Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1871)
- Date
- 1871-09-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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720 Hamburg, 6. Sept. Hier verstarb dieser Tage Herr Louis Maaß, Direktor der Norddeutschen Bank. Die Beerdigung fand gestern auf dem jüdischen Kirchhofe am-Grindel statt. Um 8 Uhr Morgens setzte sich der Leichencvnduct, circa 100 Wagen, von der Wohnung des Verstorbenen in Neumühlen aus in Bewegung und langte gegen 10 Uhr auf dem Friedhofe an. Hier wurde der Sarg in der Vorhalle niedergesetzt und nach Verrichtung des jüdischen Ceremoniells an die Gruft getragen, wo Herr Adolph Godeffroy in tief empfundener Rede die Verdienste des Verschiedenen um die commerciellen Verhältnisse der Vaterstadt hervorhob. den Verlust schilderte, den die Norddeutsche Bank durch den Tod ihres Directors erlitten habe und darauf hinwies, wie Herr Louis Maas; sich im Privatleben so viele Freunde erworben und gegen viele Arme als Wohlthäter sich bewährt hätte. Die Zollvereins-Niederlage hatte geflaggt. Oesterreichisch-Ungarrrische Monarchie. Pefth. Der „Wiener Tapespresse" meldet man aus einem ungarischen Coniitate folgenden Vorfall: Ein Stuhlrichter schickte einem Inden eine Vorladung unter der Adresse: An den Juden Moses Weis. Der Jude zeigte diese den: Viccgespan, wo er gleichzeitig seine Beschwerden gegen den überhaupt judenfemdlichen Stuhlrichter vorbrachte. Der Vice - Gespan sagte ihm , er brauche sich auf diese Vorladung nicht zu stellen, bis man auf dieselbe „Herrn Moses Weis" schreiben werde. Herr Weis äußerte aber die Besorgniß, daß ihn der Stuhlrichter mit Trabanten abholen lassen würde, wogegen ihm der Viccgespan ein Schreiben gab, daß ihn kein Pandur oder Heiduck zur Befolgung seiner Vorladung zwingen dürfe, bis dieselbe an „Herrn" Moses Weis adressirt ist. Der Tag der Vorladung kam, Herr- Moses Weis war natürlich nicht vor dem Stuhlrichtcr erschienen, man schickte Panduren; dieselben kehrten aber zurück mit den Worten: daß man heutzutage auch einen Juden „Herr" nenneir müßte. Hierüber höchst entrüstet, begab sich der Stuhlrichter in höchst eigener Person zum Juden und wollte ihn mit den Worten: „Auch ein stinkender Jude ist Herr!" am Kragen packen und einsperren lassen. Allein in diesem Augenblicke erschien der Dicegespan und belehrte den seine Amtsgewalt mißbrauchenden Stuhtrichter, daß er von diesenr Augenblicke an seines Amtes enthoben sei. Pest. Es cxistirt hier ein Verein, vorzüglich aus orthodoxen Mitgliedern bestehend, der es sich zur Aufgabe gemacht, die jüdischen Kranken in den verschiedenen hiesigen Spitälern aufzusuchen und denselben nach Möglichkeit Hilfe ulld Unterstützung zn bieten. Der Verein, der bereits an ca. 300 Mitglieder zählt, entfaltete bisher seine segensreiche Thätigkeit in bescheidener Stille und in voller Unabhängigkeit von der hiesigen Kongreß-Gemeinde. Wie wir jedoch soeben erfahren, gedenkt dieser Verein die Grenzen seiner Thätigkeit in gar ersprießlicher Weise auszudehnen. Derselbe geht nämlich mit dem Plane um, an die vaterländischen Gemeinden und Rabbincn einen Aufruf ergehen zu lassen, damit es durch freiwillige Spenden ermöglicht werde, ein israelitisches Landesspital zu errichten, in welchem die Leidenden nebst zuverlässiger ärztlicher Pflege auch eine rituell-korrekte Koscher-Kost erhalten sollen. Zieht man in Erwägung, welche Anzahl von unglücklich Leidenden jährlich aus" der Provinz in die Hauptstadt strömen, ohne Bekanntschaft, ohne Rathgeber, ohne Stütze; zieht man itt Erwägung, daß der größere Theil dieser Unglücklichen mit schwerer Mühe in Spitälern Unterkunft suchen müssen, wo sic. indem sie für ihre körperlichen Leiden Heilung suchen, durch den Genuß von Neweloth lltrefoth ihrer Seele schwere Wunden schlagen — da läßt sich gewiß nicht in Abrede stellen, daß die Errichtung eines israelitischen Landesspitals in der Hauptstadt eine glückliche und cchtjüdische Idee ist, welche allenthalben die ausgiebigste und nachdrücklichste Unterstützung verdient. Wir zweifeln nicht, daß diese herrliche Idee um so eher einer baldigen Realisirung entgegensehen darf, als die Matadore'der hiesigen Orthodoxie, deren Humanitätssiun und Opferwilligkeit landesbekannt, diese wichtige Angelegenheit mit vielem Eifer in die Hand genommen' und derselben denn auch bereits reichliche materielle Unterstützung angedeihen ließen. Sv soll Herr Fleft'chmann zur Errichtung eines jüdisch-orthodoxen Landesspitals 10,000 ft. gezeichnet haben, die Herren Taub und Müller 5000 fl., Herr Samuel Abeles 7500 fl., Herr Et. Kadelburg 8000 ft., ein Ungenannter 4500 fl. Bei solch' schönem Anfänge läßt sich nur ein überaus günstiges Resultat erwarten. Wir wünschen den Herren Anregern sowohl, als den edlen Spendern den besten Erfolg für ihre humanitären Bestrebungen! (Travit. Journ.) Donaufürstenthümer. Bukarest, 7. Sept. Am Abend des 5. August wurde, in der von Juden zahlreich bewohnten Gegend der großen Synagoge, der Versuch gemacht, einen Judenkrawall hervorzurufen. Ein Ehristenknabe erschien dort mit blutenden Händen und gab an, daß man ihn. in den Keller der. Synagoge hinerngelockt habe, woselbst von Juden der Versuch geniacht worden sei, ihm Blut abzuzapsen, mtb er sei nur mit äußerster Mühe durch ein Fenster entschlüpft, wobei er sich die Hände zerschnitten habe. Der Pöbel rottete sich alsbald zusammcit, und es fehlte selbstverständlich nicht an Hetzereien aller Art. die vielleicht zu einem förmlichen Krawalle geführt hätten, wenn nicht der Polizeipräfect, Herr Hiot, schleunigst angelangt und jeden Versuch zu ctttcm Auf-