Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 39-40 (27.9.1871)
- Date
- 1871-09-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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731 mib Gemeinden von unentschiedenem Charakter würden den Beschluß nicht respectiren; es würde durch ein derartiges Vorgehen die herrschende Verwirrung nur noch wachsen. All das Gute und Schöne, was der Verfasser mit wahrem Feuereifer, gestützt auf Talmud, Midrasch, Poßkim uud Teschuboth, sonst noch sagt, läßt sich nicht gut im Auszuge wiedergeben. Möge die treffliche Schrift die beabsichtigte gute Wirkung nicht verfehlen. AeitrmgSnoehrLehterr und Qonefpoit« denzen. Deutschland. Eisenach, 22. Sept. Gestern Abend verstarb dahier der jüdische „Schmidt von Gretna-Green," der Pensionirte Landrabbiner Dr. Heß, der noch vor anderthalb Jahren durch die Einsegnung einer biblisch verdoteuen Ehe so großen aarn gemacht, nach 36jähriger Amtsführung. Oesterreichisch-Ungarnisch r Monarchie. Presidurg. Das Städtchen Besieg bei Preßdurg war einer von den Plätzen, in welchem bis vor wenigen Jahrzehnten kein Jude wohnen durfte. Der ung. Graf Palfi hat dort einen Gütercomplex. Derselbe erlaubte den Juden, sich daselbst niederzulassen. Dafür hatten sie jätMch eine Summe zu zahlen; auch Gebäulichkeiten zu einer Synagoge und zu einem mpo vermietete er ihrren. Vor zehn Jahren ließ sich Graf Palst in London nieder und übertrug die Verwaltung seiner Güter einem hier bestellten Beamten. Derselbe, ein großer Judenfeind, erhöhte den Pachtzins aufs Doppelte. Das Gebäude, worin die Synagoge und das ."upv, nahm er ihnen weg und ließ seine Unterbeamten darin wohnen, und das Uebrige zu Pferdeställen Herrichten; ebenso entriß er ihnen ihren bisherigen Begräbnißplatz und die Grabsteine ließ er als Baumaterial Verwendern Nach einiger Zeit kam Grat Palst zurück, und als er von den Gewaltthateu seines Verwalters, der inzwischen gestorben war, hörte, ließ er die angesehensten Juden zu sich rufen, drückte sein tiefstes Bedauern über das Geschehene aus, gab ihnen sofort 2000 fl. als Beitrag zum Aufbau einer neuen Synagoge, sowie Baumaterial zur Synagogenschule und zum Bcgräbnißplatz; die Grabsteine ließ er Herrichten und vor der Synagoge einen schönen Garten anlegen. (Hamagid.) Aus Ungarn. Der berüchtigte Räuber Farkas Beni wurde unlängst gefangen und wird jetzt in Nagy Karoly in strengem Gewahrsam gehalten, damit er nicht wieder entweichen könne, wie dies in M.-Vasarhely geschah, von wo er dann sein Hauptquartier nach Klausenburg verlegte und sich an dem Szekernyeser Raubmord becheiliate. Dieser Spitzbube erlaubt sich mitunter sogar, wie „M. P." erzählt, einen Spaß mit seinen Richtern, wenn ihm die Zeit im Gefängnisse zu lang wird. Einmal wurde er in Szalonta sestgenommen und vor das Kriminalgericht gestellt. Von diesem befragt, was er mir den in letzter Zeit geraubten Geldern angefangen habe, gab er zur Antwort, er habe das ganze Geld einem rothbärtigen Juden im Biharer Comitat übergeben, dessen Name ihm jedoch unbekannt sei. Auf das hin ließ der Gerichtshof eine Razzia vornehnren auf alle Juden in Großwardein und im Bcharer Komitat, welche das Unglück hatten, einen rochen Bart zu haben, mochten sie nun gut oder übel beleumundet sein. Als man nun dieselben vor Farkas sich ausstellen ließ, ging dieser mit lächelnder Miene die Reihe ab und blieb plötzlich vor einem stehen, der die ehrlichste Haut von der Welt war. Natürlich fragte man ihn, ob das der Rechte sei"? Nein, antwortete Farkas; ich blieb nur deshalb vor ihm stehen, weil ich in meinem Leben -noch keinen Juden mit einem so schönen rochen Bart gesehen habe. Uebrigens ist mir nie eingefallen, das Geld irgend Jemandem in Verwahrung zu geben, sondern ich habe es bei mir behalten. Das Ganze war mir ein kleiner Spaß. Italien. Rom. Vor neun Jahren ist in Ront ein schr hübsches, jüdisches, 18jähriges Mädchens, Namens Lea Awinion, aus ihrem elterlichen Hause verschwunden. Die Eltern suchten dasselbe, fanden aber nur seine Kleider ulld Schuhe an den Ufern der Tiber. Die Eltern beweinten nun seit damals ihre Tochter als eine Ertrunkene. Als vor Kurzem viele Nonnenklöster durch die ital. Regierungskonunissäre aufgelöst wurden, stellte sich eine Nonne dem Kommissär in den Weg, warf sich ihm zu Füßen und bat ihn, sie zu befreien und zu ihren Eltern, von denen sie schon seit neun Jahren nichts vernommen, zu führen. Sie nannte ihm ihren Namen, wie auch den Namen des damaligen Wohnortes ihrer Eltern, und erzählte ihm, wie sie ein noch heute lebender Geistlicher, Namens Hubertus, entführt, ihr Gewalt angcthan und sie daun als „Bekehrte und Getaufte" .ins Kloster unter strenger Bewachung brachte. Die Regierung ließ nun gleich nach den Ellern suchen, von. denen man auch bald die Mutter aufgefunden hatte (der Vater war gestorben), die aber ihre in früheren Jahren so hübsche Tochter kaum zu erkennen vermochte, da dieselbe durch körperliche Leiden und den Religionszwang sehr gealtert hatte. Wie es sich jetzt herausftellt. hat man damals absichtlich die Kleider der Verschwundenen an das Ufer der Tiber gelegt, um so die Eltern, hinsichtlich ihres ferneren Suchens irre zu führen. (Pest. jüd. Zeit., nach einem poln.-nng. Blatt.)