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Der Israelit · 1871-09-27 · Heft 39-40 (27.9.1871) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 39-40 (27.9.1871)
Date
1871-09-27
Page
– (sequence 27)
Language
German
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selbst zu widersprechen; und wir nehmen an, der Verf. sei der Ansicht, Jacob und die zwölf Söhne feien schon vor Jerobeam bekannt gewesen, so wie man auch wußte, daß Joseph fast der Jüngste war. Daher mußte Jerobeam Schmähschriften gegen die altern Brüder verfassen. Nun lasset uns auf die Stellen unser Augenmerk richten. die Jcrobeamschc Pamphlete sein sollen. Vers Wim Cap. XXXV. der Genesis, welcher von der angeblichen Schandthat Reubens erzählt, soll eine Schmähschrift gegen den Erstgeborenen sein. Nun merkt der Bert, selbst, daß ihm das Niemand glauben kann. man habe eine Schmähschrift von einem Verse in die Welt gesetzt, in der noch dazu dasjenige, worauf es hauptsächlich ankommt, daß das Erstgeburtsrecht dem Reuben entrissen und dem Joseph ertheilt wurde, gar nicht enthalten ist. Da Hilst sich der Vers, auf folgende sehr pfiffige Weise. Er behauptet, dieser Vers sei nur eiu Fragment einer größern Erzählung, und um das Jeden glauben zu machen, citirt er den Schluß des Satzes mit den Worten: „Israel hört um diese Schandthat seines Sohnes und --- Nun mutz ein Jeder daran glauben, daß wir es hier mit einem Fragment zu thun haben. Das Uebrige, die Verdammung Reubens und die Uebertragung der Erstgeburt auf Joseph hat der Harmonist „ans der Welt geschafft". Da wir aber im ganzen Texte vergebens nach dem Wörtchen „und" und den drei Gedankenstrichen gesucht haben, so erlauben wir uns gegen diese Annahme Folgendes zu bemerken: 1) Es ist nichts von der Thora aus der Welt geschafft worden. Reuben wird von Jacob vor seinem Tode deutlich und ohne Rückhalt der Erstgeburt für verlustig erklärt. „Reuben, du bist mein Erstgeborener... bevorzugt an Hoheit und Macht; doch da du ungestüm warst wie dieFluth, wirst du nicht bevorzugt, denn..." (1. M. 49, 3.) Das ist wohl klar und unzweideutig, freilich au <iner Stelle befindlich, wo es dem Berf. sehr ungelegen ist, indem ebendaselbst Juda hochgepriefen und gefeiert wird, was der Tendenz Jerobeams ganz entgegen ist. Ebenso unzweideutig wird uns in der Thora mitgetheilt, daß die Erstgeburt auf Joseph übertragen worden. Diese Uebertragung bestand darin, daß der Stamm Joseph für zwei Stämme galt und so zwei Arrtheile im Lande erhielt. „Deine beiden Söhne, . . . Ephrainl und Menascheh, seien mir wie Reuben und Schimeon." (1. M. Xl/VIII. 5.) „Gott wird euch führen in das Land eurer Bäer, und ich gebe dir (Joseph) einen Theil mehr als deinen Brüdern." (Das. B. 21, 22.) Wäre nun einem „Harmonisten" diese Erzählung anstößig, so Härte er sie auch an diesen Stelleil gestrichen. 2) Die ganze Annahme, daß man eine Stelle, die von der Bestrafung Reubens erzählt, wegschafft, ist ein completter Blödsinn. Wenn Etwas als anstößig betrachtet worden wäre. so wäre es die Erzählung von dem Verbrechen Renbens. ruckt die von der Bestrafung 763 desselben. Nachdem einmal von dem Verbrechen ReubenZ erzählt und noch hinzugefügt wird: „und Israel hörte davon," so wäre es ja unschicklich, zu verschweigen, daß Israel diese That auch gebührend bestraft. 3) Die Erzählung, daß Joseph das Erftgeburtsrecht ermatten, muß doch historisch sein. Wie wäre es sonst zu erklären, daß gerade die Nachkommen Josephs zwei Stämme bildeten. Oder leugnet vielleicht der Verf., daß der Stamm Menafcheh schon in den ältesten Zeiten zu den Söhnen Josephs gezählt wurde, was wird er mit den ältesten historischen Berichten, die dies bezeugen, anfangen Außerdem behauptet der Verf. S. 56, daß eine Tendenzsage von Jerobeam erdichtet werden mußte, um die Erinnerung an eine blutige That Ablmelechs, des Sohnes Gideons aus dem Stamme Menafcheh, auszulöschen. Diese Behauptung werden wir zwar erst weiterhin besprechen. Vorläufig wollen wir nur aus derselben den Schluß ziehen, daß der Verf. überall, wo es ihm in den Kram paßt, Ephraim und Menafcheh für einander solidarisch macht. 4) Daß aber die bloße Schmähung Reubens in Jerobeams Absicht lag, ist gar nicht denkbar. Der Stamm Reuben hat nie nach der Vorherrschaft in Israel gestrebt. „Er saß zwischen den Hürden, zu horchen auf das Pfeifen der Heerden." Zudem lag noch sein Gebiet jenseits des Jordans. und er war somit ganz und gar nicht fähig, mit Ephraim zu rivalisiren. Es ist demnach auf keine Weise möglich, daß die Stelle Cap. 35, V. 22 eine Jerobeamsche Schmähschrift fei. Ein zweites Pamphlet Jerobeams soll das 34. Capitel des 1. B. M. fein. Hier werden Simeon und Levi, die ältesten Söhne Jacobs nach Reuben geschmäht. Freillch, wie unser Text lautet, ist darin höchstens, nur ein geringer Tadel gegen die Söhne Jacobs enthalten, den auch der Patriarch vor seinem Tode geäußert; der nämlich, daß sie in ihrem Jähzorne sich zu einer übereilten That hinreißen ließen. Im Uebrigen aber ist die That gewissermaßen entschuldigt durch das schändliche Verbrechen des Fürstensohnes von Sichern, das die Brüder aufforderte, die entehrte Schwester zu rächen. Da sagt nun wieder der Verf., daß unser Text vom Harmonisten verstümmelt worden sei. Nach der ursprünglichen Erzählung habe der Jüngling Sichern nichts Böses gethan, Simon und Levi aber haben gegen das „vertrauensvolle, liebreiche, wohlwollende Sichem" einen blutigen Treu- und Wortbruch begangen. Der letzte Satz von V. 2 sei ein Einschiebsel des Harmonisten. V. 5 fei ganz interpellirt. Drei Vrertel von V. 7 seien ebenfalls eingeschoben. Der letzte Satz von V. 13 sei wieder ein Einschiebsel und ebenso sei der letzte Satz von V. 27 eine harmonistifche Interpellation. V. 31 müffe selbstverständlich ein Zusatz vom Harmonisten sein. Nach dieser tollen Wirthfchast mit denr Texte der heiligen Schrift scheint den Vers, doch das Gewissen zu drücken, und er gesteht zu. daß zwar nicht nothrvendig aber doch

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