Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1871)
- Date
- 1871-10-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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!f t‘fr Charakter der Menschen bekommen, die so etwas zu ss schreiben fähig sind. Wir werden ihnen nicht mit gleier Münze erwidern-, aber rachen möchten wir den erren, sich zu mäßigen, da sonst unsere Geduld einmal reißen und sie mit dem Staatsanwalt Bekanntschaft | machen würden. j’ Gelangen, 27. September. Der berühmte Prof. | Herz, der erste Jude, welcher in Bayern eine Anstellung im Staatsdienste erhalten, ist leider heute Mittag seinem l Leiden erlegen. i. München, 2. Oct. Die Fortschrittspartei hat deu Professor der Theologie in Erlangen, Dr. v. Hof- ' mann beauftragt, sie bei dem in der fränkischen Unib verfitätsstadt stattgehabten Leichenbegängnisse des Prosefsor der Medicin Dr. Herz zu vertreten und in ihrem \'i Namen zu reden. Ein protestantischer Geistlicher am nl Grabe eines Israeliten, wohl auch kein zu häufig vori| kommender Fall. f Bamberg, 2. Oct. Die hiesigen „Neuesten;j Nachrichten" berichten: Erlangen, I.Oct. Heute (am . 2. Tage des Hüttenfeftes) fand das Leichenbegängl niß des leider zu ftüh dahingeschiedenen Professor Dr. 1 Herz statt. Mittag 2 Uhr versammelten sich sämmt- | ttche Uuiversitätsprofessoren, der Magistrat, das Gemeindecollegium die Deputaten sämmtlicher hiesiger Vereine f und außerdem noch Tausende, die dem Verstorbenen die i letzte Ehre gaben. Der Rabbiner aus Fürth (!!) sprach |j in schwungvollen Worten über das Leben des Dr. Herz H und insbesondere darüber, wie alle seine Handlungen i ohne Rücksicht auf konfessionelle Unterschiede, von dem emzigen richtigen Gedanken geleitet waren, daß wir alle is nur einen Vater, alle nur einen Gott haben, der uns ij. erschaffen hat. Hierauf sprach Prorector Professor Dr.; Zenker über die Leistungen des Verstorbenen im medici- \ nifchen Fache; dann sprach der Vorstand des Gemeindei collegiums über das segensvolle Wirken des Dr. Herz j für das Wohl der Stadt und endlich beleuchtete Prof. v. Hoff- I' mann die großartigen Leistungen des Verblichenen im Gebiet j der Politik. Nach diesen herrlichen Reden setzte sich der j Zug in Bewegung, um die Leiche nach Bayersdorf zum j jüdischen Begräbnißplatz zu begleiten. Voran der Leichenj wagen mit 4 \ä)toarden Rappen bespannt unb nad) diej fern mit 40 Chaisen die Vertreter der Universität rc.; In Bayersdorf angekommen hielt der dortige Rabbiner i Kohn (!) zum Schlüße noch eine glanzvolle Anrede und! dann wurde die Leiche der Erde übergeben. Frankfurt a. M., 27. Sept. Der Kaiser hat der Baronin Karl v. Rothschild den neugeftifteten Verdienstorden um Kranken- und Verwundetenpflege verliehen. Die Insignien waren von einem Handschreiben der Kaiserin Augusta begleitet, in welchem die ausgezeichneten Verdienste und die persönliche Thätigkeit der Frau Baronin besonders in dem von ihr gegründeten Privatlazareth in huldvollster Weise hervorgehoben und anerkannt werden. Cöln. In den Einbandblättern eines Pentateuchexemplars, fand Referent folgendes nicht uninteressante Factum von der Hand eines Einwohners aus Geistingen regrftrirt: Am 16. Adar I. d. I. 5517/1757 d. g. Z. erbebte die Erde am ganzen Niederrhein und der Boden wankte unter heftigem Donnergetöse. Die Steine im Estrich hoben sich und wurden zum Theile hoch emporgefchleudert. Tische und Stühle stürzten übereinander und gingen auf und nieder als befänden sie sich in einer Wagfchale. Alles gerieth in Furcht und Schrecken, und überall wurden öffentliche Gebete angestellt, denn man erkannte die Nichtigkeit des Menschen und die schützende Allmacht Gottes, die Biele wunderbar gerettet hatte. Unsere, durch ihre große Gelehrsamkeit und Gottesfurcht weithin berühmten Rabbiner, als: R. Mordachai Halberstadt, Rabbiner in Düsseldorf und R. Samuel Afchkenasi in Bonn, haben gemeinschaftlich für alle Orte ihrer Rabbinate, woselbst Jehudim wohnen, das Sagen von 17 Kapiteln Tehillim Morgens und Abends, sowie eines auf das Ereigniß verfaßten vortrefflichen und erhebenden Techinna-Gebetes, angeordnet. Ferner mußte ein jeder Ort, aus Ps. 119 die Buchstaben seines Namens rezitiren. So z. B. wurden in Bonn die Buchstaben i*a aus 'Ox N’jon gesagt und ebenso in'jeder größeren wie kleineren Gemeinde. Ich habe dieses — schließt der Aufzeichner — vermerkt, damit den Meinigen bei der Erinnerung hieran, die schuldige Dankbarkeit gegen Gott recht lebhaft zu Herzen gehen möge. Es resultirt übrigens noch aus den mitgetheilten Anordnungen jener diiid dVision dvdi, daß nicht blos bei eintretenden Krankheitsfällen wie üblich, sondern auch bei allgemeinen Calamitäten «on w ms bi -iDsn by es zulässig sei, für ganze Ortschaften die Initialbuchstaben der Namen aus Capitel 119 zu beten. Der in Nr. 36 dieser gesch. Blätter enthaltene, im Uebrigen wahcheitstreue Bericht über hiesige Gemeinde- Verhältnisse, dürfte noch dahin zu ergänzen fein, daß vorzugsweise durch mehrere Vorträge unseres Rabbiners Herrn Dr. Schwarz, welche sowohl durch.gründliche halachisch-gesetzliche Erörterung über die Unzulässigkeit der Orgcleinführung und der andern beabsichtigten Neuerungen, als auch homiletische Gediegenheit auf die Zuhörer überzeugend wirkten, der Impuls zum Einschreiten der Beffergesinnten gegeben ward, indem ungefähr ein Dritttheil der Gemeinde, in einer dem Vorstande unterbreiteten Collectiveingabe sich gegen Einführung der fraglichen Neuerungen erklärte, welches von Letzterem auch in anzuerkennender Weise berücksichtigt wurde.