Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1871)
- Date
- 1871-10-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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764 M« LS . d. M. eigeweiht wird. Und die Katholiken haben reiche Kirchenfürsten, reiche Magnaten,. und wenn die Leopoldstädter Basilika Mals ausgebaut wird, so wird dies zum großen Therl auch nur mit dem Gelde der? kleinen jüdischen Handelsleute geschehen, welche in dem an die Basilika angebauten Bazar emen Laden gemietet Men. Baden bei Wien. Hier befinden sich vier isr. Bethäufer, die größtentheils, da die Anzahl der hier wohnenden Israeliten sehr klein ist, von Kurgästen besucht werden. In allen Bethäusern wird der Gottesdienst nach altjüdischem Ritus abgehalten. Die größte der hiesigen Synagogen ist die Herrsche. In derselben hielt am verflossenen Versöhnungstage Herr Rabbinatscandidat Dr. I. Grüu aus Ung. Brod die Predigt, die, von echt jüdischem Geiste getragen, den zahlreich anwesenden Betern unvergeßlich bleiben wird. S. R. Aus Kaschau ertheilt der „P. Ll." die nachstehende, vom 15. d. datirte Mittheilung: In den hiesigen Israel. Kreisen herrscht eine enorme Aufregung und Erbitterung, über deren Motive sich aus den verschiedenättigen Gerüchten Folgendes zusammenfassen läßt. Vor Jahren, als die hiesige jüd. Gemeinde noch nicht in zwei Lager, sogenannte Neologen und sogenannte Orthodoxen, gespalten war, kaufte die ganze Gemeinde einen Tempelbaugrund, auf welchem später, nach hervorgettetener Spaltung, die sogenannten Reformirten einen Tempel bauten. Da jedoch die Orthodoxen Antbeil am Grunde hatten, mußten sich jene herbeilassen, ihrer Gegenpartei auf demselben Grunde ein Betlecal nach orthodxem Style zu bauen, zu welchem Zwecke 5000 fl. ausgenommen wurden. Um nun die Zinsen dieses Capitals zu decken, wollten die Fortschrittler die einzelnen Sitze, wie üblich, an die Orthodoxen verpachten. Da diese dies verweigerten, pachteten ärmere, reformirte Familien Sitze im Betsaale, da diese hier billiger waren, als im großen Tempel, und der Gottesdienst wurde an beiden Orten nach neuerem Ritus besorgt. Durch diesen Umstand fühlten sich die Ortkodoxen ausgewiesen und wollten sich an den letzten Feiertagen den Eingang mit Gewalt erzwingen. Hier kam es zu Thättichkeiten. die Orthodoxen mußten abziehen und beschwerten sich auf telegraphischem Wege bei den: Kultusminister, zugleich angebend, daß ihre Synagoge gesperrt sei, und wenn ihnen dieselbe nicht geöffnet werde, es zu Blutvergießen kommen dürfte. Der Betsaal wurde, angeblich auf ministerielle Anordnung, gerichtlich unter militärischer Assistenz bis auf weitere Untersuchung den Orthodoxen für die jetzigen Feiertage eiugeräumt, doch ist die Erbitterung der beiden Parteien so groß, daß während des Gottesdienstes Militär zur Aufrechthaltung der Ordnung beordert war. Pesih. Seit dem Beginne des laufenden Quartals erscheint hier eine nene jüdische Zeitschrift „die Palme" als Organ der nng.-isr. Fortschrittspattei. Es kommen hier nunmehr fünf jüdische Blätter heraus: „Das traditionelle Jndenthum" nnd „Scheweß Achim", Organe der Orthodoxie, ferner die „Ung.-israel. Wochenschrift", Organ der Congreßpartei, dann „Die Pesther jüd. Zeitung," die keiner Partei dient, aberorthodoxer Richtung ist, und nunmehr auch die obenerwähnte, von Herrn Dr. L. Stern au redigirte „Palme". Zwei dieser Zeitschriften haben hebräische Lettern; sie alle erscheinen in deutscher Sprache. Peflkh. Die hiesige Stadt^hat^der isr^Gemeinde einen Grund zu einem neuen Friedhose überlassen. In Bezug darauf erzählt der „Pesther Lloyd", daß die Pesther Jsraliten vor 77 Jahren ihre Todten in Alt-Ofen begraben mußten. Erst im Jahre 1794 erhielten sie von der Stadt einen Grund angewiesen, für welchen sie einen jährlichen Lins entrichteten. Im Jahre 1808 hatte die isr. Gemeinde einen 1600 lUKlafter großen Grund um 2100 fl. gekauft, welcher Platz im Jahre 1839 um eine Fläche von 1000 l^Klaster vergrößert worden. Nun ist dieser große alte Friedhof auch schon zu klein geworden und die Stadt mußte der Gemeinde auf einem ganz andern Ort einen andern Grund überlassen. Frankreich.' Paris. Eine der hiesigen Synagogen war am Versöhnuugstagc der Schauplatz großer Aufregung. Während der Rede des Rabbiners verbreitete sich ein penetranter Geruch in den Räumen, nnd es erhob sich das Geschrei: „Feuer!" Es entstand ein allgemeines Gedränge nach den Thürcn, nnr der Rabbiner blieb aus seinem Platze. Er hatte den besseren Theil erwähtt, denn die schnell herbeigeeilten Pompiers constatitten, daß nirgend ein Brand vorhanden und der Geruch nur von ausström enden: Gase herrühre. Paris, 2. Ottober. Die Regierung hat einen Rückschritt, zu dem sie schon ihren Fuß erhoben, nicht ansgcführt. Man erinnert sich, daß die Delegation von Tours die Israeliten Algiers das französische Bürgerrecht verliehen hat. Seitdem war der Nationalversammlung ein Gesetzentwurf zugegangen, welcher der: Zweck hatte, das auf Veranlassung von Cremieux erlassene Decret der Delegation von Tours wieder auszuheben. In Folge der dieserhalb aus Algier cingegangenen Vorstellungen hat der Ministerrath in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, den Gesetzentwurf zurückznziehen.