Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 39-40 (27.9.1871)
- Date
- 1871-09-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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782 Australien. Sidney. Dem dahier erscheinenden Australian leraelite (ein orthodoxes Blatt) entnehmen wir: „Die jüdischen Einwohner HU Leonka auf den Figi-Jnseln haben sich jüngst zu einer kleinen Gemeinde gesammelt. Herr P. S. Salomon ist ihr Prediger. Die erste Lifte zur Errichtung einer neuen Synagoge weist eine Summe von 3219 L. (38,628 fl.) auf. Mit der Sanction des Oberrabbinen Herrn Dr. Adler in London sind Arrangements getroffen, daß von Australien aus "nrn-Fleisch nach England und dem Continent geschickt werden kann. Besondere D’üiw und d^die» werden angestellt, die unter der Conttole des Joint Board der jüdischen Gemeinde von Melbourne stehen. Feuilleton. Zur rechten Zeit. XXIX. Die Verlobung. Am 25. Mai 1745 wurde das nachstehende Decret publicirt: „Ihre Majestät die Königin von Ungarn rc. erlaubt in Folge ihrer natürlichen Milde und der dringenden Verwendung des Königs von Großbritanien und der Generalstaaten der Vereinigten Niederlande der jüdischen Nation bis zum Erlaß einer neuen Ordre, im Königreich Böhmen und in der Markgrafschaft Mähren zu wohnen und ihren Geschäften ic. ob$ulieQcn.“ Welche unendliche Freude die Zurücknahme des Verbannungsdecretes unter den Juden hervorbrachte, ist nicht zu beschreiben. Sie ließen eine Denkmünze prägen, durch welche die Gnade der Königin gefeiert wurde. Wir wollen im Nachstehenden eine Beschreibung derselben versuchen. Auf dem Avers der Münze sieht man die Kaiserin Maria Theresia auf einem Thron in einem offenen Saale sitzen. Zu ihrer Rechten befindet sich die Barmherzigkeit, zu ihrer Linkeu die Gerechtigkeit. Vor ihr steht ein Krieger, welcher die Arme ausbreitet, um einen im Hintergründe sich befindenden israel. Hohenpriester zu schützen, der die rechte Hand, wie wenn er einen Eid leisten wollte, erhebt. In der Ferne ist die Stadt Prag sichtbar. Oben liest man die Worte: Exilio minato (vom Exil bedroht). Außerdem liest man noch auf dem Avers die Worte: XIII. Tebeth, XYIII. Decembris. Xe suspicetur regina versus servos suos res hujuscemodi (I. Reg. XXII. 15 *) (Nicht möge die Königin gegen ihre Diener solcherlei Verdacht hegen.j Auf dem Revers der Denkmünze erblickt man das Innere des heiligen Tempels von Jerusalem. Zur Rechten befinden sich die an den Mauern aufgehäugten gekrönten Schilder der Niederlande und Polens; ein Opfer wird dargebracht und eine Menge Personen liegen auf den Knien. Oben stehen'die Worte: Decreto abolito, XIII. Yyar, XY. Maii (zum Andenken an die Aufhebung des Decrets, am 13. Jjar, am 15. Mai). Zwischen diesen Worten befindet sich ein gekrönter Schild mit den Wappen von Ungarn und Böhmen. Unter denselben lieft man folgende Inschrift: Isti sunt dies, quos nulla umquam delebit oblivio et per singulas ,'generationes cunctae in toto orbe provineiae eelebrabunt (Esther 9, 28). (Dies sind die Tage, deren Gedenken keine Vergessenheit zerstören und welche durch die einzelnen Geschlechter alle Provinzen auf dem ganzen Erdkreise feiern werden.^ Einzelne großgeprägte Buchstaben ergeben auf dem. Avers das Chronogramm 1744 (die chr. Jahreszahl), und auf dem Revers 3761, welche Zahl zu 1744 addirt, das Chronogramm 5505, die Jahreszahl nach Erschaffung der Welt, ergibt. Auf den ersten Rausch der Freude sollte jedoch bald die Ernüchterung folgen. Maria Theresia niäkelte und nörgelte noch lange an der gegebenen Erlaubniß. Namentlich hatten die Juden von Prag noch viel zu dulden, bis sie die Erlaubniß zur Rückkehr in ihre Vaterstadt erlangten. Eine kaum erschwingliche außerordentliche Steuer (jährlich über 200,000 fl.) wurde den Juden von Böhmen und Mähren aufgelegt, veraltete Ausnahmsgesetze wurden hervorgesucht und aufs Neue in Kraft gesetzt; das Hciratßen sollte ftirderhin nur den ältesten Kindern gestattet sein; die Zahl der in einem Orte wohnenden jüdischen Familien wurde fixirt und sollte unter keinerlei Umständen verwehrt werden; von vielen Handelszweigen und Gewerben wurden die Inden ausgeschlossen; dagegen wurden, um die Juden zur Taufe zu verlocken, den Getauften ganz besondere Privilegien ertheilt; ferner wurde befohlen, daß alle jüdischen Männer einen langen Bart und auf dem rechten Arm einen gelben Lappen, die Frauen und Mädchen aber eine gelbe Stirubinde tragen sollten. Endlich erhielten auch die Juden von Prag die Erlaubniß zurückzukehren. Allmählich fanden sie sich wieder ein — aber in welchem Zustande! Durch die lange Abwesenheit und Geschäftslosigkeit waren die Meisten verarmt; Viele waren der Armuth und dem Elende erlegen und waren fern von dem Grabe ihrer Eltern zur Erde bestattet worden. *) Soll wohl heißen: „8".