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Der Israelit · 1871-09-27 · Heft 39-40 (27.9.1871) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 39-40 (27.9.1871)
Date
1871-09-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XII. Jahrgang Erste Beilage zu Nr. 39 & 40 des Israelit. Leitender Artikel. In Sachen des isr. Kemeindeörrrrdes. i. Aus Bayern. Gestatten Sie, geehrter Herr Redacteur, daß auch der Ansicht über den Beitritt zum Gemeindebund Ihre geschätzte Zeitschrift die Spalten öffne, die, wie es scheint, nicht von vielen Orthodoxen getheilt wird, ttotzdem aber von einem orthodoxen Israeliten vertreten wird, der es ganz auftichtig mit der heiligen Religion meint, was Sie, geehrter Herr Redacteur, da ich die Ehre habe, von Ihnen gekannt zu sein, hoffentlich gern oezeugen werden^). — Wenn es auch unumstößliche Thatsache für den Eingeweihten sein muß, daß eine Vereinigung so widerstrebender Elemente wie die neologe und orthodoxe Partei für die Dauer nicht gut thut; so dürfte es doch nicht sofort in nichtjüdischen Kreisen anerkannt werden, daß die beiden Parteien sich so fern stehen, und auch wieder nicht von Vielen, die eigentlich nothwettdig einer dsr beiden genannten Parteien angehören müßten, aus Unkenntniß und oberflächlichem Urtheile aber noch nicht zum Selbstbewußtsein gekommen sind und eine sog. Mittelpartei zu bilden wähnen. Und leider find die letzteren nicht so ganz unbedeutender Anzahl, daß wir in unseren Entschlüssen nicht auch auf sie große Rücksicht m nehmen hätten. Bemerken unsere Weisen schon zu Zeiten des größten aller Propheten auf das damalige “jn m: „Kein Mensch versteht sich auf die Grundsätze dieses Volkes; heute sagt man ihnen: gebet Euer Gold her zur Herstellung des goldenen Kalbes, und sie thun's, — und morgen spricht man zu ihm: spendet Gaben zum Aufbau der gottgeweihten Stistshütte, und sie sind bereit dazu!" — Um wie viel mehr muß dieser Ausspruch erst in Bezug auf unser Zeitalter seine volle Bestätigung finden!! — Wie Viele gibt es, die gar nicht fragen, warum man sich da oder dort von einem allgemeinen Verbände trennt oder ausschließt, sondern einfach den aus der Menge Scheidenden als Störenfried erklären und beurtheilen! Und nicht minder liegt es auch im Interesse der von uns vertretenen heil. Sache, unseren nichtjüdischen Mitbürgern den Beweis zu liefern, daß nicht wir die Spaltung hexvorgerufen haben. sondern unsererseits alles Mögliche geschehen ist, aber natürlich mit sorgsamster Wahrung unseres religiösen Standpunktes, um mit denjenigen zusammenzubleiben, die mit uns in Abkunft, Namen und immerhin vielem Betreff gleich sind, wenn sich auch unsere Wege wieder in vielen Dingen so sehr von einander scheiden. — Wenn es auch wahr ist, daß es dem Vorstände des Gemeindebundes nicht möglich sein wird, alles das zu meiden, was den religiösen Boden berührt; wenn es auch ebenso richtig ist, daß wir von vornherein keinem Institut behilflich sein können, das feine Agenten beauftragt oder von ihnen duldet, wie unlängst in Fulda in so herausfordernder Weise geschehen, in Ausführung ihrer Mission die heiligen Gottesgesetze zu verletzen, ohne daß wir nicht selbst als msy nmy ni Mitschuldige würden; und wenn auch wieder der große Unterschied zwischen Mildthätigkeit nach modernem Begriff und npns nach altjüdischer (Bitte hervorgehoben wurde, der auch nicht einmal hierin den Ausschluß des religiösen Standpunktes zulafsen könnte: so muß man aber auch dem gegenüber zugeben, daß unsere Gegner die Verantwortlichkeit für das unverzeihliche Gebühren eines Mitgliedes von sich abwehren können, und bei etwaiger Betheiligung von frommer Seite nicht mehr derartiges Vorkommen zu lassen betheuern werden; so kann also immerhin das gegebene Wort des Vorstandes für den Uneingeweihten als Paladium erscheinen, so daß die Gesetzestreuen wenigstens einen ernsten Versuch gewagt haben sollten, die Sttchhaltigkeit desselben zu erproben. Warum sollen wir erst warten, bis unsere Feinde von innen oder außen die Anklage des größten Judenfeindes Haman laut und ohne Scheu auf das Haupt der Orthodoxie wälzen. ~msü) “wed Das jüdische Volk lebt zerstreut unter allen Völkern und uneinig unter sich rc. Die religiösen Wogen gehen in unseren Tagen eben so hoch wie im verflossenen Jahre die politischen, und das kleinste Wölkchen genügt, um den blauen Himmel des Religionsfriedens vieler vergangener Jahre zu trüben und vielleicht den furchtbarsten Orkan zu entfesseln; warum sollen wir nicht bedacht sein, unser heiligstes Kleinod unter festes Dach zu bringen und von allen Seiten sicher zu stellen? Ist ja schon vom hohen Bundeskanzleramt eine Revision der jüdischen Gemeinde- Verhältnisse angebahnt und einigen der Sache nahestehenden Juristen zur Begutachtung binausgegeben worden, die, wenn sie, wie beinahe zu fürchten, der neologen Richtung angehören, ihren Einfluß leicht zur Schädigung der heiligen Sache anwenden können. Was fanatische Reformwuth in solcher Stellung vermag, zeigt uns ein Blick auf die beklagenswerthen Congreßverhand- *) Geschieht hiemit. Red.

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