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Der Israelit · 1871-10-11 · Heft 41 (11.10.1871) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 41 (11.10.1871)
Date
1871-10-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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765 Amerika. In San Frsneisko sind 35000 Dollar zur Errichtung eines jüd. Waisen- und Alterversorgungshauses gezeichnet worden. (Hebrew.) Feuilleton. Zur rechte» Zeit. XXXI. Der Hochzeit-tag. Ein Festtag soll in der Prager Judenstadt gefeiert werden. Seit den trüben Tagen der Verbannung war die Freude nicht so allgemein: des reichen Primators Rabbi Samuel Sulpach einziges Töchterlein soll Heimchen! Große Vorbereitungen sind getroffen, alle Annen sollen gespeist, große Spenden sollen ausgetheilt werden. Es ist Vormittags 10 Uhr. Festlich geschmückt, sitzt die Braut da, umgeben von ihren Gespielinnen. Jetzt naht der Rabbi, um mit der goldenen Haube ihr Haupt zu bedecken und ihr den Segen zu ertheilen, wie es Sitte war und theilwerse noch ist irr den östlichen Ländern Europa's. Menascheh begibt sich aus sein Zimmer, um sich festlich anzukleiden: das Herz ist ihm schwer: er hat noch immer keinen Brief von dem Rabbi zu Frankfurt erhalten. Während er darüber nachsinnt, ob er recht daran thue, daß er nicht vor dem entscheidenden Schritte die Antwort des Rabbi abwarte, zieht er seine Kleider aus. um den neuen Anzug anzulegen, den er am Hochzeitstage ttagen soll. Da fällt ihm die Kemea in die Hände, die ihm einst fein Lehrer gegeben und die er hätte vor seiner Verlobung öffnen sollen; er hatte an diese Bestimmung des Frankfurter Rabbinen ganz vergessen. Schnell schneidet er das Säckchen auf, löst die Siegel und ein Pergamentftreisen fällt heraus, auf dem geschrieben steht; winx nx bpx prvn, „Ist es wohl recht, daß Jemand seine Schwester heirathet?" Was soll das heißen, was soll das bedeuten? Eilig'kleidet sich Menascheh an, um seinen Schwiegervater aufzusuchen. Dieser aber ist nicht zu Hause. Der Lohndiener aus dem „goldenen Engel" war da, um ihn zu einem vornehmen Manne zu bescheiden, der kostbare Juwelen verkaufen wolle. Nur ungern hatte sich Rabbi Samuel entschlossen, an diesem Tage in seinem Geschäfte thätig zu sein; da es aber noch über zwei Stunden bis zur Trauung wahrte, so war er des- -noch gegangen. Menascheh, als er seinen Schwiegervater nicht farH. eilte zum Rabbinen und zeigte chm den Papierstreifeu. „Hast Du jemals eine Schwester gehabt?" fragte ihn der Rabbiner, „„Nie, Rabbi, ich bin das einzige Kind meiner seligen Eltern."" „Ist vielleicht Deinen Eltern eine Tochter gestohlen worden oder sonstwie abhanden gekommen?" „„Nein, Rabbi; ich hätte sonst sicherlich davon sprechen hören. Von einem jungverftorbenen Bruder sprach die Mutter öfter."" „Es mag dem sein wie chm wolle — ein so großer Mann wie der Frankfurter Rabbiner schreibt so etwas nicht umsonst. Bist Du vielleicht gar nicht der Sohn des Rabbi Pattiel Kann? Schwebt vielleicht ein Geheimniß über Deiner Geburt? Ist vielleicht zu befürchten, daß Du in weiter Ferne ein Mädchen zur Gattin wählest, das möglicher Weise Deine Schwester sein könnte? Hat vielleicht Rabbi Samuel einen Sohn. . . „„Ja, Rabbi, er hat mir erzählt, daß ihm ein Sohn, da dieser noch ein kleines Kmd war, abhanden gekommen. Aber, wie kann ich, Menascheh Kann aus Frankfurt am Main, dieser Sohn sein?"" „Komm mit mir, wir wollen mit Rabbi Samuel die Sache überlegen. Jedenfalls muß die Hochzeit solange aufgeschobeu werden, bis Licht in diese Angelegenheit gekommen." Während Menascheh bei dem Rabbi war, wurde Rabbi Samuel von dem Lohndiener in den „goldneu Engel" geführt; er mußte lange warten und wurde schon ungeduldig. Da trat ein noch rüstiger Greis herein, bei dessen Anblick Rabbi Samuel stutzte. Plötzlich rief er: „Hans Gericke, seid Jhr's wirklich?" „„Nathan, Nathan!"" rief Hans Gericke, seinen Augen nicht trauend. „Bst, bst," sagte der Angeredete, „ich heiße Samuel!" „ „Ach was, alter Freund, Ihr dürft wieder Nathan heißen! Eure Feinde sind todt, Gottes Rache hat sie ereilt." " Und er stürzte auf Nathan zu und umarmte und küßte ihn. „Mein Lebensretter?" sagte Nathan weinend. „„Und wie wird sich der Fürst freuen. Kommt eilig mit mir! Er spricht von nichts als von Euch! O, Besseres konnte mir nicht passiren!"" Bei diesen Worten wollte er Nathan hineinziehen, in die inneren Gemächer.

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