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Der Israelit · 1871-10-11 · Heft 41 (11.10.1871) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 41 (11.10.1871)
Date
1871-10-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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761 nicht erst nöthig zu sagen. Das Ideal dieser Gesellschaft ist ein von ihrer Phantasie geschaffener „nüchterner Chaja, dem zwar das Patriarchat ein Dorn im Auge ist, der es aber dennoch als kluger Mann meist mit lächelnder Duldung zu ertragen verstand". — C’cst tout comme chez norm. — Wir wollen jetzt nur noch einige Proben historisch-kritischer Gelehrsamkeit hierhersetzen. Um originell zu sein, schreibt der Vers, immer „Mschnch« statt »Mischnah", ohne zu bedenken, daß die Formen mtpc, irutpc, epjbtd u. f. w. „Mischnah" zu lesen gebieten. Der Vers, gibt sich das Ansehen, als nähme er es im Uebersetzen von Talmndstellen sehr genau; er corrigirt Jost, der die Worte: rojn -u mit „Chanukah-Lichter" übersetzt, daß es „Chanukah-Leuchter" heißen müsse. Was mag also der Grund sein, daß die Stelle (Kiddnschin 12 xjmö "pjud di «P'Jn auf die unsinnigste Weise übersetzt wird: „Derjenige, der sich das geringste Versehen beim Scheidebrief hatte zu Schulden konimen lassen, unterlag ebenfalls der körperlichen Züchtigung." (S. 34)2 Die Antwort auf diese Frage werden sich unsere Leser wohl selbst aeben können. In Berachoth 52 b. erklärt Rabh den Ausspruch der Mischnah: „Man darf Gewürze von Heiden nicht zur nyon gebrauchen derart, daß hier von Gewürzen ihrer Gastmäler die Rede ist, welche gewöhnlich dem Götzendienste geweiht sind. Wir bitten unsere Leser, gefälligst die Stelle nachzusehen und sie werden sich überzeugen, daß dieselbe nicht einmal von einem Anfänger mißverstanden werden kann. Nun steht aber in den gedruckten Talmudausgaben statt „bw d»dbq O’U", wie öfters brr?"; und da hat der „Kritiker", diese Stelle citirend, Folgendes geschrieben: „Innerhalb der selbst vom Standpunkte der damaligen Zeit allzueng gezogenen Linie seiner Glaubensidee achtete er (Rabh) die Samaritaner den Heiden gleich und führte die Konsequenzen selbst so weit, daß er sogar den Genuß ihres Weihrauchs gleich götzendienerischem untersagte." (S. 39.) Die Stelle in Chulin 955.: *n» kps'-hd ’pcD no^n nov versteht der Vers. (S. 28) so, daß R. Jochanan an Sch'muel nach Babylonien die Kameele mit den Fragen abgeschickt habe, während doch Jeder, der «nycen «rros kennt, wissen muß, daß hier das Umgekehrte erzählt wird: Sch'muel habe an R. Jochanan geschickt u. s. w. Daß Rabh trotz seiner Größe dennoch am Aberglauben seiner Zeit Theil nahm, beweist der Vers, unter Anderem (S. 42) aus dessen Ausspruch (Pesachim 2 a.): y&zy o-w d»' ir6tir D^ttuKm npsn Pas«» Dies übersetzt der Vers, wörtlich so: „Niemals begebe man sich an einem anderen Tag auf Reisen, als von dem es in der Schöpfungsgeschichte: heißt; denn so sagt man: inbL' D’BUwn tx npun (der Morgen leuchtete und man entließ die Männer). Diesen Unsinn soll folgende Anmerkung erklären: „Das Symbol liegt hier in "i:x (Licht), indem von dem Schöpfungstage deffelben es eben: niöo heißt." Daß trotzdem das Ganze Unsinn bleibt, ist klar. Warum aber ignorirt der Vers, die einfache und jedem Vernünftigen einleuchtende Erklärung Raschi's, wonach hier nicht die geringste Spur von Aberglauben zu finden ist, sondern vlos die Vorsichtsmaßregel erlheilt wird, daß man bei einer Reise stets vor Sonnenuntergang in eine Stadt einkehren und erst nach Sonnenaufgang aus derselben abziehen soll, ' denn so heißt es: „Als der Morgen leuchtete, wurden die Männer entlassend" Die Antwort auf diese Frage überlassen wir wieder unfern geschätzten Lesern. Wir glauben an diesen Proben vorläufig genug zu haben, betonen es aber besonders, daß wir nicht einmal den dritten Theil der uns bei der allerflüchtigsten Lectüre ausgefallenen Schnitzer in dieser Broschüre hier angeführt haben, und wir machen uns anheischig, noch mehr als zweimal so viel solcher Fehler in dieser Abhandlung nachzuweisen, falls ein Agent einer gewissen Anstalt, welche jüngst diese Arbeit in's Schaufenster gestellt, es versuchen sollte, sie von den gezeigten Flecken rein zu waschen. Nahe am Schluffe des Büchleins befinden sich einige Seiten Knittelverse, welche wir als eine paffende Purim-Lectüre unfern Lesern empfehlen können. Hm. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Dtainz, 10. October. Seitdem der Protest der 133 Rabbinen durch die größten und bedeutendsten polittfchen Blätter Deutschlands gegangen, kennen die Wuth und der Zorn der Synodalen fast keine Grenzen und richten sich die „edlen Passionen" derselben namentlich gegen uns und unsere Zeitschrift. Zwei Individuen — man braucht sie nur zu nennen, um sie zu charakterisircn — Herr Rabbiner Hochstädter von Ems und Herr Lehrer Klingenstein von Ingelheim, wetteifern miteinander in Schmähungen und Verdächtigungen der niedrigsten Sorte. Wir haben nun eine Reihe von Artikeln erhalten, in welchen ganz eigenthümliche Dinge erzählt werden: aber, wiewohl sich die Einsender erbieten, zu jeder Zeit den Beweis der Wahrheit der von ihnen für die Oeffentlichkeit bestimmten Facta anzutreten, so sind wir doch weit davon entfernt, unsere Leser in eine derartige Sphäre zu führen. Ueberlassen wir das Schimpfen und Verleumden unfern Gegnern. Jeder, welcher die sauberen Ergüsse dieser Herren im rheinischen Courier, in Philippsons Zeitung, in der Neuzeit und in Klingensteins Blättchen liest, wird einen Begriff von dem

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