Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 39-40 (27.9.1871)
- Date
- 1871-09-27
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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754 möglicherweise der Text zuerst io gelautet habe. Uns ' «her und mit uns jedem Vernünftigen ist es unbegreif- ' tich, daß Jemand, um die Söhne Jacobs zu entschul- | digen, sechsmal, sage sechsmal, einen kurzen Abschnitt interpellirt hätte. Die erste Interpellation hätte genügt und Simeon und Levi wären vollkommen entschuldigt. Doch V. 7, meint der Vers., gibt sich sogleich als unecht dadurch zu erkennen, „daß darin „„Israel" " als Volk vorkommt, wovon natürlich die Söhne Jacobs unmöglich etwas wissen konnten." Wir haben uns lange vergeblich bemüht, aus diesem letzten Satze einen Sinn herauszufinden, und da dies nicht gelungen, nirissen wir ihn für einen Unsinn erklären. Sind denn die Worte: bx-)V'2 ntpy iTc: o von den Söhnen Jacobs gesprochen worden? Das sind doch nur Worte des Erzählers, der hiermit den Grund von der Betrübniß der Söhne Jacobs angibt. Dieser Erzähler nun, der jedenfalls in der Zeit gelebt hat, als Israel schon als Volk existirte, konnte die Familie Jacob schon als ein kleines israelitisches Volk bettachten und den Ansdruck „nry .Tr2: ^coiro", der in seiner Zeit geläufig war, auch auf die älteste Zeit anwenden. Wenn aber dieser Ausdruck dem; Vers, uncorrect scheint, warum kann denn diese Jucorrectheit nicht ebensogut dem ersten Erzähler als dem später» Interpolator zugeschrieben werden, da doch seiner Anficht nach der erste Erzähler ein solcher Mann war, der nicht einmal die Worte oster vn non verstanden hat. Da wir einmal genöthigt waren, diese Chamor- Hypothese des Vers, hier anzuführen, so wollen wir sie gleich vollständig unfern Lesern Vörstetten und zuerst diese widerlegen. dann aber Nachweisen, daß unser Capitel keine Schmähschrift sein kann. Der Verf. behauptet, ein Sichem, ein Sohn Chamors, habe gar nicht existirt, sondern die ganze Geschichte von Sichem beruhe aus einem Mißverständniß. Chamor sei der Name eines Patriziers, der in Sichem die Herrschaft ausübte, und darum C3r 'in (Vater von Sichem) hieß. Der Verf. von Cap. 34 habe aber den V. 19 im Cap: 33 mißverstanden und für den Sohn Chamors gehalten. Wie ist es aber möglich, fragen wir, daß der Ausdruck ,,'2N" in der Bedeutung „Herr" oder „Gründer einer Stadt" nlißverftanden werden sollte, da er doch noch in den spätesten Zeiten im Gebrauch war (vergl. 1. Chr. Cap. 2)? Ist denn das aber nicht leicht möglich, daß ->'cn eine Stadt gegründet, die er nach seinem geliebten Sohn Dsrc nannte? Wir finden wenigstens einen ähnlichen Fall im 1. B. M. IV. 17 erzählt. Der Verf fragt ferner: da die Söhne Jacobs alle Männer vernichtet hatten, wie kann noch später zur Zeit der Richter von „Männern Chamors" die Rede sein (Richter JX. 28)? Nun aber ist dieser Vers im Buche Richter allen Erklärcrn dunkel und es ist sehr wahrscheinlich, daß dort nur von den aus der Geschichte bekannten „Männern Chamors" ^ie Rede ist. Es kann außerdem sein, daß damals noch Chiwiten lebten, die sich rühmten, von dem Fürstengeschlechte Chamor abzuftammen. Chamor war bekanntlich ein Chiwi. Er war nicht nnr Fürst von Sichem, sondern vom ganzen Gebiet der Chiwiten P28N k'sm (1. M. 34, 2). Seine Nachkommen waren gewiß nicht sämmtlich zu Sichem wohnhaft. Nun aber sind es gerade die Chiwiten, die mit den Israeliten Frieden geschlossen und nicht wie die andern Urbewohner Palästina's vernichtet worden waren (Josua XI. 19), und es ist denmach leicht möglich, daß Nachkommen des ältesten Fürstenhauses nock zur Richterzeit existirten. Die vollständige Erklärung des schwierigen Verses Richter IX. 28 wäre hier nicht am Platze. Wir müssen uns hier begnügen, alle Einwände, die gegen die Authenticität unserer S christstelle erhoben werden, beseitigt zu haben. Es sei dem aber, wie es wolle, so ist die Ansicht des Verf., daß das 34. Cap. des 1. Buch Moses eine Schmähschrift Jerobeams gegen die altern Brüder Josephs sei, vollkommen undenkbar. Der Stamni Simon war damals von gar keiner Bedeutung. Levi war ein Priesterstamm. Wie konnten also diese beiden Stämnie dem Jerobeam die Herrschaft streitig machen? Wie hätte ferner der Inhalt dieser Jerobeamscheu Schmähschriften in dem letzten Segen Jakobs, dessen Sprache doch nach der Meinung aller Kritiker ein sehr hohes Atter bekundet, Aufnahme finden können? Jerobeamitisch kann doch dieser Segen nicht sein, da doch in demselben Juda verherrlicht wird. Es läßt sich ferner gar nicht cinsehen, wie Jerobeam den Söhnen Jacobs einen Makel anheften wollte, mit der Sage, daß sie die Einwohner einer Kananitischen Stadt erschlagen; hat doch Josua, der vom Stamme Ephraim war, die Urbewohner Kanaans gänzlich vertilgt und ihr Eigenthum den Israeliten vertheilt. Oder hatte Jerobeam damals schon die Thora, aus der hervorgeht, daß Josua nur den Befehl Gottes vollzogen, so fällt doch das ganze Hypothesengebäude zusammen, das ja die Annahme zum Grunde hat, die Thora sei erst später verfaßt bun (Forts, folgt.) Verantwortliche Redaetlon: vr. Lehmann. — Verlag der Le Rour'fchen Hofbuchhandlung. I. Go ttsleben's Buchdr^ckerei in Mainz.