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Der Israelit · 1871-10-18 · Heft 42 (18.10.1871) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 42 (18.10.1871)
Date
1871-10-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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780 Durch das Geräusch erwachte das Mädchen, und da das Zimmer wegen des heiligen Abends beleuchtet war, erkannte dasselbe in dieiem Eindringlinge zu ihrem größten Schrecken den Sohn der benachbarten Herrschaft, welcher sie schon seit lange mit seinen Liebesanträgen belästigte. Der junge Mann eröfsnete nun mit kurzen Worten dem Mädchen, daß sie seinen Wunsch erfüllen ' M, denn sonst würde sie noch in dieser Stunde zu leben aufhören, und um diese seine Drohung zu bestätigen, wollte er die Pistole von seinen Schultern herunternehmen, wobei er mit derselben an die über ihm hängende und brennende Petroleumlampe angeschlagen hatte, und rm Augenblick stand der junge Mann in Hellen Flammen. Nun entstand ein Geschrei, sowohl von diesem von Liebe und Petroleum brennenden Manne, als auch von dem zitternden Mädchen, wodurch die Hausdiener herbei eilten. Man konnte nun wohl das Feuer ersticken, aber für das Leben des jungen Mannes ist keine Hoffnung mehr, da seine Brandwunden äußerst gefährlich find. Zu bemerken ist nur noch, daß die Pistole nicht geladen war, und somit kann man annehmen, daß der Junge Mann mit der Ermordung des jüdischen Mädchens es nicht ernst gemeint hatte. (Pesth. )üd. Z.) Pefih. Vor einiger Zeit haben wir von einem Ghescheidungsprozeß mitgetheilt, bei welchem der Altofner Rabhirier zur Vollziehung einer nach unserer Religion «ng^tzlichen Scheidung von der ungarischen Negierung gezwungen werden sollte; jetzt erfahren wir, daß des ungarische Cultusmmisterium diesen Religionszwang wicht aus den Altofner Rabbiner ausüben will, und dem scheidungssüchtigen Manne den Rath ertheilte, sich an einen anderen Rabbiner, der weniger religiös ist, zu »enden: wir hoffen aber, daß sich in Ungarn kein anderer Rabbiner finden werde, der sich zu solcher verbotenen Scheidung Herbeilaffen würde. (Pesth. jüd. Z.) M. Die hiesige israelitische Gemeinde miet Winter einige Zimmer, die aus Gemeindekosten geheizt werden, damit darin die armen alten jüdischen Weiber ihr Unterkommen für den Winter finden sollen, wo fie sich mit weiblichen Handarbeiten beschäftigen können, um so ihr Brod leichter zu verdienen. Neben diesen Zimmern befindet sich die Suppenanstalt, wo sich diese Armen mit sehr billiger Kost versehen Wwerr. (Pesth. jüd. Z.) Frankreich. ..... Das Central - CoinktS der . „All. Mr. Ämv." veUmdet gegenwärtig es Bulletin^vom A Semester 1870 und 1. Semester 1871. Nachstehendes «ritüehmcn wir demselben: In der Sitzung vom 13. Juli 1870 berichtet der . Secretär über einen an einem Israeliten in Tripolis, Namens Saul Racca, begangenen Mord. Die öffentliche Ctimnke beschuldigte einen hohen Beamten. Derselbe würde von der Justiz nicht Verfolgt. Das Ceritral-Comitä hat die nöthigen Schotte gethan, aber über den Erfolg keine weiteren Nachrichten erhalten. Das Cornile zu Livorno bittet, daß man die Affaire mit einem Kinde, Namens Bincens, welches in Cairo (Egypten) von Mönchen weggenommen wurde, verfolge. Der Aufforderung wurde nachgekommen. 'In der Sitzung vom 10. August wurde berichtet, daß Herr Rabbiner vr. Nathan in St. Thomas (Antillen) und Präsident des Local-Comites der „Alliance", zu Gunsten russischer Waisenkinder 11,000 Fr. gesammelt. Zu dieser beträchtlichen Summe trugen Juden wie Christen bei, welche alle zu diesem guten Werke beisteuern wollten, daß dafür 7—8 Waisen erzogen werden könnten. Alle Cubscribenten wünschen, daß diese Kinder, wenn möglich, unter der Aufsicht des Central- Comite's in Paris erzogen werden und daß man ihnen die Grundsätze des wahren Judenthnms lehre. Am 26. Juli 1871 wurde denn auch beschlossen, daß sich die f erren Derenburg und Rosenfeld mit dem Comit^ in önigsberg in Verbindung fetzen, daß dieses 5 oder 6 brave polnische Waisen nach Paris sende, welche daselbst von der aus St. Thomas erhaltenen (tumme erzogen werden soften. ■" •' ■'? «•■••• »■>■•:> In der Sitzung vom 19. Juni 1871 erstattet Herr Goldschmidt Bericht über die Ackerbauschüle zu Jaffa. (Berichterstatter hat der „Alliance", wie wir schon früher mitgetheilt, 50,000 Fr. zu Gunsten dieser Schule zur Verfügung gestellt.) Die. Anstalt zählt 6 Schüler; das vom Gouvernement hierzu überlassene Terrain bettägt 240 Hektaren; 25,000 Weinstöcke sind bereits gepflanzt und verschiedener Unterricht wurde eriheilt. Die für diesen Zweck bestimmte Sststime ist lange nicht zureichend, ungefähr noch 200,000 Fr. sind nöthig. Herr Goldschmidt und Herr Netter wollen je 25,000 Fr. für dieses Unternehmen geben. Dem Protokolle der Sitzungen sind Auszüge von den Briefen des Herrn Netter, datirt Jaffa, forme Mehrere Rechenschaftsberichte von einzelnen Comits-'s beigefügt. Die Einnahmen der „Alliance" von 1869—1870 betrugen 99,363 Fr.., die Ausgaben 90,9.37 Fr., im Jahre 1870—1871 die Einnahmen 47,732, die Ausgaben 50,373 Fr. Das Vermögen der „Auiari(e"hat im Rechnungsjahre 1870 um 8426 Fr. zugenommen, im Jahre 1871 hingegen um 2641 Fr. abgenommen. Dem Bulletin sind 3 Karten über die Lage, Gebäulichkeiten u. s w. der Ackerbauschule (Mikwe Israel) zu Jaffa angeschloffen.

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