Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1871)
- Date
- 1871-10-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XIL Jahrgang. Beilage z« Rr. 43 des Israelit. Leitende Artikel. AranLetfeier in Mreslau. Mainz, 20. Ocr. Herr vr. Zacharias Frankel, Director des Rabbiner-Seminars in Breslau, hat am verflossenen Simchas-Tora seinen siebenzigsten Geburtstag gefeiert. Die Nr. 42 der „Jsr. Wochenschrift" widmet ihren ganzen Raum der Besprechung dieses Ereignisses, und wir lvollen danach eine kurze Darstellung unfern Lesern vorführen. Wir geben die nachstehende Darstellung mit tiefbetrübtem, schmerzerfülltem Herzen. Wir möchten fo gern mit einstimmen in den allgemeinen Jubel; ja, es würde uns wohlthun, wenn auch wir dem gelehrten Jubilar unsere Huldigung darbringen dürften. Der Herausgeber dieser Blätter hat stch seit einigen Wochen mir dem neuesten Werke desselben, den 'v-Vo-.i s«2D beschäftigt und die umfassenden Kenntnisse des Bersasfers (abgesehen von so manchem Jrrthum, der aus feinen Principien hervorgehr) bewundert — allein wir fühlen uns verpflichtet, vor Allem der Wahrheit die Ehre zu geben. Da wir bei diesem feierlichen Anlasse nicht loben, nicht rühmen, nicht preisen können, so hätten wir gern von der ganzen Angelegenheit geschwiegen — allein, auch das geht nicht. Es handelt sich, wie unsere Leser sehen werden, um die heiligsten Interessen des Judenthums, und da dürfen wir nicht schweigen. Wir sind uns recht gut bewußt. welchen Zorn, welche Wuth die nachstehende Beurthcilung dieser Angelegenheit bei den offenen Gegnern und den halben Freunden des „Israelit" erregen wird. Man wird uns angreifen, verhöhnen, verleumden, falschausgelegte Bibel- und Talmudstellenj gegen uns ins Feld führen, wie wir das seit langer Zeit gewöhnt sind — allein, wir sprechen furchtlos und ergeben mit dem Propheten TnnDn so ’jej , "nr- >nr:; p 7p , tidPj sO p by o itj;’ on:>«< 'ii — pia« so 'v jnso iro7rD ’Je 'na& „Meinen Rücken habe ich gegeben den Schlägern und meine Wangen den Verwundern, mein Antlitz habe ich nicht verbürgen vor Beschämung und Speichet. Gott, der Herr, wird mir helfen, deßhalb bin ich nicht beschämt worden, deßhalb habe ich meine Antlitz gemacht harr wie den Kieselstein, und ich weiß, daß ich mich nicht zu schämen brauche." Zunächst ergibt stch, aus dem Berichte der genannten Zeitschrift, daß Herr vr. Frankel so recht und ganz und gar der Mann ist, welcher es aller Welt recht zu machen versteht. Auf seine Werke können sich die größten Poschim beziehen, um ihre zerstörende und vernichtende Thätigkeit zu rechtfertigen. Wir wollen nur an Frankels Orakelspruch erinnern, daß jede Halachach, selbst wenn sie durch die älteste Mischnah vorgeschrieben wäre, ihre Verbindlichkeit verloren, wenn sie vom Volksbewußtsein abrogirt sei. Daß durch solch einen Ausspruch alle Verbote von rwsnn rr 27n, ca” oro, D>:nn nwo* men!' rrc^c raeo c-oj schon heute über Land geworfen rverden können, ist einleuchtend; aber nicht minder ist dadurch die Handhabe geboten für Abschaffung aller Gesetze und Vorschriften unserer heiligen Religion. In richttger Würdigung dieses Umstandes hat denn auch die „Jsr. Wochenschrift" an die Spitze ihrer siebenseitigen Festbeschreibung ein Gedicht von dem bekannten Advokaten der vollständigen Abschaffung von Sabbat, Milah, Ehegesetzte:c., Herrn Emil Lehmann in Dresden gestellt. Er feiert Herrn Frankel als denjenigen, deffen Wirken das Judenthum „verjüngt" habe. Das Curatorium der Commerzienrath Fränk e lachen Stiftung sandte eine Beglückwünschungsadresse; es ist das dieselbe Stiftung, der auch das Seminar seine Existenz verdankt. In Anerkennung des Wirkens des Seminar-Direktors errichtet das Curatorium ein Stipendium aus Stiftungsmitteln, bas» Franke!'s Namen tragen soll. Sodann folgten die Adressen des Lehrercollegimns und der Hörer am Seminar; daraus eine Adresse von einem aus den verschiedensten Elementen zusammengesetzten Eomitv, in welchem sich zum Beispiel Namen von so verschiedenem Klange wie Oberrabbiner vr. Adler in London und Raphael Kirchheim in Frankfurt a. De. zusammenstnden. Diese Herren haben 5000 Thaler gesammelt, um sie Herrn Frankel zu übergeben, damit er nach seinem Belieben eine Stiftung daraus sundire, die seinen Namen trage. Aus Wien war der Dichter Herr vr. Ludwig August Frankl, erschienen, um eine Adresse der Wiener Gemeinde zu überreichen; auch der Hausarzt des gelehrten Jubilars, ein Nichtjude, Herr vr. Hodann, brachte seine Glückwünsche ein Namen der zahlreichen christlichen Gratulanten dar. Aus der Festrede, die ein Herr Rippner hielt, heben wir die Behauptung hervor, daß stch „der ganze Troß der Dunkelmänner Herrn Frankl entgegengeworfen habe." Daß diese sogenannten „Dunkelmänner" wohl berechttgt und verpflichtet sind, Herrn Frankl und seiner Richtung Opposition zu machen, imfiiT gibt die Festrede den schlagendsten Beweis; sie