Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1871)
- Date
- 1871-09-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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717 Häuser, Felder und Landesprodutte, die in Folge einer olchen Mafsenauswanderung unfehlbar eintreten wird, sich will Eure Excellenz nur darauf aufmerksam machen, datz Oesterreich sich durch die Vertreibung der Juden die Pulsadern des Handels und Verkehrs durchschneiden, datz Handel und Gewerbe tu Verfall gcrathen und datz Oesterreich verarmen wird. Dadurch wird der Krieg für England unt ein gut Theil erschwert werden. Es liegt also im eigensten Interesse Großbritaniens, die thörichte Selbstverftümmettlng Oesterreichs zu hintertreibeit." Der Gesandte hatte dem Juden mit Bewunderung zugehört. Jetzt stand er auf ultd reichte Rabbi Samuel die Hand. „Sie hätten," sagte er, „Diplomat werden sollen! Ich bewundere Ihren Scharfblick, Ihre Urtheilsfähigkeit.. Ich werde von dem von Ihnen mir eröfsneten Gesichtspunkte aus nach England berichten. Noch heute soll der Courrier mit den diesbzüglichen Depeschen nach London abgehen, rrud ich hoffe ein günstiges Resultat zu erlangen." Der Gesandte hielt Wort; er wutzte dem englischen Premierminister die Sache so darzustellen, datz dieser ihn ermächtigte, mit dem Baron von Burutania gemeinsame Schritte bei der Königin zu thun. Der Gesandte bemühte sich aufs Aeutzerste; allein die Königin blieb allen Vorstellungen gegenüber unerschütterlich. Rabbi Samuel tmd Menascheh kamen fast täglich zu Sir Thomas und spornten seinen Eifer stets attfs Neue an. So liefe denn der Gesandte nicht nach, bis Lord Harrington ihm im Aufträge des Königs einen Brief schrieb, den er der Königin überreichen sollte. Dieser Brief ist so merkwürdig, datz wir nicht verfehlen wollen, ihn hier mitzutheilen: *') „Wie es scheint, mein Herr," schreibt Lord Harrington an den Ritter Thomas Robinson im Aufträge des Königs, „sind die Vorstellungen, welche Sie und Herr vor: Burmania beauftragt waren, zu Gunsten der Inden von Böhmen und der anderen Erbstaaten Ihrer Majestät der Königin von Ungarn zu machen, bis jetzt ohne Erfolg gewesen. Ich schreibe diesen Brief auf Befehl des Königs, um Ihnen zu sagen, daß es die Absicht Sr. Majestät ist, datz Sic fortfahren, in Seinem Aufträge die kräftigfteit Schritte (1e8 plus fortes insfcances) zu thnn, damit Sie den Widerruf jenes schrecklichen Urtheils erlangen, welches der Wiener Hof gegen so viele unschuldige Familien erlassen hat. „Der König nimntt sich die Sache sehr zu Herzen, und Seine Majestät läßt die Königin von Ungarn in dringendster Weise bitten, Seiner Dazwischenkunst die *) Wir verdanken die Mittheilung des Wortlautes dieses interessanten Briefes unserem gelehrten Mitarbeiter Herrn vr. Carmoly in Frankfurt a. M. Gnade zu gewähren, welche er von ihr zu Gunsten der Juden verlangt. Der König schmeichelt sich, mit um so größerem Rechte annehmen zu dürfen, datz die Königin nachgebcn wird, da es nicht nöthig ist, sie erst darauf aufnterksam zu machen, wie sehr die Königin ihren eigenen Interesse schaden würde, wenn sie bei einem so grausamen Beschlüsse beharren möchte, den alle Welt als einen unauslöschlichen Flecken anschcn, der im grellsten Widerspnrche stehen würde mit der Gerechtigkeit und Milde, welche diese Fürstin seit dem Beginne ihrer gemätzigten und mit Billigkeit gefühtten Regierung stets bewiesen hat. „Ich bin rc. „H a r r i n g t o n. „Whitehall, 5. März 1745." Tnumphirend zeigte Sir Thomas diesen, in französischer Sprache abgefatzten Brief; _ er versprach sich davon sofortigen, durchgreifenden Erfolg; er verlangte eine Audienz bei der Königin und las ihr den Brief des Königs voll England vor. Aber selbst diese kräftige und eindringliche Sprache ihres hohen Verbündeten, des Königs von England erweichte den harten Sinn des Weibes nicht, in dessen Hand das Schicksal so vieler Menschen gegeben war. Muthlos kehrte Sir Thomas vom Hofe zurück und theilte Rabbi Samuel und Menascheh, die ihn in seinem Palaste erwarteten, das Erfolglose auch dieses Schrittes mit. „Gnädigster Herr," sagte Rabbi Samuel, „ich verzweifle dennoch nicht am endlichen Erfolge. Der Mensch ist nur dann verloren, wenn er sich selbst verloren gibt. Ich vertraue aus Gott, der die Herzen der Könige lenkt." „Aber," entgegnete der Gesandte, „was können wir jetzt noch thun d" „Mit Frankreich," antwortete Rabbi Samuel, „mit Preußen und Bauern ist Oesterreich im Kriege. Holland und England haben sich für uns verwandt. Vielleicht sind auch Schweden, Dänemark und Polen zu ähnlichen Schritten zu bewegen. Den vereinigten Bitten des ganzen befreundeten Europa, zu denen sich noch der Hohn und die Schadenfreude der Feinde gesellen werden, wird die Königin nicht widerstehen können." „Gut," sagte Sir Thomas, „ich werde mit den Gesandten Polens, Schwedens und Dänemarks reden. Vielleicht schließen sie sich unseren Bestrebungen an." Während nun die Gesandten, die bereitwillig auf die Vorschläge des Sir Thomas cingingen, von ihren Regierungen die Ermächtigung einholteu, zu Gunsten der bedrohten Juden interveniren zu dürfen, blieben diese nicht unthätig und versuchten es, die Königin umzustimmen. Die vertrautesten Diener und Dienerinnen der Königin wurden durch große Geldopser zu diesem Zwecke