schöne Bedeutung des Festes hervorhob und ein Hoch auf den Kaiser uad König ausbrachte, welches sich auf die Warsenkiudr hinüberleitete, indem felblge „Heil Dir im Siegerkranz" anstimmten. Herr Präsident Meyer brachte in herzlichen, schönen Motten ein Hoch auf die Gründerin, Främein Fanny Nathan, aus. Strzalkowo (Posen). Wie stritt die rnsfischen Polizeibehörden die Verordnung iu Hinsicht der Tracht der Juden zur Ausführung bringen, beweist folgender Fall. Der hiesige Schächter Rosenthal — ein Altgläubiger — wurde dieser Tage auf dem Wochenmarkte in Slupce von einem Beamten aufgefordert, ihm nachdem Polizeibureau zu folgen. Hier wurde ihm vom Bürgermeister eröffnet, daß das Tragen langer Röcke in Rußland verboten sei, und müsse sein Rock eene andere Gestalt erhalten. Herr Rosenthal protestitte hiergegen, da er ein freier Bürger Preußens und dem russischen Gesetz nicht unterworfen fei. Half nichts! Der Beamte nöthigte den Israeliten, seinen Rock auszuziehen, und ein Schneider wurde beordert, um bem Kleidungsstück die vorgeschrittene Länge zu gebe». Als die Procedur unter den Klagen des Israeliten vollendet war, überreichte der betreffende Kleiderkünstler die Rechnung für seine Bemühung, welche selbstredend der Eigenthümer des Rockes berichtigen sollte; hierzu verstand sich aber R. keineswegs, behauptete dagegen, es sei chm von seinem Rocke zu viel abgeschnitten, überdies auch die Arbeit so schlecht ausgefallen, daß er angemessen entschädigt zu werden verlange. Seine Beschwerde hierüber hat er, R., bei der diesseitigen Behörde angebracht. Hoffentlich wird ihm sein Recht werden. (P. Z ) Oesterreichifch - Ungarische Monarchie. Wien, 20. October. In der „Neuen fr. Pr." vom 17. d. M., Nr. 2567 , befindet sich die Notiz: „Nachdem die Gutachten: für und wider die Errichtung einer jüdisch-theologischen Fakultät in Wien beim Ministerium eingelaufen sind (iu jüngster Zeit wurde auch Prof. vr. G Wolf um ein Votum ersucht) werden nun bald die Schlnßanträge gestellt werden und dürfte dieselbe bald ins Leben treten". Wenn auch diese Mittheilung schon durch die ebenso unglaubliche als lächerliche Angabe, daß ein „Prof." (*??) Dr. G. Wolf um ein Votum in der Fakultätsfrage „ersucht" worden sei, das Gepräge der Unwahrheit an sich trägt, so halte ich es doch rücksichtlich der mit den Verhältnissen minder vertrauten Leser Ihres geschätzten Blattes als Correfpondenten-Pflicht, hiemit auf Grund zuverlässiger Erkundigungen auf's Bestimmteste zu erklären, daß jene ganze Notiz erlogen ist.