Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1871)
- Date
- 1871-10-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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781 P a l L st i n a. Zfetufalem. Die in Jerusalem erscheinende jüdische Zeitschrift „Habazeleth" hat ihren zweiten Jahrang begonnen und erscheint von nun an in Viertelsogen. Die Herausgeber haben mit dem zweiten Jahrgang den Preis ermäßigt, um so ihrer Zeitung Eingang in jüdischen Häusern zu verschaffen. Das Blatt bringt oft Interessante Neuigkeiten von Jerusalem und Palästina, und können wir es überhaupt allen Freunden der jüd. Literatur und Jerusalems empfehlen. Feuilleton. Zur rechten Zeit. XXXII. Eine Doppelhochzeit. Während sie so mit einander redeten nnd die Hochzeitsgaste verdutzt darein schauten, trat ein Fremder in den Saal und fragte: „Finde ich hier den Menaschch Kann aus Frankfurt a. M.?" „Was wünscht Ihr von mir?" fragte Menaschch. „Ich komme von Frankfurt," sagte der Fremde. „Der dortige-Rabbiner hat erst in voriger Woche Euren Brief erhalten. Da sandte er mich als erpressen Boten Zu Euch, um Euch diesen Brief zu übervringen. Ich bin Tag und Nacht gereist und hoffe noch zur rechten Zeit^gekommen zu sein." Menaschch nahm den Brief und las denselben laut vor. „Mein lieber Schüler Menaschch," schrieb der Rabbiner von Frankfurt, „erst heute empfange ich Deinen Brief, den der Mann, der ihn besorgen sollte, nicht rechtzeitig abgeliefert hat. Zu meiner Ueberraschung erfahre ich, daß Deine Verheirathung nahe bevorsteht. Du erwähnst nichts von der Kemea, die ich Dir beim Abschiede gegeben — hast Du sie verloren oder vergessen? So wisse denn, ich habe hineingeschrieben: „Hajitochen schej'ßo Jsch eß Achaußau?" „Ist es wohl recht, daß Jemand seine Schwester heirathe?" Du wirst darob erstaunt sein; doch ich will Dir das Räthsel lösen. Du bist nicht der Sohn des Rabbi Paltiel, sein Andenken sei zum Segen, und seines frommen Weibes, sie ruhe in Frieden. Du wurdest als ein verwaistes Kind von ihnen ausgenommen, da ihnen eben ihr einziges Söhnchen gestorben war. Ein armer Jude, Abraham aus Nußdorf, hatte Dich von einem Christen, dem Haushofmeister des Fürsten von Hohenburg, erhalten. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist Dein Vater der ehemalige Hofagent des Fürsten, der, zum Tode verurtheilt, voL eben jenem Haushofmeister war gerettet worden. Dn weißt, Rabbi PaltiA erzog Dich wie seinen eigenes. Sohn. Als Du in die Fremde zogest, wollte ich Dir das Geheimniß Deiner Geburt mittheiten' — Äabbi Pattiel, dem ich einst mein Wort gegeben, Dir ohne sein Wissen nichts zn verrathen, erlaubte es nicht. Da dachte ich, Dukönntest vielleicht in der Fremde Deine Eltern finden, ohne fie zu erkennen, könntest Dich mit Deiner Schwester vermählen, ohne zu wissen, daß es Deine Schwester sei, da schrieb ich jene Kemea, um Dich stutzig zu machen und zu genauen Nachforschungen, zu veranlassen, aus Gott vertrauend, der seine Frommen vor Straucheln schützet. — Deine Vflegeelteru, mein Sohn, sind gestorben-, ihre letzten Athemzuge waren Segenswünsche für Dich „Theilet ihm mit, Rabbi," sagte Rabbi Paltist auf seinem Todtenbette zu mir, „daß er nicht mein Sohn ist, daß ich ihn aber geliebt habe wie mein eigenes Kind." Und nun, mein Schüler Menaschch, nun weißt Du, was Du wissen mußt. Forsche genau nach, ob Dein Schwiegervater nicht ehedem Nathan Anspach hieß und Hofagent beim Fürsten von Hohenburg war. Wenn uicht, so wünscht Dir zu Deiner bevorstehenden Vermählung Malet und Brochoh *) Dein Dich liebender und schätzender Lehrer und Freund I 0 s u a, Rabbiner zu Frankfurt a. M." „Ja," rief Nathan, als Menaschch zu lesen aufgehört hatte, „mein Name ist Nathan Anspach, ich war früher Hofagent in Hohenburg, und hier ist der Fürst, mein gnädiger Herr, und hier der edle Haushofmeister, mein Lebensretter." „Komm an mein Herz, mein Sohn," rief Mirjam lantschluchzend, „wie habe ich Dich beweint und betrauert!" Und sie umarmte den Wiedergefundenen aufs Neue. Die Hochzeitsgäste beglückwünschten die glücklichen. Eltern und wollten sich dann entfernen. „Bleibt," rief Menaschch, „nicht umsonst sollt Ihr geladen, nicht vergeblich soll meine Schwester Mirek angethan sein mit bräutlichem Schmucke. Mein Vater, mein Freund David Wiener liebt schon lange meine Schwester im Stillen. Aber er überwand sich, weil er wußte, daß sie dem Freunde bestimmt war. Gib fte ihm, mein Vater, Du stndeft keinen besseren Schwiegersohn. Und wenn wir auch heute die Hochzeit nicht feiern, so mögen die eingeladenen Gäste das Verlobimgsmahl mit uns verzehren." „Es sei," sagte Nathan, „und wenn er auch arm ist, so ist er doch fromm und rechtschaffen und ein tüchtiger Talmudgelehrter. Was sagt meine Tochter dazu?" *) Glück und Segen.