Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1871-09-27 · Heft 39-40 (27.9.1871) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 39-40 (27.9.1871)
Date
1871-09-27
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447499-2447538--09756-2465466
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

745 Die übrigen hier zur Kur weitenden Armen wurden genügend unterstützt durch Herrn Leop. Jungmann aus Wien, der als jährlicher Curgast und alter Freund der Dürftigen mit rührender Pietät und seltenen! Pflichteifer Collecten veranstaltet, deren Erträgniß in dieser Saison fast die Summe von 2000 fl. erreichte, so daß jeder zu Betheilende 3—5 fl. wöchentlich oder die Mittagskost erhalten konnte. Es ist dies ein schöner Akt von Mildherzigkeit, und man sieht, wie viel das gemeinsame Wohlthun zu wirken vermag. Möge der himmlische Vater allen edlen Spendern ihr frommes Wert reichlich vergelten und Herr Jungmann als niso göttlichen Lohn im vollsten Maße ernten und noch lange Jahre hier in ähnlichem Sinne wohl thatig wirken! An die Einweihung des Badener Bethauses knüpft sich noch ein anderes wichtiges Ereigniß, denn die Abgeordneten der naheu Gemeinde Maltersdorf (in Ungarn), wo früher ypisj D"nn pion, und nach ihm dessen Sohn, Se. Ehrw. Herr Simon Schreiber, derzeit Rabbiner in Krakau, den Rabbinatssttz einnahmen, waren anwesend, um Herrn Rabbiner Spitzer diesen schönen Posten anzutragen. Herr Rabbiner Spitzer berieth sich darüber mit seinem zufällig sich hier aufhaltenden Schwager moa 'in '"i ->OD }Dro, Rabbiner zu Preßburg, der ihn entschieden abhalten wollte, Wien zu verlassen, denn nach seiner Ansicht würde nicht so dald ein anderer Nachfolger an dessen Stelle so segensreich, so friedlich und in gleich gutem Sinne die Gemüther versöhnend und zugleich zu Gott hinführend wirken, Nach Hause zurückgekehrt, erwarteten Herrn Nabb. spitzer bereits die Vorsteher der Mattersdorfer Gemeinde, um ihm nochmals die Rabbinerfunction zu übertragen; doch konnte er ihnen noch nicht mit Bestimmcheit die Zusage machen, obwohl vielleicht dessen Schwager, Herr Rabb. Schreiber, durch Ueberredung der zur Nachgiebigkeit gestimmt worden wäre und die Zustimmung möglicherweise ercheilt hätte. So steht die Sache bis jetzt in der Schwebe, und da ich in der Lage bin, Ihnen über den Verlauf der Angelegenheit Authentisches mittheilen zu können, werde ich gewiß nicht ermangeln, Ihnen seinerzeit das endgiltige Resultat der wichtigen bezüglichen Vorgänge zu berichten. — Was uns betrifft, können wir nur den aufrichtigen, sehnlichsten Wunsch aussprechen, daß Herr Rabbiner Spitzer Wien nicht verlassen möge; denn der Personenwechsel an diesem wichtigen Amte wäre sicherlich von nachtheiligen Folgen begleitet. Allerdings könnte man es Herrn Rabbiner Spitzer nicht verargen, wenn er eine so durchgehends fromme und ganz religiöse Gemeinde, wie Wattersdorf dafür den Ruf hat, seinem jetzigen Posten vorzöge, wo er mit so vielen Unannehmlichkeiten, widerwärtigem Verdruß und Aergerniß zu kämpfen hat; doch sollte er trotz aller Anfechtungen seiner Gegner muthig auf seinem dornenvollen, schwierigen Posten ausharren, dem Muthigen hilft Gott, 'im 'n nunai irw 'bw van« ca vrt*f und mit der Zeit dürfte ihm sein standhaftes Auftteten, kluges Verhalten und wahrhaft frommes, friedfertiges Wirken, die Feinde der Religion mit Gott auszusöhnen und eo ipso auch die eigenen Widersacher unschädlich machen. Der Kampfer für eine gerechte, göttliche Sache muß in Geduld und Resignation seinen Standpunkt einnehmen und darf ihn nicht aus Schwäche und anderen Rücksichten verlassen. Hoffen wir, daß Herr Rabbiner Spitzer noch in der zwölften stunde von seinem gefaßten Entschlüsse abstehen und in Wien verbleiben werde; andererseits ist es Pflicht der Mitglieder der Schiffschul-Synagoge, wie auch des Vorstandes der Wiener isr. Cultus-Gemeinde, mit allen möglichen Mitteln dahin zu streben, diesen rvürdigen und für die Jitteressen des Judenthums im Allgemeinnn, im Interesse der guten Sache und der besonderen Wiener religiösen Verhältnisse so nothwendigen Mann der Metropole Oesterreichs zu erhalten, und Herr Nabb. Spitzer wird nach wie vor unter dem göttlichen Beistände noch viel des Guten, Edlen und Schönen i» seiner Umgebung stiften, für die Sache Israels und der Menschheit noch lange heilsam und ersprießlich wie bisher in jeder Beziehung erfolgreich wirken. (Auch wir würden es sehr bedauern, wenn Herr Rabbiner Spitzer Wien verlassen würde. Er ist in Wien unersetzlich. Red.) Asien. &?<ttt (Persien). Der „Magid" veröffentlicht ein Schreiben an den berühmten Reisenden Herrn Levi Tscharni, welches er von dem Rabbiner und den Vorständen der Gemeinde Oran erhalten hat. Aus demselben erhellt, daß unsere Glaubensgenossen daselbst von den Mohamedanern hart bedrückt werden. Wir wollen von den angeführten Klagen nur folgende hervorheben, und die gesch. Leser werden sich schon einen Begriff von dem elenden Zustande unserer Brüder daselbst machen können: Hat ein Jude, heißt es in dem Schreiben, eine Forderung an einen Mohamedaner, so stellt Letzterer Zeugen auf, daß der Jude die mohamedanische Religion gelästert, der Jude wird eingesteckt und gezüchtigt und wird nach Belieben des Richters mit einer Geldstrafe belegt. Hat der Stadthauplmann Straßen- und Feldarbeiten, so läßt er durch seine Beamten eine beliebige Anzahl Juden ergreifen, die dann gezwungen werden, die Arbeiten unentgelllich zu verrichten. So verlor voriges Jahr ein bejahrter Mann bei einer solchen Frohnarbeit sein Leben. Die Mohamedaner verfertigen falsche Schuld-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.