Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1871)
- Date
- 1871-11-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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810 rin liegen, daß von uns bis jetzt noch kein bestimmtes Programm aufgestellt werden konnte, das für die Gegenwart eine sichtliche Gestalt annimmt und einem empfundenen Mangel abhilft. Es wäre daher schon darum von Vortheil, wenn ein orthodores Comits in dem Geiste einer anzustrebenden Seperat-Union in der angegebenen Richtung wirken würde und in einem sofort zu erlassenden Aufruf an die gleichgesinnten Gemeinden an einem greifbaren Zweck für die Gegenwart anknüpfen könnte. Wie viel Gutes hätte der roisr neues Verein schon geschaffen, wenn er, wie angeftrebt, vor 4 Jahren in's Leben getreten wäre, und was vermöchte er oder der nunmehr beabsichtigte nnn now - Verein noch heute in ganz brennden Fragen des Augenblicks schon für Gutes zu stiften, wenn er eben nur in den Sattel gehoben würde. Was geschah z. B. zur Abwehr der auch in diesen Blättern unlängst erwähnten Entscheidung des höchsten Handelsgerichts im deutschen Reiche? Müßte da nicht die Verwendung einer Vertretung aller jüd. oder doch wenigstens aller gefetzestreuen jüd. Gemeinden in Deutschland viel heilsamer wirken, als die Berufung eines Einzelnen, der gerade zufällig davon schädlich berührt wird, dem gegenüber eine zuständige Behörde einen ganz anderen Standpunkt einnehmen kann, als gegen eine nach vielen Tausenden zählende Gesammtheit. An vielen Orten besteht die polizeiliche Vorschrift, daß zu einer gewissen Stunde Samstag Abends die Straße vor jedem Hause gekehrt sein muß, widrigenfalls der betreffende Hausbesitzer bestraft wird. Noch nicht sehr lange wurde, eine Wrttwe deshalb in öffentlicher Verhandlung zu einer nicht unbedeutenden Geldstrafe verurtheilt, und es half ihr nichts die Berufung auf das jüd. Religionsgesetz, das die Befolgung der polizeilichen Vorschrift an diesem Tage verbietet. Wie leicht könnte dem und Aehnlichem vorgebeugt werden, wenn nur eine Centralftelle da wäre, die sich zur Ausgabe machen würde, überall bei etwaigen Gesetzeserlassen Verwahrung einzulegen. wo die religiösen Interessen gefährdet erscheinen. Wie viel schwerer würde eine Petition bei dem hohen Kriegsministerium des deutschen Reiches von einer solchen Vertretung in's Gewicht fallen, die jüd. Soldaten vom Militärdienste an Samstagen und sonstigen jüd. Feiertagen in der Weise zu dispensiren, wie dies in Bayern bereits der Fall ist, und welch' schöner Zweck wäre es, wenn etwa an solchen Orten, wo die jüd. Soldaten keine Koscherkost umsonst erhalten können, vom ganzen Gemeindcbund oder wenigstens von der Separat-Ünion dafür gesorgt würde. Vielleicht wäre in dieser Beziehung auch ein Antrag zu zu stellen, jüd. Soldaten womöglich nur in solchen Ortschaften zu kaserniren, wo ihre Koscherbeköstigung ermöglicht ist. Wir könnten noch gar viele derartige Bedürfnisse der Jetztzeit aufführen, wollen aber den Raum des geschätzten Blattes nicht noch mehr in Anspruch nehmen, glaubend, hinlänglich den Beweis geführt zu haben, daß genug Dinge schon für jetzt vorliegen, die rasches Handeln gebieterisch verlangen, und hoffend, daß die verehrt. Redaction diesmal den schönen Worten auch bald, schr bald, die schöne That folgen lassen wird, eingedenk eines altbewährten Spruches unserer Weisen s. A. ann nt« a”po ntoi zu sein. Lempheim. Der jnjD an n"n und 2'n in Sterbekleidern den Gottesdienst abzuhalten, dieser schöne, alte und ehrwürdige Gebrauch, wurde von dem größten Theil hiesiger ovo Pjo über Bord geworfen. Die (f)eingebildeten Männer halten dieses Gewand für einen unschicklichen Anzug und glauben den Gesetzen der Etiquette eher zu entsprechen, wenn sie in schwarzem Frack und in Glace-Handschuhen, überhaupt in schwarzer Montur, dem lieben Herrgott ihre Visite abstatten, ihre Honneurs machen. Auch dem Dten niDDD wird hier vielseitig der Rücken zugekehrt und die Helldenker, die solches thun, fragen mit ihrem Reformcollegen in der Hagadah mb nwn mnj/n no? Selbst die Herren Lehrer, denen allein von der württemb. Lehrerschaft das Glück zu Theil geworden, Mitglieder der Augsburger Religions - Hobelschreiner- Versammlung gewesen zu sein, anch sie haben der .12,0 ein Valet gesagt. Und wir möchten demzufolge fragen: D"in wir na v'w"nn p dx? „wenn die Böcke so ausgelassen sich benehmen, welche Kreuz-, Quer- und Gaukelsprünge mögen erst die Zickelein zu machen sich erlauben?" *!J Es ist traurig für den Anhänger und Verehrer des alten Glaubens, sehen zu müssen, wie diesem in unserer Mitte ein Glied um das andere vom Leibe gerrffen wird: es ist sonderbar, daß diejenigen, so im Weinberge des Herrn eine edle Rebe um die andere zerknicken, in der Oeffentlichkeit nicht dargestetlt werden wollen als das, was sie in der Wirklichkeit sind, und es ist merkwürdig, daß diese Herren sich so gern ein unverdientes Lob gefallen lassen, dagegen einen verdienten Tadel nicht ertragen können. Eilten kleinen Beweis hierüber zu liefern, kann uns rticht schwer fallen. Als vor etlichen Jahren im „Israelit" (4. Jahrg., Seite 468) ein Artikelchen erschien, worin gesagt war, daß die Hiesige sehr zahlreiche Gemeinde in religiöser Beziehung zu den bestgesinnten gehöre und daß dahier ein sehr religiöser G e i st herrsche, da wurde dasselbe allenthalben mit Entzücken gelesen, und Wonne und Jubel war in allen Gassen. Alö aber seitdem in mehreren Artikeln schlagend nachgewiesen wurde, daß es mit dem „sehr religiösenGeifle" nicht halb so weit her ist, da spieen die sich getroffen fühlenden Reformhelden Gift und Galle und hätten gerne alle Sterne vom Himmel heruntergeschlagen.