Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 39-40 (27.9.1871)
- Date
- 1871-09-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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739 Holland. Amsterdam. Der Congreß des Staates Columbia hat unserm Glaubensgenossen, Herrn A. Goldberg in Amsterdam, Consnl des Staates Columbia, als Anerkennung für seine Verdienste, die er sich hauptsächlich durch seine Mitwirkung bei der Regelung der inländischen Schulden crworbeu hatte, eine Gratification von 2400 Dollars jährlich für die Zeit, in der er für die Sache thätig war (seit 1860), gewährt. (N. I. W.) Oesterreichisch Ungarische Monarchie. Wien. G. Wassel, Bankbeamter, verlor seine Geldtasche, die er schon zwölf Jahre besitzt, mit Wechseln und Staatspapieren im Werthe von einigen Tausend Gulden. Diese fand der Hausirer Sal. Weiß, als er aus der Nationalbank ging, und gab sie dein Eigentümer zurück, der, erfreut über die Redlichkeit des Finders, denselben entsprechend belohnte. Döbling (bei Wien). Der Erprediger der Preßburger Ex-Reformgemeinde, Herr Dr. Brüll, hat sich nach vielem Hin- und Herwandern, ohne eine einigermaßen anständige Stelle zu erlangen, hieher verirrt, wo er im Sommer als Religionslehrer seine Thätigkeit in Scene setzte. Trotz seines beschränkten Wirkungskreises erlaubte er sich letzthin eine Training zu vollziehen, wo «nnwn nny niD’« war, nämlich era nsa* rr^n, wahrscheinlich auf die Autorität Löw's und Fafsel's sich stützend, die selbst ein Jellinek, obwohl er einen diesbezüglichen, berüchtigten Antrag in der Leipziger Synode stellte, es nicht gewagt haben würde, in Wien diesen Akt zu vollziehen. Herr Rabb. Spitzer, der in der Nähe seine Landwohuung hat, pflegte früher dieses Bethaus zuweilen zu besuchen, seitdem blieb er aber vrincipiell aus; wenn es möglich war, ließ er in seiner Wohnung veranstalten, oder fuhr früh Morgens nach Wien, um nicht ro-nrva beten zu müssen. Dies war dem Vorstande und den Besuchern des Bethauses sehr auffallend, ja sie fühlten sich dadurch sehr zurückesetzt und stellten deßhalb Herrn Rabb. Spitzer darüer zur Rede. Dieser gab ihnen die verlangte Ant wort und erklärte zugleich, daß er nie diese Synagoge betreten werde, so lange genannter “‘•c-a nicht von seinem Posten entlassen werde, oder in öffentlicher Versammlung das Gethane widerrufe und bereue, und so müßte von Rechtswegen jeder ehrliche Jude handeln. — Diese Auskunft machte auf die Zuhörer einen sehr tiefen Eindruck, Viele nahmen es sich so zu Herzen, daß sie, als Dr. Brüll den kommenden Samstag die Kanzel bestieg, während der Rede das Bethaus verließen. Nun erst sah Dr. Brüll die üblen Folgen seines unüberlegten, rrreligiösen Handelns ein, und, den Vorstehern willfahrend, bekannte er vor Allen seinen Fehltritt und versprach, in der Folge von ähnlichem Wege sich fern halten zu wollen. Möge er nur wirklich sein gegebenes Wort halten! Natürlich muß dre erwähnte geschloffene Ehe durch Scheidung rückgängig gemacht werden, um auch 'ntco nmn zu verhindern. Vom Standpunkte des Staatsgesetzes ist diese Ehe auch jedenfalls als ungültig zu betrachten, da sie auf dem Civilwege nicht geschlossen wurde, andererseits bei obwaltenden religiösen Hindernissen ihr jede Rechtsgültigkeit mangelt. Es ist Letzteres wichtig zur Darnachrichtung in allen ähnlichen Fällen. Frankreich. Paris. Das „Journal-officiel" vom 4. Sept. hat den Bericht der Commission veröffentlicht, welche beauftragt ist, das Gesetz bezüglich der Naturalisatton der Juden in Algerien zu prüfen. „Wir hätten," schreibt der Univ. isr, „Vieles zu sagen über dieses Document. Man sieht aus demselben von Neuem, daß selbst die aufgeklärtesten Geister nicht frei sind von bösartigen Vorurtheilen gegen die Israeliten und ihr Gesetz. So liest man in demselben z. B.i der Mosaismus habe zu sehr dre Interessen der Frau in der Familie und der Gesellschaft geopfert. „Schon tausendmal ist dieser grobe Jrrthum zurückgewiesen worden. „Der Berichterstatter behauptet auch, daß durch die allgemeine Naturalisation die algerischen Israeliten die Herren und Beherrscher des Landes werden, sich der municipalen Administration und alles politischen Einflusses bemächtigen, alle Consular-Jurisdiction absorbiren, die Herren der Wechselgeschäfte, die Ordner der Marktpolizei und von den äußersten Grenzen der Wüste bis an die Ufer des Mittelländischen Meeres herrschen würden. „Also 32,952 jüdische Seelen, deren größte Majorität noch das Bewußtsein der Schwäche und die Erinnerung ihres Unglücks hat, sollen alles dies inmitten und gegen 120,000 Europäer verschiedenen Ursprungs, 122,119 Franzosen und 2,500,000 Muselmänner ausrichten können! Welch ein rrauriges Attest vom moralischen und intellectuellen Zustande jener Nationalitäten! Die Wahrheit ist, daß man zu jeder Zeit die Wichtigkeit und die Macht der Israeliten übertrieben hat, um zu bewirken, daß sie gefürchtet und gehaßt werden. Pharao schon hat dieses schöne Mittelchen probirt." Paris. Der municipale Conseil von Paris hat, obgleich er immense Bedürfnisse zu bestreiten hat, die Wiederaufnahme der Bauarbeiten der Synagogen äs la Place Royale und de la rue de la Yictoiro votirt. Wir sehen in diesem liberalen Votum, außer den edlen Gesinnungen unserer würdigen Municipalräthe