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Der Israelit · 1871-10-11 · Heft 41 (11.10.1871) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 41 (11.10.1871)
Date
1871-10-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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7?es ] j Bei uns in Württemberg ist mau gewöhnt, die I®{ Aufhebung der aus der Verschiedenheit des religiösen f Bekenntnisses hergeleiteten Beschränkungen der staatsj bürgerlichen Rechte als fa!t aovowxli zu betrachten; das geht unseres Erachtens mit Evidenz aus dem Art. 3 } des oben erwähnten Gesetzes hervor, das bisher gegolten hat. Wenn nun zwar kraft der neuesten Bundesmilitärgesetze der Art. 3 aufgehoben ist, wonach nunmehr die Theologen kein besonderes Privileg genießen, so mag man hingegen jüdischerseits wenig einwenden können; es ist dies eben Gesetz, dem sich die angehenden Geistlichen aller Confessionen gleichmäßig beugen müssen. Wenn wir nun aber sehen, daß hillsichtlich der Zurückstellung die Studierenden der jüdischen Theologie einfach ignorirt werden, so geht dies denn doch nicht nur übei die Usance der württembergischen Gesetzgebung hinaus, sondern steht auch im Widerspruch mit der deutschen Reichsverfassung, und man muß billig fragen, ob hier i nicht der Geist der preußischen Büreaukratie herüberweht % Ist das die vielgerühmte Gleichstellung, deren . sich die Juden mit den übrigen Staatsbürgern zu ery freuen haben? Das schmeckt ganz k la Eulenburg, | der jüngst die Entscheidung einer Steuerbehörde, daß I „Rabbiner weder als Geistliche noch als Staatsdiener I zu qualificiren seien, und darum wie jeder andere Bürj ger zu den Bezirksumlagen mit ihrem ganzen Dienst- | einkommen herangezogen werden müßten," bestätigte, j Es ist Sache der jüdischen Gemeinden, resp. der jj isr. Oberkirchenbehörde in Württemberg, die geeigneten Schritte zu thun, um sich gegen diese Rechtsverletzung jj zu verwahren. (i ii Stuttgart. Se. König!. Majestät haben durch < Höchste Entschließung vom 30. Sept. d. I. dem König!.; Kammersänger Sontheim den Friedrichsorden erster! Klaffe gnädigst verliehen.! Oesterreichisch-Ungarnische Monarchie. I Wie«. Schon eine geraume Zeit vor Eingang j des Versöhnungstages sammelte sich gegen Abend vor j dem Tempel der Leopoldstadt eine große Menge Andacht-Beflissener, die jedoch keinen eigenen Sitz daj selbst hatten, schoben die nur schwach vertretene Sicherj heitswache bei Seite und suchten den Eintritt ins Gotteshaus mit Gewalt zu erstürmen, was auch vielen! gelang, so daß die berechtigten Besucher der Synagoge! wegen des großen Andranges nicht auf ihre Platze konnten. Die Sicherheitsmanner holten Verstärkung, ' und mit Hilfe der Tempeldiener wurden die Eindringlinge, die keine Karten vorzeigen konnten, hinausbei fördert, doch Viele blieben im Bethause, aber noch! mehr dieser Leute, die entweder nicht die Mittel oder j Lust hatten, sich rechtzeitig einen Sitz zu besorgen, wahrend sie für alle andere Bedürfnisse Geld genug verwenden, harrten vor der Pforte und konnten nicht das Col Nidre Gebet verrichten. Solchen Uebelstanden sollte die isr. Cultus-Gemeinde durch geeignete Maßregeln vorbeugen, um das Odium nicht auf sich zu laden und dem rohen Volke keinen Anlaß zu solchen Ausschreitungen zu geben. Herr Prof. Simon Hofmann — über die Anerkennung seines Wissens und seiner Fähigkeiten im Unterrichte der 3 modernen Sprachen von Seiten der Behörde habe ich in Nr. 24 zu berichten Gelegenheit gehabt — erfreute sich neuerdings einer Auszeichnung, die ihm, uns und der k. k. Polizei-Direction alle Ehre macht, da nur das Verdienst (ohne Protection und confessionelle Bevorzugung) berücksichtigt wurde. Er wurde nänilich vor Kurzem definitiv zum Professor der engl. Sprache für alle Revier- Bezirks- und Ober-Inspektoren der Sicherheitswachmannschaft ernannt und als solcher beeidigt, zu welchem schönen Posten wir ihm von Herzen gratuliren und ihm auch fernere Beförderung in seiner Carriere aufrichtig wünschen, wie er es verdient. In derselben Nummer war eine kleine Notiz, die leider so viele Mißverständnisse veranlaßt und die ich nun berichtigen muß. Es sind hier G. s. D. noch viele Verkaufslokale am rov und Feiertagen gesperrt, doch das Haus Benjamin Sachs und Eo. aus London ist das einzige Wiener Bankinstilut, das den Ruhetag feiert, denn es hat nämlich, vielleicht in Folge Ihrer Erklärung, Circulare an alle Committenten erlassen, daß an Sabbat- und Feiertagen geschlossen sei und gar keine Geschäfte abgeschlossen werden, sondern die Zahlungen rc. werden Freitag vorher oder Sonntag daraus im Comptoir verabfolgt. Pesth. Der Parteiführer der Linken im ungarischen Reichstage Herr Koloman Ghiczy, veröffentlichte dieser Tage einer Brochüre über das Vorgehen der Regierung gegen den katholischen Congreß, wo er sich gleic^eitig über die Art und Weise des Verhältnisses der Regierung zum jüdischen Congreffe folgendermaßen äußert: „Ghiczy besorgt, das Ministerium werde das Verlangen der Congreß-Commission befürworten. Diese Besorgniß regt sich in seiner Brust um so stärker, als er in dem Vorgehen, welches die Regierung hinsichtlich der Beschlüsse des israelitischen Kongresses bekundet, einen bedrohlichen Präcedenzfall erblickt. Trotz des Reichstagsbeschluffes vom 18. März 1870 und trotz des Ministerialerlasses vom 26. April l. I., worin den Jurisdiktionen von der geschehenen Errichtung der israelitischen Landeskanzelei mit dem ausdrücklichen Bemerken Mittheilung gemacht wird, daß diese Kanzlei nur für diejenigen israelischen Staatsbürger Geltung habe, welche die Statuten des israelischen Kongresses angenommen, — trotz alledem habe der Minister für Cultus und Unterricht fast zur selben Zeit den Magistrat der Stadt Pest angewiesen, die auf die Pester israeli-

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