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Der Israelit · 1871-11-01 · Heft 44 (1.11.1871) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 44 (1.11.1871)
Date
1871-11-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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809 Herr Siegmund Lasch. Die Gefühlsergüsse, namentlich der Zu nächst stehenden, waren wahrhaft herzzerreißend; das Ganze war eine »wn htdd; man sah, wie in diesen Kreisen der echte, wahre Geist des Judenthums heimisch ist. Die Brüder, Söhne und Enkel des Heimgegangenen legen am Meisten Zeugniß ab von dem hohen Werthe ihres Erziehers und Vorbildes. Als sich der Leicheuzug in Bewegung setzte, war das Gefolge ein fast unabsehbares; den Schluß bildeten die Vereine der Krieger und Gewerke mit ihren Fahnen. Auf dem Friedhöfe sprach zunächst Herr Rabbiner Dr. Auerbach; er war so ergriffen, daß er oftmals seinen Vertrag unterbrechen mußte, uni seinen Thränen freien Lauf zu lassen; dann sprach der Herausgeber dieser Blätter und zum Schluffe Herr Rabbiner 1)r. Schwarz aus Cöln, der, zufällig in Berlin anwesend, dort die Trauerbotschaft vernommen hatte und zum Leichenbegängnisse herbeigeeilt war. Den Körper des Edlen deckt nun die Erde; seine Frau, seine Geschwiffer, seine Kinder sitzen auf der Erde und weinen; die Trauerwoche wird zu Ende gehen, aber der Verlust wird sobald nicht verschmerzt werden. Doch der Trost ist uns geblieben: der Fromme lebt fort in seinen Kindern und Enkeln; sein Geist ruht auf ihnen und wird in ihnen Großes wirken; mögen sie werden, mögen sie leben, mögen sie wirken wie er. Dann wird sich ersiillen das Wort: ro-c6 pna -or. AeitrurgS»sch»rrchte« und Gorrefpondenzen. Deutschland. Darmstadt, 18. October. In Nr. 41 theilte Ihnen ein Correspondcnt mit, daß man dahier einen „Verein für die Versorgung jüdischer Soldgten mit ritueller Kost" zu gründen beabsichtige. Inzwischen hat sich ein Somit« gebildet, bestehend aus den Herren Dr. Marx, L. Sutzbach, B. Mayer, L. Haas, Rendant, L. Wolfs. Dasselbe hat bereits seine Thätigkeit begonnen und nachstehenden Auftuf ergehen lassen. Wir hoffe» und wünschen, daß er vom besten Erfolge begleitet sein werde. Der Auftuf lautet: All die edlen Glaubevsgevossen der Provinz Starkenburg: Wie Euch bekannt, befindet sich in hiesiger Garnison stets eine große Anzahl jüdischer Soldaten. — Diele derselben sind nicht im Stande, die Mittel für die unbedingt nothwendige Koscherkoft sich zu beschaffen und so gezwungen, Terefah zu essen. Um diesem Nothstande abzuhelien, hat sich heute hier ein Verein gebildet unter dem Namen: „Verein für die Versorgung Mischer Soldaten mit ritueller Kost." Damit der Verein aber allen jüdischen Soldaten hier Koscherkost verabreichen kann, sind wir genöthigt. Euch edle Glaubenebrüder zum Beitritte aufzufvrdem und ersuchen Euch, nach Kräften dazu beizustcuern. Die hiesigen Mitglieder haben bereits bedeutende monatliche Beitrage gezeichnet wib haben wir die zuversichtliche Hoffnung, daß die Landgemeinden, die ja allein dabei interesfirt find, uns ebenfalls bedeutende Mittel zur Verfügung stellen. Wir leben der Ueberzeugung, daß dieser Appell an Euere jüdischen Herzen nicht ohne Erfolg fein wird; auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit wissen wir uns Alle einig und dies wird, so Gott will, auch so bleiben. — Natürlich erhalten die Soldaten der Gemeinden, die uns durch Beiträge unterstützen, vor anderen den Vorzug. Cs empfiehlt sich, daß die löblichen Gemeindevorstände die Sache in die Hand nehmen und bei allen Gemeindemitgliedern beiliegende Liste circuliren lasten, worin Jeder seinen m o n a t l i ch e n Beittag — mit der Verpflichtung auf 3 Jahre — einzcichnet. Der Vorstand übersendet diese Listen und die Beiträge vierteljährlich an den mitunterzeichneten Rendanten des Vereines. Das Comite wird jährlich öffentlich Rechnung ablegen. Es ist wohl überflüssig, Euch die Wichtigkeit und Nothwendigkeit dieses Unternehmens an^s Herz zu legen. Jeder Jehudi fühlt und empfindet es, daß diese Aufforderung für sich selber redet. Wir genügen damit nicht nur unserem heil. Religionsgesetze, sondern erfüllen zugleich auch eine patriotische That. Das Vaterland ruft seine jüdischen Söhne zu den Waffen — übernehmen wir die Sorge für Koscherkost. Aus Bayern. Erlauben Sie mir, hochw. Herr Redacteur, noch einmal auf das Project einer Seperat- Union der orthodoxen jüd. deutschen Gemeinden zurückzukommen. Es muß gewiß von jedem Religionstreuen auf's Tiefste beklagt werden, daß eine von allen Seiten so warm befürwortete, schon vor 4 Jahren in diesen Blättern als nothwendig bczcichnete Centralisatiou der Gesctzestteuen, sei cs unter welchem Namen, bis zur Stunde noch nur ein ftomnrer Wunsch geblieben, während der Gemeindebund in Leipzig nach und nach die größten Gemeinden Deutschlands als Mitglieder erwirbt, und sich in einigen Wochen zu constitniren gedenkt. — Unter vielen andern Mottven dürfte wohl nicht gerade der geringste Grund dieser betrübenden Erscheinung da-

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