Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1871)
- Date
- 1871-10-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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800 liefert uns ein Beispiel, wie man am Breslauer Seminar mina ous niuo ist. Die Festrede führt den Ausspruch der Waisen an: njn « zt'V oan n'vvri enpon rua o*o und übersetzt ihn: „Ein Gottesgelehrter, der auch die ni'cht religiöse Wissenschaft in sich ausgenommen rc." Diese Uebersetzung des Wortes njn aber ist nichts als Lüge und Heuchelei. Wer erkennt nicht gleich den Hintergedanken an den andern Ausspruch der Weisen ia i'ttv n"n va udd na*.o n^aj njn. Müßte man da nicht auch übersetzen: „ein Talmid Chacham, der die nichtreligiöse Wissenschaft nicht in sich ausgenommen — ein Aas ist besser als er"? diese falsche, verwerfliche Auslegung des Wortes njn war cs einst, die den sonst so verdienstvollen Rabbi Herz Wessely um allen Credit gebracht hatte. Freilich, es wäre ganz characteristisch, wenn das Breslauer Seminar überpretirte 'i mjn d-r „Gott sei ein Gott der nichtreligiöfen Wissenschaften"!l Wie groß die im heutigen Israel herrschende Begriffsverwirrung ist, davon legt die Adresse des Berliner Beth Hamidrasch ein trauriges Zeugniß ab. Ist das nicht dieselbe Anstalt, die vor zwei Jahren Herrn Rabbiner vr. Hildesheimer als ihren Lehrer nach Berlin berufen hat, noch ehe die Adaß Israel sich constituirte? Und diese Anstalt richtet an Frankel eine Adresse, in welcher sie ihn beinahe als welterlösenden Messias begrüßt! „„Die von Gott überlieferte Lehre drohte zu erlöschen, da erstanden Sie, hochgeehrter Herr!!! "" Und das schreibt, das Berliner Beth Hamidrasch an einen Mann, von dem es bekannt ist, daß er den göttlichen Ursprung der Tradition leugnet, und nennt diesen selben Mann, „einen Segen und eine Zierde unseres Volkes"! Da hat sich doch die isr. Gemeinde zu Dresden, einst des Jubilars getreue Heerde, viel sachgemäßer benommen; sie widmet eine Adresse von acht Zeilen, von denen drei dem Titel und dem Datum geweiht sind und feiert ihn — was Dresden betrifft — lediglich als „unvergessenen Mitbegründer ihrer Synagoge." Da ist doch keine Lüge, keine heuchlerische Augendienerei! Dresden weiß, was aus feiner jüdischen Gemeinde unter Frankels Leitung geworden. „La mort sans phrase,“ wie Philipp-Egalitv, einst sagte. — Ganz besonders freut sich die Stettiner Wochenschrift, daß auch aus Magdeburg, dem früheren Rabbinatssitze Philippsons, eine Beglückwünschungsadresse gekommen. Das ist eine nop:, die wir ihr gerne gönnen. Auch die Alliance Jsraelite Universelle ist nicht zurückgeblieben: auch sie hat Herrn Frankel ein Beglückwünschungsschreiben gesandt (die Ernennung zum zum Mitgliede des Central-Comite's ist altern Datums; die „Wochenschrift", die sie als bei dieser Gelegenheit erfolgt, meldet, hat das in französischer Sprache abgefaßte Schreiben mißverstanden). Die höchste Auszeichnung hat dem gelehrten Jubilar Seine Majestät, der Kaiser von Oesterreich, zu verleichen geruth; Herr I)r. Frankel wurde zum Kaiserl. Königl. Rath ernannt. Ob man wohl vergessen hat, die preußische Regierung auf diese Jubelfeier aufmerksam zu machen? Sicherlich wäre sonst wohl auch von Berlin eine Gnadenbezeugung, etwa der Adleroden vierten Klasse, oder der Titel eines Professors eingetroffen. Wir gönnen Herrn Frankel gern jedwede Anerkennung; wir schätzen ihn als Mensch und Gelehrten; aber als jüdischer Theolog, als Bildner von Rabbinen, hat er einen höchst verderblichen Einfluß ausgeübt. Die Halbheit, die Hohlheit, Mantelhängerei, die verderbliche Zweideutigkeit in Lehre und Leben, wie man ihnen leider jetzt so vielfach begegnet — sie sind Frankels Werk, Folgen seines Wirkens, seines unentschiedenen Charaeters, seiner Prineipienlosigkeit, seines „Hüpfens aus zwei Zeigen" — und deßhalb können wir ihm nicht huldigen und deßhalb mußten wir den Wermuthstropsen gießen in den Becher der Freude, und deßhalb durften wir nicht schweigen, wenn auch bei dieser Gelegenheit doppelt hart erscheinen unsere Worte jo ps Zur ßharacterrstik rumänischer Zustände. Bukarest, 9. Oktober. „Trompetta Carpatzilor" in welcher das von dem Senator Desliu abgefaßte „Gesetzesproject für die Ertheilung der Civilrechte" an die Israeliten zuerst abgedruckt war, veröffentlicht in ihrer letzten Nummer folgenden Commentar in Bezug auf das genannte Aktenstück: „Der Senator Desliu hatte vor einigen Tagen ein Schreiben, in der Form eines Gesetzesprojectes für die Juden an uns gerichtet, und nur seine große Zudringlichkeit, sowie die Summe, welche er bezahlte, bewog uns, die Reelame des Herrn Desliu abzudrucken, denn die Arbeit an und für sich ist ebenso naiv als bedeutungslos. „In dem Gesetzesprojecte des Herrn Desliu figurirt die Bezeichnung „Israelit" zu wiederholten Malen und unser Corrector ließ es sich daher angelegen sein, überall, wo dies der Fall war, das Wort Jude ssiäov) zu substituiren, wohl wissend, daß diese letzte Ausdruckweise in allen Sprachen, also auch in der rumänischen und französischen, die allein richtige ist, denn wie wir mit der Bibel in der Hand beweisen können, existiren keine Israeliten, sondern nur Juden (jidovi.) „Run kommt uns abermals ein Schreiben des Herrn Desliu zu, in welchem dieser sein Befremden