Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1871)
- Date
- 1871-10-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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763 Man darf wohl annchmen, daß nunmehr in htesiger — jetzt circa 500 Mitglieder zählender — Großemetnbe, die Orgelfrage nicht wie in mancher andern, los — zeitweise oder auch ad calendaa graecas — vertagt, sondern für immer gründlich beseitigt sei. Fulda, 29. Sept. Das meist von ärmeren israelitischen Familien bewohnte Dorf Wehrda, in der Nähe von Hersfeld, ist heute Nacht bei heftigem Sturmwinde theilweise niedergebrannt. Es wiird Brandstiftung vermachet. Leipzig, 10. Oct. *) Anschließend an den in Nr. 39 und 40 mitgetheilten Aufruf des isr. Gemeindebundes, hat derselbe nachstehendes Rundschreiben an die deutschen isr. Gemeinden erlaffen: „Vorstehenden Aufruf bringen wir hiermit zur Kenntniß der deutschen Gemeinden, deren Rabbiner resp. Vorstände höflichft gebeten werden, denselben bei den Gemeindemitglieder circuliren zu lassen. Eine statistische Zusammenstellung der seither in deutschen Gemeinden für die „Wander bette lei" verausgabten Beiträgen wird ergeben, welche hohe Summe einer zweckmäßigeren Verwendung entgegen sieht. Es wäre daher sehr erwünscht, wenn eine jede Gemeinde, die geehrten Vorstände und Ausschüsse der Fremden-Unterstützungskassen die Ziffer der jährlichen Ausgaben für die Wanderbettelei 1) aus der Gemeinde-Kaffe, 2) aus den freiwilligen Beiträgen und 3) möglichst aus den Gaben Einzelner (abzeschätzt) an den Vorsitzenden des obgezeichneten Ausschusses mittheilen wollten. Die Zwecke des Gemeiudebundes, vorbehaltlich der Beschlüsse der constituirenden Versammlung, sind: 1) Vertretung der Interessen des Judenthums und der Judenheit bei den Regierungen und den Factoren der Gesetzgebungen in den deutschen Ländern. 2s Gegenseitiger Austausch von Erfahrungen in Verwaltung. 3) Organisation der Armenpflege mit Beseitigung der Wanderbettelei durch zweckmäßige Wohlthätigkeit nach Außen. 4) Schaffung eines richtigen Systems der Peusionirung der Gemeindebeamten. 5) Förderung der Alliance Jsraelite Universelle. *) Anm. der Red.: Unsere Leser wissen, daß wir, bis über den Beitritt der orthodoxen Gemeinden ein definrtiver Entschluß gefaßt sein wird, dem israel. Gemeindebunde gegenüber eine unparteiische Stellung einnehmen; wir willfahren daher dem an uns gestellten Ersuchen, indem wir das obenstehende Rundschreiben veröffentlichen. Bis Ende August 1871 sind dem Gemeindebunde folgende 75 Gemeinden beigetreten, und mögen die noch fehlenden Gemeinden nicht säumen, das gemeinnützige Vorhaben durch das Gewicht ihres Namens und ihrer Abstimmung bei der Constituirung, die voraussichtlich bald erfolgt, zu fördern: Aachen, Adelebsen, Allenftein, Alsfeld, Aschersleben, Augsburg, Baiersdorf, Barchfeld, Berlin, Bernstadll, Bleicherode, Bochum, Braunschweig, Breslau, Brieg, Buttenhausen, Carlsruhe in Obschl., Caffel, Colberg in O./Pr., Croffen, Dessau, Dresden, Eichenftetten, Eisleben, Emden, Erfurt, Frankenstein, Fürth, Glatz, Glogau, Görlitz, Grünberg, Hamburg, Hannover, Heilsberg, Hlldburghausen, Hildesheim Hirschberg, Königsberg, Leipzig, Leobschütz, Linz, Lyck, Magdeburg, Mengeringhausen, München, Münsterberg, Neubrandenburg, Neustadt-Eberswalde, Neuwied, Nienburg, Nordhausen, Nürnberg, Oberingelheim, Oppeln, Pieschen, Postelberg, Potsdam, Prag, Preußisch-Rhoden, Rackwitz, Reichenbach in Schlesien, Schipäenbeil, Schönbeck, Schweidnitz, Schwerin, Stettin, Stuhm, Tann, Tauberbischofsheim, Teltsch, Tilsit, Waüdorf, Worms. Zirndorf." Leipzig, 25. Sept. Als ein erfreulicher Fortschritt ist zu verzeichnen, daß im Leipziger Stadtverordnetencollegium jetzt ein Israelit, der Buchhändler List, in den Schulausschuß gewählt worden ist. (D. A. Z.) Strasburg, 2. October. Wie wir vernehmen, sagt die „Straßb. Zeitung," hatten die hier eingewanderten deutschen Israeliten an ihren jüngstverfloffenen hohen Feiertagen einen Separat-Gottesdienst veranstaltet. Es geschah dies indeß nicht, um etwa eine Spaltung zwischen diesen und der hiesigen Gemeinde hervorzurufen, sondern lediglich aus dem Grunde, weil die hiesige Svnagoge nicht Raum genug darbot. Die Gemeinde unterstützt das Unternehmen, wie anerkennend hervorgehoben zu werden verdient, durch Ueberlaffung von Gesetzrollen und anderen heiligen Gerätschaften, in bereitwilligster Weise. Am Gottesdienste nahmen circa. 150 Personen Theil, .darunter einige Elsässer und der größte Theil der hier garnisomrenden Soldaten mosaischen Glaubens. Zugleich wurde bei dieser Gelegenheit wohl zum ersten Male hier in Straßburg unter den in der Synagoge üblichen Gebräuchen das Gebet für das Wohl des Kaisers in deutscher Sprache gesprochen. Oefterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Wir lesen im „Pesti Naplo": In der Franz - und Josephstadt wohnen meist arme Judenfamilien und diese haben gegen 12,000 fl. zusammengeschossen und sich ein kleines Bethaus bauen lassen, das