Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1871)
- Date
- 1871-10-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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792 bleiben von jeglicher Sünde, und das Verdienst der Menge wird an seinen Namen sich knüpfen. Ja, Gott wird die Strebenden unterstützen und in ihrem guten Werke fördern. Haben sich aber die Getreuen zusannnengefunden, so muß man auch suchen, sie zusammenzuhalten. O, wenn es doch möglich wäre, die Menge dahin zu bringen, daß sie täglich Vorträge höre aus den erhabenen Werken unserer ethischen Schriftsteller, daß sie sich gewöhnen , in denselben zu lesen! Freilich ist helttzutage das Verständniß jener Schriften der großen Menge, die der hebräischen Sprache nicht mächtig ist, erschwert; aber gediegene, tüchtige, gelehrte Männer sollten es nicht verschmähen, derartige Schriften in der Landessprache abzufasscn, darin die Gedanken unserer großen Altvordern auszunehmen; reiche Leute sollten die Mittel dazu hergeben, eine derartige jüdische Volksliteratur zu schaffen; in schönem, nrodernen Gewände, lieblich und angenehm zu lesen, sollten die alten jüdischen Volksbücher wieder erstehen und sollten die Lectüre bilden, zu denen jeder Familienvater seine Söhne und Töchter anhalte. Wie viel Gutes würde doch dadurch geschaffen werden k Wie manches Herz würde dadurch erwärmt werden für die heilige Lehre unseres Gottes, wie manches Gemüth würde geläutert, wie manche Seele gehoben werden? Wie Viele würden geschützt werden vor Bösem, wie Mancher würde zum Guten angeeisert werden! Eine andere, noch wichtigere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, daß es in Zukunft Israel nicht an gesetzeskundigen Rabbinen fehle. Daß in unserer materiellen Zeit sich talentvolle, sittlich reine, gut erzogene, gläubige Jünglinge dem Berufe des Rabbinen widmen, daß sie Gelegenheit finden zu „lernen", daß sie unterstützt werden während ihrer Studienzeit, das ist eine Aufgabe, die sich Jeder zu Herzell nehmerl sollte; denn die wahrhaften, echten Volkslehrer in Israel — Anderes ist doch der Rabbiner nicht — waren von jeher die Säulen, auf denen das Judenthum fest und sicher gerllht hat von Abraham bis Moscheh, von Mofcheh bis Esra, von Esra bis Rabbi, vorn Rabbi bis zum Rema, vom Rema bis auf unsere Tage, und so wird es bleiben für alle Zukunft; jemehr echte, fromme Rabbinen, desto .sicherer und freudiger dürfeil wir der Zuknilft entgegcnschauen. Thuen wir unsere Pflicht und harren wir ruhig, fest und sicher aus. Für die Zukunft des Judenthums haben wir Nichts zu fürchten; aber für uns'und llnsere Kinder, daß wir, daß sie nicht hinweggeriffen werden vom Strudel des Verderbens, sondern daß wir, daß sie feststehen wie ciu Fels inmitten der wogenden See, »ntoni ,“6ud neny new cnH nitos 'i idn '> '\n km« -eiyn ua bv er »et bivn' newa Dn^y, „ Und sie sollen mir sein, spricht der Herr Zebaoth, mein geliebtes Eigentbum, und ich werde mich ihrer erbarmen wie sich der Vater erbarmt seines gehorsamen Sohnes." (Maleachi 3, 17.) Aeitungsnachrichten und Gorrefpondenzen. Deutschland. Mainz, 12. £)ct. Der aus ,;Stetti n" datirte Artikel in Nr. 39 und 40 dieser Blätter veranlaßt Herrn Rabb. 0r>. Treue nfels zu einem Vorgehen, das eines anständigen Mannes durchaus unwürdig ist. Weil Herr Tr. Niemanden in (Stettin kennt, der jenen Artikel geschrieben haben kann, so erklärt er die Datirung für gefälscht, für Lüge, und zieht allerlei Corrfequeuzeu daraus. — Wir haben aber jenen Artikel von Stettin aus, mit dem Poststempel „Stettin" versehen, zugefchickt erhalten und haben ihn mit einigen wenigen Abänderungen — die jedoch nicht die Sache, sondern nur die Satzbrldung, Ausdruckswcifc k. betrafen — zum Abdrucke gebracht. — Muß etwa in (Stettin jebet Israelit , der dorthin kommt, jeder jüdische Soldat, der dort iil Garnison liegt, vorher zu Herrn Tr. .sich verfügen, fein Glaubensbekenntniß ablegen und seine Relationen zu uns mittheilend Wir verlangen von Herrn Tr., daß er seine Beleidigungen zurücknehme; wir müßten ihn sonst als böswilligen Verleumder verachten. — Im Nebligen nehmen wir Act davon, daß der Inhalt jenes Artikels von Herrn Tr. indirect als zutreffend bezeichnet wird. Aus Norddeutschland, 10. October. Die Reform hat uns in ihren Helden schon oft genug Charaktere vorgcführt, die es mit dem, was man im gewöhnlichen Leben Ehrlichkeit nennt, nicht allzu genau nehmen. Es ist gar nicht ungewöhnlich, daß unfern Weisen gesegneten Andenkens von diesen Helden Wotte in den Mund gelegt worden, die sie niemals geredet, oder wenn geredet, einen ganz anderen Sinn damit verbanden, als ihnen von der Reform imputirt wird. Das ist Alles bekannt genug und bedarf hier keiner weitläufigen Erwähnung. Wovon hier aber berichtet werden soll, das ist ein ganz neuer Beweis von' großer Ehrlichkeit, durch die sich ein enragirter Reformer jüngstens hervorgethau hat. Herr Benjamin Holländer aus Leobschütz'(Oberschlesien), — kennen Sie diesen Heran? Nun,1 enn Sie ihn nicht kennen, haben Sie gerade nicht viel verloren, auch wir rechnen seine Bekanntschaft uns nicht zum besondern Gewinn; aber zur Beürtherlung des Princips, das er verttitt, ist seine Bekanntschaft doch nicht ganz unnütz. Herr Benjamip Hollän-