Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 39-40 (27.9.1871)
- Date
- 1871-09-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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738 Bei der hohen geistigen Begabung, welche stets unsere polnischen und russischen Glaubensgenossen ausgezeichnet hat, steht zu hoffen, daß Ihr auch Ln dieser Angelegenheit die richtigen Wege finden werdet, mit vereinten Kräften diese Ziele zu erreichen. Um aber für ein ersprießliches Zusammenwirken eine sichere Grundlage zu erhalten, ist es zunächst geboten, baß die angesehensten und am meisten bevölkerten jüdischen Gemeinden Rußlands und Polens gleich uns einmüthig sich verbinden, um in dieser Verbindung mit aller Energie ihre Intelligenz und ihren Einfluß auf die kleineren dortigen Gemeinden wirken zu lassen. Nur durch die Vereinigung aller Kräfte bei Euch wie bei uns wird es möglich werden, allgemeine und dauerhafte Einrichtungeu zu schaffen, durch welche dem jetzigen unheilvollen Zustande ein Ziel gesetzt wird. Je weniger aber wir uns die Schwierigkeit dieser Aufgabe verhehlen, um so sicherer rechnen wir auf Eure Mitwirkung zur glücklichen Lösung derselben. Zunächst erwarten wir daher, daß auch in Eurer Mitte ein Centralausschuß sich bilbe, weltfern bie Förderung der Angelegenheit unter Euch in erster Sink obliege, unb welcher im Namen Eurer gesammten Organisation mit un§ übet bie votliegenbe Frage in Verhandlung zu treten ermächtigt werde. Nur so wird es möglich sein, in geordneter Weise und ohne allzugroßen Verlust an Zeit und Geldopfern die Vorbereitungen für den Gemeindebund zur Reife zu bringen. Ende August 1871. Der geschäftsfüh rende Ausschuß des deutsch-israelitischen Gemeinde tag es. Moritz Kohner (Leipzig); Advokat Emil Lehmann (Dresden); Philipp Wertheim (Berlin); vr. jur. D- Honigmann (Breslau); Advokat Josephthal (Nürnberg); Georg Feigl (Prag). Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. München, im September. Der feit einiger Zeit als Rabbiner und Prediger hier angeftellte Herr Dr. Perles hat seinen Wirkungskreis damit begonnen, daß er die heiligen, seit uralten Zeiten in ganz Israel eingeführten Gebete am ome-inDvi nwn willkürlich abkürzte, einige deutsche Gebete vortrug, und das '->12 dv nur einmal zu recitiren anordnete. Er ist ein Schüler Frankl's! Die gesetzestreuen Glaubensbrüder in unserer Gemeinde sollten nunmehr nach Kräften dahin streben, im Gottesdienste eine Trennung zu organisiren, damit alle diejenigen, welche nicht der Reform angehören wollen, unbeirrt und ungehindert in der Art und Weise zum Gotte Jsrael's beten können, wie es unsere Weisen vorgeschrieben haben, (o’jdji d’dsh tdd!) Stettin, 21. September. Wie naiv doch diese Frankelianer sind und wie sie selbst in der Polemik gegen den Gegner ihr eigenes Inneres verrathen! Da lese ich soeben die neuste Nummer des von unserm (?) Dr. Treueniets heransgegebenen Leibblattes des Breslauer Seminars, und ein Satz darin ist so bezeichnend, nicht für den beschuldigten Gegner, sondern für das eigene Denken der Herren! Dieser Satz lautet: So trachtet auch die orthodoxe Partei die Rabbinerstellen mit ihren Affiliirten zu besetzen; ist dies erreicht, so mögen die Gemeindeglieder ihre Wege gehen, thun, was sie nicht lassen wollen." Setzen wir statt „orthodoxe Partei" — „Frankel'sche Partei," so haben wir das köstlichste Bekenntnis, und Jedermann kann sich von der Wahrheit des also modificirten Satzes hier in Stettin, in Königsberg, in Crefeld und wo sonst noch Frankelianer vegetiren, überzeugen, während es doch allgemein bekannt ist, welch unermäßliche Mühe^ sich allüberall die orthodoxen Rabbinen geben, um die ihnen von Gott anvertrauten Gemeinden in der Treue zu ihrem Vater im Himmel zu erhalten. O, ei tacuisses! — Es ist überhaupt nicht zu verkennen, daß die hiesige Wochenschrift der Frankel'schen Partei unendlich geschadet hat und immer mehr schadet. Für solche p’s;j/D 'd by dtidie) ist Schweigen das einzig Ersprießliche. Sowie sie den Mund aufthun oder ihre Feder fahren lassen, bringen sie sich um allen Credit. Wie sehr hat doch die Zusammenkunft in Breslau vor einigen Jahren deren Thcilnehmer in Mißcredit gebracht, wie unendlich schadet jede Nummer der Wochenschrift der eigenen Partei! Da es aber im Interesse des Judenthums nur zu wünschen ist, seine halben Freunde genau kennen zu lernen, so wäre es sehr zu bedauern, wenn das Gerücht sich bewahrheitete, daß „die Wochenschrift" am Ende des laufenden Jahres den Weg alles Fleisches wandern soll. Unser (?) Treuenfels, der übrigens ein witziger und geistvoller Mann ist, soll es müde sein, länger als „General-Wäscher" der Partei zu fungiren, und auchdiejenigen, welche bisher die Kosten des weniggelesenen Blattes bestritten haben, sollen diese zwecklosen Geldopfer noch ferner aufzubringen nicht geneigt sein. Näheres kann ich darüber nicht mittheilen; doch soll sich Herr Dr. Tr. schon mehrfach in diesem Sinne ausgesprochen haben. Relata refero. —