Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 39-40 (27.9.1871)
- Date
- 1871-09-27
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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756 ILerufsfreuden des Lehrerstandes. Von L. Gjrünstein. ' (Schluß.) Der Lehrer kann sich aber auch seine Thätigkeit erleichtern und freudig gestalten, indem er zu seinem Amtsbruder in ein collegialisches Verhältniß tritt. Die Collegialität, ja, auch sie können wir mit vollem Rechte zu den Berufsfreuden des Lehrerstandes zählen, sie ist es, die ihm in engeren Kreisen Erholung und Veränderung schafft, die es ihm möglich macht, aus dem sich immer gleich bleibenden Geleise auf andere Bahnen und somit auf andere Gedanken und Wege zu kommen. Sie verwandelt ihm gar manches Ständlein des Trübsinns, der bangen Sorge um die Zukunft in angenehme, wenn auch zuweilen ernste, so doch trauliche Ständlein, denn er ist;a zusammen mit Collegen, mit Amtsbrüdern; — die Herzen dürfen sich öffnen, ohne befürchten zu müssen, daß diese oder jene Klage auf einen harten Boden fällt oder vielleicht als ganz neue, merkwürdige Erscheinung betrachtet wird. Nein, denn auch der Amtsbruder hat schon Aehnliches erfahren, gelitten und erduldet! Das tröstet und beruhigt und — lehrt das bekümmerte Herz aufschauen zu Gott und es faßt sich in Geduld wieder. Neue Lebensfreunden, neue Liebe und Lust zu seinem Berufe zieht wieder in sein Inneres ein und gesegnet ist die Stunde, welche vordem eine bange, seine Wirksamkeit und seinen Beruf als in einem trüben Lichte erscheinen ließ, nunmehr aber eine neue Welt voll Freuden und Lust für das irdische Leben geworden ist. — Das Herz ist ihm voll und kann sich nicht Luft machend Was ist's, daß ihn die Natur mit jener holden Gottesgabe ausgeschmückt? Freude tönt es von seinen Lippen, aus seinem Herzen, das wir Gesang nennen. Ist er nicht, ist nicht auch die Musik die Sprache, die den meisten Lehrern gegeben ist zur Aufheiterung des Lebens? „Gesang verschönert das Leben," und Musik ist die Sprache, die von allen Völkern verstanden wird, die alle Herzen gleichmäßig ergreift. Wie sollte sie gerade der Lehrer nicht benutzen wollen, der doch so sehr darauf hingewiesen ist? Das Letzte nun, was wir zu den Berufsfreuden des Lehrers zählen zu dürfen glauben, ist die in seinem Wirkungskreise geachtete und hehre Stellung, insofern er sich bei seinen Untergebenen lind Vorgesetzten dieses Ziel nicht nur vorgesetzt, sondern anch zu erreichen gewußt hat. Er muß seiner Gerneinde, wenn er überhaupt Gemeindelehrer ist, voranleuchten, er muß das Musterbild sein wollen und sein, nach welchem sich alle Andere zu richten haben. Dann ist man ihm nicht allein die ihm gebührende Achtung schuldig, sondern wird sie ihm auch jederzeit zu bezeigen bereit sein. Es wird sich ein Baud der Liebe und Anhänglichkeit um Lehrer und Gemeinde schlingen, das ihm der Freuden gar viele bereiten wird. Und wenn der Lehrer so dasteht, wenn er in einem so guten Lichte uns erscheint, so wird er auch für sich, so wird auch sein eignes Ich stets voll Frohsinn und Zufriedenheit sein. Dann ist der Lehrer, ja dann ist der Lehreistand in seiner Gesammtheit ein Stand, der in seinem Berufe eine hohe Befriedigung finden wird und sich trotz aller Trübseligkeiten und' Schattenseiten sagen muß: „Auch der Freuden sind mir viele geboten und treulich will ich ausharren in meinen schweren, aber edlen Berufe, um die Menschheit zum Wissen, zum Lichte, zur Gotteserkenntmß und zur Tugend zu führen." D'inn ’pnsoi jrpnn nma nmr o^atporo :-ijn ühtyb ,*»Aece«sionen. Israel Singer, mm ->sor Lehrbuch der israel. Religion nebst Bibelkunde und Liturgie :c. 1. Theil, mit einem Anhänge Anmerkungen. SLtoralja-Ujhely 1870. (Selbstverlag des Verf.) 82 u. 55 S. 80. Der Verf. des vorliegenden Religionsbuches, dem bald eine biblische Geschichte und Anmerkungen zum Gebeibuche als folgender Theil sich anreihen sollen, sieht in der Vorrede sich genöthigt, die Herausgabe desselben zu vertheidigcn. So sehr wir auch wünschen, daß überall der hebräische Unterricht, in einer Ausdehnung gegeben würde, die das systematische Religionsbuch überstüfsig machte, und so sehr wir auch überzeugt sind, daß Unterricht im Urtext der Bibel mit Commentaren bis zu den talmudischen Schristen der beste Religionsunterricht ist: so Verschließen wir doch unsere Augen nicht vor den Verhältnissen, die nicht überall den hebräischen Unterricht in größerer Ausdehnung gestatten, und freuen uns, wenn unter den angedeuteten beschränkenden und beschränkten Umständen ein gutes, im Sinne und Geiste des wahren unverfälschten Judenthums verfaßtes Lehrbuch den mangelhaften Unterricht in den Quellenschriften unserer Religion nach besten Kräften auszugleichen, bestrebt ist. Der Verf. vorliegenden Werkes bringt viel Material zusammen, ohne die Compendienkürze außer Acht zu lassen. Die jjs-n wie auch Miuhagim finden dieselbe Berücksichtigung wie die n«io, die dem Text angehängten Anmerknngcn befassen sich mit Quellennachweis, wie auch