Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1871)
- Date
- 1871-10-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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801 über die von uns vorgenommene Correctur ausspricht, und außerdem auch prätendirt, daß dieser Brief, i n welchem Herr Desliu die unerhörte Kühn-, heit hat, einen gewissen Respect gegen die Juden an den Tag zu legen, in der Trompetta abgedruckt werde, wobei er ganz und gar vergißt, dem Briese eine entsprechende Summe Geldes beizufügen, welche unerläßlich ist, wenn eine Reclame abgedruckt werden soll. „In der „Trompetta Carpatzilor" Nespect gegen die Juden äußern, heißt aber soviel, als dieses Blatt selbst insultiren. „Aus dem gedachten Grunde, können wir also den Brief des Herrn Desliu nicht abdrucken und bitten daher den Senator, in Allem, was Judenangelegenheiten betrifft, sich niemals wieder an uns zu wenden, denn wir gestehen den Juden nur ein einziges Recht zu: das Recht "nämlich, unverzüglich das Land zu verlassen." Das Motiv, welches Herrn Desliu zur Abfassung seines Gesetzprojectes bewogen haben mag, scheint ein großer Geldmangel gewesen zu sein und er mag wohl darauf gerechnet haben, daß die Israeliten fürchtend, daß sein Project von der Kammer angenommen werden könnte, zu ihm eilen und ihm eine enorme Summe zur Verfügung stellen würden, damit er sein Project zurückziehe. „Trompetta," die ihrerseits ebenfalls an völlig zerrütteten Finanzen leidet — sie erscheint jetzt wegen stets abnehmender Abonnentenzahl nur noch einmal wöchentlich und das Redactionspersonal mußte auf ein Minimum beschränkt werden — Trompetta gibt die Hoffnung auch noch nicht auf,.. daß die Israeliten ihr große Summen anbieten dürften, um sie zum Schweigen zu bringen, und so sah sie denn, obwohl etwas zu spät, in dem Versuche des Herrn Desliu, die Israeliten ruiniren zu wollen, einen Eingriff in ihre alleinigen Rechte und fürchtete gleichzeitig, daß der edle Senator ihr einen, durch langjähriges Schimpfen sauer erworbenen Verdienst, möglicher Weise vor der Nase wegschnappen könnte; dies ist die Ursache der Feindschaft, die „Trompetta" plötzlich gegen den ihr geistesverwandten Senator an den Tag legt. Beide aber mögen die Versicherung hinnehmen, daß kein Jsraeltt so naiv ist, die Gesetzprojeete des Herrn Desliu zu fürchten, oder daran zu denken das Lottermaul des Redacteurs der „Trompetta" mit 1 Gold zu stopfen. Das Gemeine hat nur eine kurze Lebensdauer und überlebt sich schnell. Herr Desliu ist trotz seiner Senatorswürde bereits der Lächerlichkeit anheimgefallen und „Trompetta", die durch ihren ekelerregenden Cynismus täglich an Abonnenten verliert, ist nahe daran sich selbst das letzte Lebenssünkchen auszublasen. . 3112 schlagender Beweis, wie weit der Cynismus einer gewissen Classe von Journalisten geht, welche angeblich nur deshalb gegen die Juden schreiben, weil sie durch dieselben den „wahren Romanismns" gefährdet sehen, diene folgende picante Geschichte : ■ Der Redacteur des bereits eingeganenen Blattes „ Adnarea nationala“ Namens Pascu, hatte bei einem hiesigen Buchdrucker bedeutende Schulden contrahirt, die zu bezahlen er sich außer Stande sah. Da je- : doch die Mahnbriefe und Drohungen des Buchdruckers immer häufiger wurden und der wackere Journalist sich in die Enge getrieben sah, gcrieth er aus folgenden Einfäll, um sich einerseits den ungestümen Mahner für einige Zeit vom Halse zu schaffen, und anderseits sich eine neue Geldquelle zu eröffnen: Cr ersuchte den Buchdrucker um eine mehrtägige Frist, nach welcher er demselben die Mittel ängeben wolle, wie er zu seinem Gelde gelangen könne. Die Frist warde bewilligt und nach Ablauf derselben erschien der genannte Pascu mit einem Manuskripte, Z betitelt: „Die Juden, oder enthüllte Geheimnisse eines f getauften Rabbi," jene Broschüre, welche kürzlich | allenthalben feilgeboten wurde, und deren Inhalt den t. Beweis liefern sollte, daß die Juden wirkliche Christen-; kinder schlachten, um denselben das Blut auszusaugen und dergleichen mehr. In der Vorrede wird ange- 'i geben, daß die Schrift von einem zum Christenthume f übergegangenen Rabbiner zu Jassy herrühre, der j seine Seele erleichtere, indem er diese Geheimnisse % zu Nutz und Frommen der Christenheit preisgebe. Der speculative Buchdrucker, mit der gegen die Juden herrschenden Animosität vertraut, zweifelte kcif neu Augenblick, daß der Erlös dieser Broschüre, | welche ihm Paseu an Zahlungsstatt überließ, ein 1 reichlicher sein werde ung ging auf den Handel ein. 1 Nachdem jedoch die Broschüre gedruckt war, erschien § Pascu bei dem Buchdrucker, erbot sich der Broschüre I bei seinen Freunden einen raschen Absatz zu verschaf- | feit, und nahm den größten Theil der Auflage an ß sich, die er zwar losschlug, aber dem Buchdrucker § natürlich keinen Kreuzer verabfolgte. Ja, er ließ 1 anderwärts die Broschüre zum zweiten Male auflegen I und behielt den Erlös dieser zweiten Broschüre eben- " | falls für sich. ß Der Verfasser dieser Broschüre ist also, wie die f Leser sehen, kein getaufter Rabbiner, sondern der Znj dustrieritter Pascu, der sich nicht nur für einen guten f Rumänier, sondern auch für einen ehrlichen Christen § ausgibt. (Rum. Post.) |