Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1871-09-20 · Heft 38 (20.9.1871) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 38 (20.9.1871)
Date
1871-09-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447499-2447537--09729-2465438
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

(!xn Jahryana. Beilage z« Rr. 38 des Israelit. AeLtungSnachrickten und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, 15. Sept. Wie wir bereits mitgetheilt haben, sind zwei diesige Israeliten zu Richtern in Elsaß und Lothringen designirt worden. Die Ernennung ist nunmehr erfolgt; Herr Dr. Levino wurde zum Landesgerichtsrath in Metz und Herr Dr. Leoni zum Landesgerichtsrath in Zabern ernannt. Diese Ernennungen liefern uns den erfreulichen Beweis, daß es dem Bundeskanzler mit der Gleichstellung unserer Glaubensgenossen vollkommerl Ernst ist. Die Israeliten der neuerworbenen Proviuzen können daher füglich ihre Besorgnisse in dieser Hinsicht schwinden lassen. Münster (Weftphalen). Auch Herr Seminardirector vr. Kroner von hier hat sich bittlich an das kaiserl. deutsche Hauptquartier in Frankreich um Befreiung des isr. Soldaten der Occupationsarmee vom Dienste während der hohen Feiertage gewandt rrnd die Antwort erhalten, daß eine deßfallsige Verfügung bereits erlaßen worden ist. Czemprn (Provinz Posen). Am Friedensfefte hielt unser Rabbiner, Herr M. Borchardt, eine sehrschöne Rede, die er auf vielfaches Verlangen durch den Druck veröffentlichte. Ein Exemplar derselben schickte er durch Vermittlung des Landraths an den deutschen Kaiser. Der Kaiser sandte durch den Oberpräsidenten der Provinz an unfern Rabbiner ein Dankschreiben für sein pattiotisches Verhalten während des deutsch-französischen Krieges, sowie eine ansehnliche Gratification aus der Regierungshaupttasse zu Posen. &ttenfoo$f inr September. Ein großes Unglück hat die hiesige Gemeinde 'v nana enip rot? D.’a «ttn getroffen, und wenn wir uns im Vertrauen auf Gott in dessen schwere Heimsuchung ohne Mm-ren fügen, so ist doch die Bestürzung eine ungeheure, denn wir sind in eine Lage versetzt, die wir nicht genügend beschreiben, wie wir auch nicht den Gefühlen Ausdruck geben können, die unsere Herzen bewegen. In vorgenannter Nacht gegen % auf 11 Uhr ertönte plötzlich der grelle Feuerrus, welcher auch nicht unbegründet war, denn aus der Scheune des Metzgers Hirsch Rebitzer ragten schon hoch die Feuersäulen gen Himmel, während noch Alles in nächster Nähe im sützen Schlummer lag. Die Kinder Rebitzer's, welche kaum einige Schritte vom Feuer entfernt läge«,, konnten nur noch mit Mühe dem gräßlichen Elemente entriffen werden; denn noch ehe rechtzeitige Hilfe herbeigeeilt, lagen schon 9 Gebäude, darunter die ehrwürdige 185jährige Synagoge nebst dem erst vor kaunr 2 Jahren daran gebauten Schulhause, in Schutt und Asche. O, wie wehe thut es, dies niederschreiben zu müssen! Verwüstet gleich dem iznpcn jva pnn liegt unser Heiligthum. In eine Ruine verwandelt ist die Stätte, wo wir so oft zu Gott gebetet; leergebrannt, die kahle, halb eingestürzte Mauer gen Himmel ragend, liegt sie da, einst der Stolz und die Zierde der Gemeinde! Kaum 4 Stunden zuvor empfingen wir noch in ihren Hallen den anip nzjtp, nicht solches Unglück ahnend, aber schon zu nnnccr wußten wir nicht mehr, wo wir uns zu po versammeln sollten. Wer diesem Gottesdienste beiwohnte, wird ihn auch nie vergessen. Kein Auge blieb trocken, kein Herz blieb unerschüttert. Die heiligen D'did cpd\ die schon vor der Schwelle harren, können wir nur mit Zittern und Bangen empfangen, denn in einem Wirthshause müssen wir unseren Gottesdienst verrichten, da wir kein anderes Local haben. Wir haben statt Festtage Tage der Trauer, und Gott möge uns verzeihen, wenn wir diese Tage durch Thränen entweihen. Möge der Allgütigc uns vor weiterem Unglück schützen und uns beistehen, daß wir ihm bald einen neuen Tempel bauen können. Gerade an dem für uns so verhängnißvollen nzitr vor 27 Jahren wurde die Synagoge nach einer großen und kostspieligen Reparatur eingeweiht. Vor 6 Jahren Ratten wir einen großen, steinernen Giebel aufgeführt, und noch kaum vor 2 Jahren die Wohnung des Lehrers gebaut; und so klein die Gemeinde ist, alle Kosten aus eigenen Mitteln bestritten, weshalb wir auch noch Schulden haben. Gerne sind die wohlhabenderen Mitglieder nach Kräften bereit, Alles zum Wiederaufbau des nDJun n-Q beizutragen, aber wir haben viele Mitglieder, resp. Wittwen, Greise und Vermögenslose, denen wir keine neuen Lasten aufbürden können; die Last ist zu groß für uns, und wenn uns unsere mildthätigen Glaubensbrüder nicht unterstützen, so sind wir bei der geringen Höhe der Versicherungssumme nicht im Stande, unsere Synagoge wieder aufznbauen. H. Prager, Cultusvorftand. (Wir schließen uns der obigen Bitte an; die kleine Gemeinde Ottensoos hat stets zu allen Sammlungen kräftigst beigesteuert. Möge auch sie jetzt nicht vergeblich an das Mitleid unserer stets hilfbereiten Glaubensgenossen appelliren. Die Red.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.