Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 39-40 (27.9.1871)
- Date
- 1871-09-27
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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7. (Pädagogische Beilage zu Nr. 39 L 4V des „Israelit". xu. J°hrg.) Blätter für Mule und Ham Die israelitische Schule. Von E. Ottensoser zu Biblis, vormals Director des Handels-Instituts zu Büdingen. (Schluß.) B. Von der Schule. Die meisten israel. Schulen sind Religionsschulen. Die beste Unterrichtszeit verbringt die Jugend in der christl. Schule. Dort ermüdet, könnnt das Kind in der Religionsschule an. Der Lehrer will das Beste, das Kind soll anch hier seine Schuldigkeit thun. Wie ist es aber möglich? Kann der jugendliche Geist, der schon 3 —4 Stunden von der christl. Volksschule in Anspruch genommen wurde, mit Lebenssrische in den jüd. Religionsunterricht eintreten? Muß die Religionsschnle nicht mit den Brosamen fürlieb nehmen, welche ihr die Volksschule allenfalls übrig gelassen hat? Andererseits spricht nicht schon die Thatsache, daß die christl. Volksschulen keine confessionslosen sind, vielmehr ganz prägnante christl. Tendenz verfolgen, gegen den Besuch derselben von Seiten der israel. Jugend? Es muß und soll besser werden. Wie helfen? Ganz einfach. Wählet solche Lehrer, welche den Elementarunterricht ertheilen können und ertheilen dürfen. Die israel. Schule werde eine Bildungsanstalt der israel. Jugend für den Gesammt- Unt erricht. Jeder Unterrichtsgegenstand bietet dem Lehrer Stofs auf Geist und Herz des Kindes in jüd. Sinne einzuwirken. Bei richtiger Vorstellung und energischem Betriebe wird die Behörde, insbesondere da die christl. Schulen meistens an Üeberfüllung leiden, gerne oder ungerne dem befähigten israel. Lehrer den Elementar - Unterricht der israel. Jugend überlasten. Also errichtet ganze Schulen, die Relsgivnsschule ist eine halbe und wird nie etwas Ganzes lerften. C. Bon dem Lehrer. „Nicht der ist mein Freund , welcher meine Fehler verheimlicht, sondern der, welcher sie mir kund thut." So rufe ich euch Berufsgenossen zu. Ich weiß wohl, daß bei dem schwankenden Verhältnisse eines israel. Lehrers, über dessen Haupt das Damocles-Schwert stets hängt, ein festes Prinup sich, wohl, fasten, aber nicht ausführen läßt. Ich meine nicht das principium contradictionis, denn davon kann am allerwenigsten die Rede sein. Aber ebensowenig darf der Lehrer einer Wetterfahne gleichen, die sich von jedem Winde bewegen läßt. Das wäre Eharacterlosigkeit. Du sollst dem Kinde ■ eine männliche Willensstärke einslößen, darf deine unmännliche Schwäche deine Worte Lügen strafen? Dem Lehrer müffen die Kinder wie bei Gott die Menschen gleich sein. Darfst Du aber den Kindern das Schauspiel bieten, daß du das Kind des Reichen dem des Armen vorzichst? Oder wenn man dir stets auf deinen Schmeichelwegen begegnet, verräth das nicht Mangel an Offenherzigkeit, an Achtung vor dir selbst, oder Mangel an Kenntnissen, die du mit der Tünche der Schmeichelei zu verkleistern suchst? Du schadest dir und schadest deinem Nachfolger, dem man Gleiches insinuirt, du schadest der Schule und schadest der Gemeinde , die in ihrem Zu - und Vertrauen irre geleitet werden, 'znpu cnn pDJ nm *« 'b -riI unö sei das Gebet und der Grundsatz jedes Lehrers. Reines - Herzens und festen Geistes trete er in die Schule, reines Herzens und festen Geistes bewege er sich in seiner Gemeinde, ein reines Herz, einen festen Geist bezeugen seine Handlungen. Ein Wandel reines Herzens und festen Geistes erobert dir unwillkürlich die Achtung der Gemeinde, aus Achtung wird dir die Liebe entgegengetragen werden. Die Liebe, aus Schmeicheleien erzeugt, j vergeht wie der Thantropfen, den die Sonne aufleckt, f Ein geachteter Lehrer hat einen unermeßlichen Wirf kungskreis, ein mißachteter kann durch Energie fich fol- \ chen erwerben, aber einem verachteten ist selbst der | kleinste auf immer verschlossen. Es kann und muß besi ser werden, wenn der Lehrer von sich sagen kann hy | ’mcB'D, er hält treue Wacht bei seinem Posten. I Wir kommen endlich wieder zurück auf den Aus- | gangspunkt: die Hebung der israel. Schule, die Löf! sung ihrer Ausgabe zum Heile des Jndenthums, J zum Wohle der Gemeinde, zum Preise Gottes | kann nur dann vollständig sein, wenn die drei Faktoren, | die Gemeinde, die Schule, der Lehrer ihr Scherf- {i lein dazu beittagen. Das walte Gott!?•