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Der Israelit · 1871-09-20 · Heft 38 (20.9.1871) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 38 (20.9.1871)
Date
1871-09-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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715 en, bafc die israelitisch«« Bewohner von Elsaß- Mngen der neuen Ordnung der Dinge mit ganz besonderem Mißtrauen entgegentreten. Sie hegen die durch nichts begründete Besorgnis daß ihnen ungünstige consessionelle Unterscheidungen, die in Frankreich gänzlich verwischt sind, unter der deutschen Herrschaft wieder aufleben würden, und daß die Rechte, deren sie sich bisher in völliger Gleichstellung mit den übrigen Staatsbürgern erfreut haben, bedroht feien. Wir wissen nicht, aus welcher Quelle dieses Vorurtheil seine Nahrung zieht; die deutsche Regierung hat nicht das Mindeste gethan, was dasselbe rechtfertigen könnte, und auch für die Zukunft kann ihr nichts ferner liegen, als der Gedanke, einen nicht unbeträchtlichen Bruchtheil der Bevölkerung durch Zurücksetzung und Rechtsverkürzung zu verletzen und abzustoßen. Sie würde sich dadurch sowohl mit ihren Grundsätzen und Rechtsanschauungen, als auch mit der öffentlichen Meinung Deutschlands in Widerspruch setzen. Auch in Deutschland genießt das jüdische Bekenntttlß volle Gleichberechtigung mit den übrigen Confessionen, und wenn die elsaß-lothringischen Israeliten sich als gute Franzosen gezeigt haben, so haben ihre rechtsrheinischen Glaubensgenossen in dein letzten Kriege dargethan, daß sie nicht minder gute Deutsche find. Man frage nach bei den deutschen Israeliten, ob sie den politischen Wechsel als ein Unglück für die jüdische Bevölkerung dieser Provinz ansehen. Was sollten die elsässischen Juden auch fürchten? Die deutsche Reichsverfassuug, welche im Jahre 1&73 in Kraft tretemwird,'^ läßt das kirchliche Gebiet gänzlich unberührt^, und wenn bas Reichsland besondere Institutionen erhält, glaubt man, daß dieselben nicht neben der Gleichheit der Pflichten für alle Bürger ohne Unterschied der Confession auch die Gleichheit der Rechte einschließen werden? Auch in der übrigen Gesetzgebung wird das Princip der Gleichberechtigung sicherlich niemals verletzt werden. Das innere Gemeindeleben und die Berfasiung der jüdischen Religionsgenofsenschaft werden sich in Elsaß-Lothringen derselben Freiheit und Selbstständigkeit erfreuen, wie sie im übrigen Deutschland anerkanntermaßen besteht." Frankreich. Paris. Die Pariser Zeitungen bringen die Nachricht, daß man beabsichtige, dem verstorbenen Baron James v. Rothschild auf dem Boulevard Hausmann, zwischen den Straßen äu Havre und Tronchot ein Monument zu errichten. Amerika. Mrw-Nork. Bor einiger 3<*it verklagte der Geistliche Parker von der Gemeinde der Methodisten einen Israeliten. welcher in der Nähe der Kirche wohnt, well er aut Sonntag arbeite und durch das Geräusch seiner Maschinen den Gottesdienst störe. Der Richter gab das Urtheil: der Israelit ruht am Samstag und da kann ich es chm nicht zumuthen, daß er auch am Sonntag feiere, und wenn das Arbeiten den Gottesdienst stört, so mag er anderswo abgehalten werden. Ciacinnati, 13. August. Hochgeehrter Herr Redacteur k! , Sie werden gewiß schon aus den Zeitungen die,? traurige Nachricht vernommen haben, daß mein vielgeliebter Vater, Herr Rabbiner Dr. Jllowy, verschieden ist V's». Die Krone ist uns vom Haupte gefallen und in der Erde liegt unser Stolz. Es hat dem Herrn Wohlgefallen, feinen treue« Diener, meinen Vater, zu sich zu rufen, und wie mein gottseliger Vater V'st auch in der trübsten Stunde immer seiner Familie einprägte, daß man gegen Gott nicht mur-'. ren darf, so füge ich mich in den "heiligen Willen des himmlischen Vaters, beuge in Demuth das Knie vor Ihm und spreche 11120 '.1 otp vp np1? 'n fru 'n. Am zweiten Tage des Monats uve» des Morgens führ mein Vater V«? von Hause fort nach Lebanon, dem Gerichtssitze des Kreises, um seine Steuern zu bezahlen; auf dem Rückwege, als er noch ungefähr 4 Meilen vom Hause war, wurde das Pferd auf einmal scheu, fing an zu rennen und auf irgend eine Weise wurde mem gottseliger Vater y's? aus dem Wagen geschleudert und erlitt eine schwere Verletzung, 121.1 mp 'dd. Er wurde nach Hause gebracht und alles Mögliche, was nur die Heilkunft vermag, gethan, die besten Aerzte wurden, auch sogleich aus Ctncinnati geholt, aber — umsonst^ er lebte noch 24 Stunden, war bei vollem Bewußtsein« bis zur letzten Minute und ging dahin inw pnstr. Wahrlich, ich kann mit Recht aus der tiefften Seele die traurigen Worte des frommen Königs ausrufen DIN '22v O'JIOX 1DD '2 1'0N 1ÖJ '2 '.1 nymi —r der einzige orthodoxe Rabbiner in ganz Amerika, der während seines ganzen Lebens für 7w,ip.i U’mm eingestanden, ist dahin. Mein Vater V'st war der Mann, der ganz allein durch sein eigenes Thun und Wirken' das Einreißen der Reform und ihren Sieg hier zu Lande zwanzig Jahre lang zurückhiett. Wohin er kam. in welcher Gemeinde er auch war, da hielt er den Leuten ihre Vergehen und ihre Miffethaten vor, ioj/1? “Mn dondr 2pjp tv2^ oyrc — und weil er so streng war. wurde ihm auch Mancher feind, der seine Verbrechen nicht gerne hergezählt hörte. Oft sagten Mitglieder seiner verschiedenen Gemeinden zu ihm: „Lieber Herr Dr.! warum machen Sie sich gewaltsamerweise Feinde; wir wissen doch Alle, daß wir rap halten müssen; wir wissen, daß wir nicht rnsnüi essen dürfen, ohne es erst von der Kanzel zu hören, und wir thun es doch. Nehmen Sie Ihren Gehalt, leben Sie ruhig und sorglos und seien Sie mit Allen gut Freund. Aber btefe Weise der falschen Propheten war nicht die Weile meines gottseligen Vaters Und wirklich segnete Gotz -

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