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Der Israelit · 1871-10-18 · Heft 42 (18.10.1871) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 42 (18.10.1871)
Date
1871-10-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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776 hatte sich diese Hoffnung auf's Herrlichste erfüllt. Und so lehren auch die Weisen: Aus dem Grimme ersteht Wohlgefallen, aus dem Zorne Erbarmen, aus der Noch Freiheit, aus der Entfernung Annäherung, aus dem Falle Erhebung, aus Finsterniß Licht. Es ist eine Zeit der Prüfung, die Gott uns sendet, damit klar und deutlich man erkenne, wer treu bleckt dem Glauben und dem Gesetz, und wer seiner Luft und dem Wohlgefallen seines Herzens nachwandelt; und so hat es schon Secharjah vorausgesagt: „Und ich werde den dritten (noch übriggebliebenen) Theil in Feuer bringen und werde ihn läutern wie rnan das Silber läutett, und werde ihn prüfen wie man das Gold prüft; er wird meinen Namen anrufen und ich werde ihn erhören; ich werde sprechen: mein Volk ist er — und er wird sagen: der Ewige ist mein Gott. (C. 13, V. 9)" Die Prüfung, die wir jetzt erleben, ist von allen vorhergegangenen durchaus verschieden; denn früher war es die rohe Gewalt, die unsere Voreltern, diese oder jene Gemeinde, die jüdischen Bewohner dieses oder jenes Landes unserm Gotte entfremden wollte. Geprüft wurden unsere Vorfahren durch Schwert, Feuer, Hunger, Verachtung und Verfolgung, und geläutert gingen sie aus all den Prüfungen hervor. Wer aber der Versuchung nicht Widerstand zu leisten vermochte, dessen Sünde war nicht so groß, da er nur dem äußern Zwange nachgegeden hatte. Heute aber ist der Grimm des Drängers verschwunden; klar und heiter ist der sich über uns wölbende Himmel; di^ Wolken sirip hinweggezogen; ungehindert und ungestört dürfen Nr unssrm Gotte dienen; aber die Krankheit herrscht in unserer Mitte. So frei, so leicht könnten wir treu bleiben der Religion der Väter — um so schwerer fällt die Sünde der Abgefallenen in's Gewicht. Was aber ist zu thun, um in diesen Zeiten des allgemeinen Zerfalles der religiösen Institutionen das auf dem Meere des Lebens von den Wellen umhergeworfene, von den Stürmen so schwer bedrohte Schifflein des Jndenthums zu errettend Das wollen wir, so G. w., im nächsten Kapitel erörtern. (Schluß folgt.) Aie Iudenfrage in Wumänien. r j » -:— Bukarest, 2. October. Drei und dreißig Deputirte waren es, die vor einigen Jahren den gordischen Knoten der Judenfrage in Rumänien, durch das bekannte Gesetzesproject zu lösen ruchfen, dessen Inhalt sich in den Satz zusammenfassen laßt: „Man entziehe den Juden die Mittel zu ihrer Existenz und sie werden aufhören zu sein." Dieses Project modert in irgend einem Archive, aber seine Urheber leben noch immer und sie haben seit damals ihre Zeit gut benützt! Taub gegen die Sprache der Geschichte, unempfindlich für die Strömung der Zeit, gefeit gegen Fortschritt und Humanität, haben sie ihren menschenfeindlichen, lichtscheuen Systemen eine immer größere Verbreitung zu verschaffen gewußt, haben sie zahllose Schüler und Anhänger angeworben, und mit ihnen gemeinschaftlich die finsteren Schachte des Wahns durchwühlt, haben sie dem leichtgläubigen Volke das taube Gestein der Unvernunft für blinkendes Erz der Vernunft verkauft und es herangezogen zu der Arbeit des Unterwühlens aller Fundamente, auf denen das Wohl und die Zukunft eines Staates und einer Gesellschaft beruht — „vortreffliche Minirer!" Dank den Bemühungen dieser Maulwürfe, haben wir heute außer der Judenfrage auch noch eine Fremdenfrage, und wenn dem verderblichen Treiben nicht bald ein Ende gemacht wird, so dürften voraussichtlich noch manche andere Fragen künstlich erzeugt werden, die zu lösen nur dann möglich sein wird, wenn man ganz Rumänien als einen gordischen Knoten betrachtet. Daß es nicht dahin komme, muß die Aufgabe aller wahren Patrioten sein, und wir hoffen, daß die im November zusammentretende Kammer, von der Notwendigkeit überzeugt, daß dem fortschreitenden Geiste der Finsterniß Dämme gesetzt werden müssen, auch die entsprechenden Maßregeln ergreifen werde. Zu den wichtigsten Fragen, welche, die neue Kammer beschäftigen müßte, gehört unstreitig auch dieMÄnden- und Judenfrage, welche diesmal Hand in Hand gehen und von der Opposition als eine starke Waffe benützt werden. Die Fremden — will sagen die Deutschen — werden als Feinde der lateinischen Race, also auch als Feinde Rumäniens hingestellt, und unter den Juoen versteht man die Blutsauger der Nation. Es ist eine traurige Thatsache, daß bis jetzt kein einziges rumänisches Journal den Muth hatte, solchen blödsinnigen Anschauungen mit vernünftigen Vorstellungen entgegenzutreten, und daraus erklärt sich der Umstand / daß es der Opposition leicht wird, ihr verderbliches Netz immer weiter und weiter auszubreiten. Das letzte Gesetzesproject gegen die Juden ging aus dem Schooße der Kammer hervor; neuerdings hat es ein Senator, Namens Desliu, unternommen, den Wünschen seiner Gesinnungsgenossen Ausdruck zu geben, indem er dem Publikum ein Gesetzesproject vorlegt, welches seiner Ansicht nach am Besten geeignet ist, die leidige Judenfrage in einem solchen Sinne zu lösen, daß selbst das civilisirte Europa übÄ die Gastfreundschaft in Rumänien staunen müsse. Dieses Project hat den humanen Zwe^k, den Israeliten die Civilrechte zuzuerkennen , deren auch die Fremden das Glück haben sollen theilhaftig zu werden.

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