Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1871)
- Date
- 1871-09-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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714 / j. f;t! i | Vom 4. Sept. habe gar drei (?) Juden — CrMienx, Picard (?) und Gambetta (?) — unter ihren Mitgliedern gezahlt. Frankfurt a. M. Die „Frankfurter Zeitung" veröffentlicht einen interessanten Artikel über „dle Statistik der Selbstmörder". Wir entnehmen demselben fotaende Stelle, die von den verschiedenen Consessionen spricht: Eine wichtige Frage ist die: ob ein Unterschied bei den verschiedenen kirchlichen Consessionen wahrnehmbar ist, wie man ja z. B. in der Criminalftatiftik meistens (doch nicht ausnahmslos) gefunden hat, daß die relative Zahl der Sträflinge unter den Katholiken größer ist als unter den Protestanten. Die Erhebungen in Preußen waren nun im fraglichen Falle unvollständig; sie fehlten aus Schleswig-Holstein, Hannover, Hessen-Nassau und den beiden Regierungsbezirken Düsseldorf und Coblenz vollständig. In den übrigen Landestheilen wurden aber constatirt: 2231 Selbstmorde von Protestanten, 930 von Katholiken, 24 von Juden. Danach kommen auf je 100,000 Protest. Einwohner über 181/2, auf ebenso viel katholische kaum 7 , und auf die jüdischen etwa 9’/2 Selbstmorde Hier muß die Bemerkung gemacht werden, daß eine blos einjährige und zudem unvollständige Erhebung zu festen Schlüssen noch nicht berechtigt. Doch stehen die in Bayern früher erfolgten Erhebungen gerade im Hauptmomente in entschiedenem Einklang mit jenen Resultaten. Die in Bayern constatirten Selbstmorde in der 4jährigen Periode 1857/61 und dann in dem Jahre 1866 vertheilten sich nämlich folgenderemßen auf die einzelnen Confessionen: 1857,61 1866 auf 100,000 Seelen 1866 Katholiken . . . 189 Protestanten . . 188 Juden .... 5 Eonfeff. unermittelt 5 195 fast 5,^ 203 über 15,27 7 über 14, 05 5 — Aus Westphalen. Das „Iserlohner Krcisfrtatt" und andere westph. Blätter meldeten kürzlich aus einer westph. Kreisstadt Folgendes als Curiosum: „Die Stellung der Israeliten im preuß. Staate ist bekanntlich noch immer eine sehr schlecht fundirte. Der Magistrat halte einen Israeliten als Lehrer an einer höheren Bürgerschule angcstellt. Die Regierung annul- Cirte aber diese Wahl, da die Schule eine christliche sei. Der Israelit hat nun an den Unterrichtsminister Recurs eingelegt, mit der Erklärung, er sei bereit, zum Chriftenthum überzutretcu (!); da ihm aber die Wahl Mischen den verschiedenen Bekenntnissen in der christl. Kirche schwer falle, so bitte er Herrn v. Mühler, ihm das w a hre Christenchum näher bezeichnen. Bis jetzt ist der wissensdurstige Lehrer noch ohne Antwort gebliebene — An der.netten Synagoge in Hattingen, a. d.Ruhr wird -rüstig gearbeitet, so daß dieselbe in einigen Wochen fertig oastchen, eingeweihet und vielleicht noch vor den hohen Feiertagen dem Gebrauche übergeben werden wird. Ebenso schreitet auch der Synagogenbau in Witten a. d. Ruhr seiner baldigen Vollendung immer mehr entgegen. — Im verflossenen Frühjahre fand zu Oyenhausen eine Versammlung des jüd. Lehrervereins der benachbarten Kreise Lübbecke, Herfords Minden und Umgegend statt, welche wiederum einen sprechenden Beweisdafür lieferte, von welchem Geiste derartige Lchrerconferenzen — ohjo ns'D« möchten wir sie am passendsten nennen — heutigen Tages, leider! getragen werden. Man hatte nämlich, nachdem der Präses der Conferenz, Herr Lehrer. Leser aus Lübbecke, diese durch Gebet und Ansprache eröffnet hatte, nichts Eiligeres zu thun, als die auf der Tagesordnung stehende Frage: „Ob der Ertheilung, resp. Entgegennahme des hebr. Unterrichts mit entblößtem Raupte religiöse Bedenken entgegenständen," zur Besprechung zu bringen. Da von einigen Mitgliedern bemerklich gemacht wurde, daß allerdings vom streng orthodoxen (sie!) Standpunkte aus religiöse Bedenken dagegen erhoben werden könnten, wurde nach ziemlich lebhafter Debatte die Frage modificirt und derselben folgende Fassung gegeben: „Ist es zu empfehlen, den Unterricht mit entblößtem Haupte zu ertheilen?" die denn auch von allen gegen eine Stimme mit „Ja" beantwortet wurde. Auffallend ist es uns, daß man bei der Debatte den zweiten Theil der ursprünglichen Fassung der Frage: „Ob auch der Entgegennahme,d.es hebr.. - Unterrichts mit entblößtem Haupte religiöse Bedenken entgegenständen," später ganz hatte fallen lasten. Doch, ° wozu hierüber noch lange debattiren? Wozu überhaupt der erwähnte Beschluß? Hat ja die Mehrzahl der in genannten Kreisen uns bekannten Lehrer schon ttrson unterrichtet und auch ihre Schüler nb'vTv 2» unbedeckten Hauptes lernen lasten, bevor noch an eine jüdische Lehrcrconferenz für die in Rede stehenden Kreise gedacht wurde. Doch aus Dankbarkeit dafür, daß die Herren Synodler den Muth gehabt, erwähnten Beschluß zu fasten, wollen wir das, was wir ihnen vor einigen Jahren zugerufen, als sie den Muth hatten, zu beschließen: „Die Lehrer sMen darauf hinwirken, daß der Gottesdienst reformirt würde," auch jetzt wieder Zurufen, nämlich: „Sie thun, meine Herren Lehrer und Lehrerchen, falls keine nothwendigere und dringendere Vorlagen zu erledigen sind, viel bester, wenn Sie ruhig zu Hause bleiben." Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer. StraHburg, 12. Sept. Die amtliche „Straßburger Zeitung" enthält den nachstehenden beachtenswerthen Artikel: „Es kann dem aufmerksamen Beobachter nicht ent-