Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 39-40 (27.9.1871)
- Date
- 1871-09-27
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Iührga n ZweiteBkilagezuNr.ZSL^VdesZsraelit. Jeitungsncrch richten nnd Correspvndenzen. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Im Gegensätze zu den religiösen oder vielmehr irreligiösen Verhältnissen anderer großen jüd. Gemeinden, über deren Jndiffercntismus und Materialismus schon mehrmals in Ihrem gesch. Blatte referirt wurde, dürfte es Ihren geehrten Lesern erfreulich sein, einmal zur Abwechselung einen günstigeren Bericht aus der Kaiserstadt an der Donau zu vernehmen, ohne daß ich damit gesagt haben will, daß in dieser Beziehung hier nichts zu wünschen übrig bliebe und die hiesigen Cultus-Jnstitutionen in ruhigster Gestalt sich entsalten; doch immerhin ist besser, etwas Gutes als Nichts. — Zunächst bietet die hiesige scchsklassige öffentl. Talmud- Thoraschnle Anlaß zu verdientem Lobe und gerechter Anerkennung; sie bildet gleichsam eine Oase in der Wüste der hiesigen, sür die Religion und hebr. Wissen fast nichts leistenden Unterrichts-Anstalten, die durchgehends aus Gewinn und Speculation berechnet sind und der Habsucht ihr Entstehen verdanken. Sehr verdient machen sich um dieses löbliche Institut die Vorsteher, die ihr, trotz ihrer Privatbeschäftigung und Berufspflichten, viele Zeit widmen, mit aufmerksamer, verständiger Jnspcction, mit Rath und That, durch moralische und materielle Unterstützung dieselbe zu heben suchen. Es sind dies die ehrenwerthen Herren Berger, Bing, Flcischmann, Freistadtl, Friedländer, Freund- Kohn, Kreisel-Wassertrilling, und besonders entfaltet und gestaltet sich die n"n immer besser, seitdem Herr Berger und Herr Kreisel im Comitö sind, welche die Schule sowohl aus eigenen Mitteln fördern, als ihr auch fremde Subvention bewirken, so daß die Stellung der Herren Lehrer eine verhältnißmäßig gute ist, und mit der Zeit die financiette Lage es erlauben dürfte, ein geräumigeres Haus zn diesem Zwecke zu kaufen, wo zugleich für das Lchrerpersonal Wohnungen hergerichtet und ein Hof-, raum zum Garten und Turnen bestimmt werden könnte; ebenso müßte ein Betlokal in der Anstalt sein, unr daselbst den Gottesdiellst für die Jugend einführen zu können. Ueberhaupt würden Lehrer und Schüler es bequemer haben, wenn die Schule in der Leopoldstadt an einem geeigneten Platze wäre, wo auch die Kinder nicht so weit gehen müßten und nicht manchmal nothwendig hätten. vom Unterrichte auszubleiben. Durch die nahe aufeii nander folgenden Feiertage eignet sich ,_^'n zum Ferialmonate, und wurden vor den '-kt: 'vt die Prüfungen abgchalten, deren Resultat als ein in jeder Beziehung günstiges bezeichnet werden muß, da man bei denselben von dem Eifer und Fleiße der Lehrer und Schüler sich zu überzeugen Gelegenheit hatte. Der Lehrplan des umsichtigen Herrn Dir. Löwis ist so beschaffen, daß der Unterricht im Hebräischen wegen der profanen Gegenstände nicht verkürzt zu werden braucht, was durchzuführen eine sehr schwere Ausgabe ist, rnnsomehr. als die Regierung durch ein bestimmtes Stunden-Ausmaß per Woche für die Schulfächer dem hebr. Unterricht eine Beschränkung aufzulegen droht. Doch durch eine gute Methode, durch anhaltenden Fleiß, gründlichen Vortrag wird diese Schwierigkeit beseitigt und auch das Schwere erreicht, so daß beide disparate Fächer niedlich neben einander bestehen und keines vernachlässigt werden muß. In diesem redlichen Streben vereinigen sich auch mit allen Kräften das Ihrige beizutragen die geehrten Herren Lehrer Aschkenos, Deutsch-Grook-Skudetzky^ so daß der Provinzjude gewiß erstaunen würde, falls er zugegen wäre, wie rasch uud mit welcher Fettigkeit die Kinder alle Fragen der Schulinspectoren und examinirenden Herren beantworten, sei es im Gebiete des Hebräischen oder aus den weltlichen Schulgegenständen. Da war nichts zu merken von einem abgerichteten, eingeleietten Mechanismus, einem gedankenlosen Hersagcn, wie man es bei den Schauprüfungen leider nur zu oft zu sehen pflegt, wo etliche Günstlinge und Bevorzugte in Parade aufmarschiren und für die guten Leistungen der Schule Reclame machen sollen. Hier ist dieses Lockmittel nicht anwendbar, denn die meisten schulbesuchenden Kinder der n"n sind von armen Häusern oder aus der Mittelklasse; überdieß sind die Kinder durch den Unterricht im Talmud geistig geweckt und antworten so tteffend und schlagfertig, daß es eine Freude anzuhören ist, daß man augenscheinlich sieht, daß sie auf solche Fragen nicht vorbereitet sein konnten und doch durch ihr gutes Verständnis und scharfes Denken das Richtige finden. Man sicht 9—10jährige Knaben, die den Bibeltext mit Raschi- Commentar stellenweise auswendig wissen, die Verse grammaticalisch ordnen und übersetzen, in hebr. Stylübungen bewandett sind, und die höhere Abteilung weiß auch Mischna und Gemarah gewandt zu lesen, so daß nian ihre Befähigung bewundern muß. Es bewähtt sich da der Spruch unserer Weisen: ’JDn nnin mm &tyn dhd, denn selten widmen reiche Eltern ihre Kinder dem heiligen Berufe eines jüdischen Volkslehrers, und in den wenigsten Häusern erhalten diese eine solche Erziehung, daß sie sich zum -~'n bequemen möchten. Aber auf die jüdischen Armenfchnlen können wir mit Gottes Hilfe unsere Hoffnung auf bae religiöse Leben der kommenden Generatton