Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1871)
- Date
- 1871-09-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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712 / <«onn nany: rnryon pp'n) nrwy1? (na->n) -pa^a: „Denn nahe ist Dir die Sache gar sehr, in Deinem Munde (das Bekenntnis der Sünde), in Deinem Herzen (die Reue), sie zu vollbringen (Besserung der Thaten und Verlassen der Sünde). Nur des Entschlusses bedarf es: Schliche Dein Geschäft am Tage des Herrn, und Gott wird Dir mehr Heben als Du durch rastloses Mühen erringen kannst; regle Dein eheliches Leben nach den Gesetzen der Gotteslehre , und Dir wird Freude und Segen erblühen; laß ab von Liige, Diebstahl, Betrug, und der Lohn wird ein unendlicher sein. Sprich es aus mit Deinem Munde, daß Du die Dir zur Gewohnheit gewordener: Laster als solche erkennst, bereue sie in Deinem Herzen und gehe eifrig daran, Deine Thaten mit Deiner bessern Erkenntnis in Einklang zu bringen. Hierbei gilt es aber vor Allem, der bösen Gewohnheiten Herr 51t werden und sie abzulegen, was allerdings seine bedeutenden Schwierigkeiten hat; denn die Gewohnheit wird, wie schon das Sprichwort lagt, zur zweiten Natur. Wenn das schon bei gleichgiltigen Dingen der Fall ist, um wie viel mehr bei solchen, denen der Mensch und für sich zugeneigt ist. Da kostet es einen harten Kampf, die Leidenschaft, die Neigung zu überwinden, die schon von Jugend auf mehr von dein Bösen als von dem Guten sich angezogen fühlt, d-inh 31? '2 tmyjD jn. Aber gerade deshalb stellt die Gotteslehre den reuig znrückkehrenden Sünder so hoch, weit der Kampf ein harter und die Ucberwindung eine äußerst schwierige ist. Daher hilft auch oft der bloße Entschluß nicht, und der Rückfall wird schlimmer als der vorher- Hegangene Zustand gewesen. Allein Gott in Seiner Gnade hat uns für den Weg der Besserung eine große Stütze in dem Studium Seiner heiligen Lehre verliehen; das rst das wirksamste aller Heilmittel und die Beschäftigung damit wirkt ganz wunderbar auf die Veredlung des Gemüths, auf die Sorgfalt in der Ausübung des Guten, auf die Kräftigung des Willens. Ja, die Kräftigung des Willens ist es, die vorzüglich nothwendig ist; dieser aber steht die natürliche Trägheit entgegen, die überwunden werden muh. Wie Mancher hat eine üble Gewohnheit als unrecht, als schädlich eckannt, und verharrt in ihr aus Mangel an Thatkraft, m Regsamkeit, sich herauszureißen aus Dem, was ihn: «inmal zur „süßen" Gewohnheit geworden! Aber auch zur größeren Rührigkeit und Thätigkcit spornt die Beschäftigung mit der göttlicher: Lehre. Und wie die Trägheit den Menschen verhindert, von seinem bösen Lebenswandel zu lassen, so ist es gar Läufig auch die falsche Scham vor seinen bisherigen Bekannten, Freunden, Genossen und Theilnchmern an so manchem Schlimmer«. Da gibt es so viele Redensarten, die der schwache Mensch aus dem Munde seiner Mitmenschen zu hören fürchtet. „Seit wann bist Du ein Heiliger geworden?" — „Ha, bist auch Du unter die Frommen gegangen?" — ..Ist auch Saul unter den Propheten?" — Und namentlich in unfern Tagen, in welchen ein gottgefälliges Leben und Stteben so vielfach verhöhnt wird, als ein Zeichen der Unwissenschaftlichkeit, als ein Zurückgebliebensein, als ein Rückwärtsschreiten verschrieen wird, wird es denr imVorurtheitKefangenen schwer, die höhnenden Zurufe der bisherigen Genossen zu ertragen. Aber das ist nicht blos ein Charakteristicon unserer Zeit, schon vor Jahrtausenden klagt der Prophet -oi mn '■d 1L2N' «O nennb O.-.h 'wi. „Siehe, das Wort des Ewigen ist ihnen geworden zur Schmach, sie finden kein Wohlgefallen daran (Jerem. C. 6, V. 11). Ihr aber, die Ihr Euch also fürchtet vor Euren Nebenmcnschcn, vergegenwärtigt Euch die Furcht des Herrn, so Ihr am kommenden Versöhnungstage vor Gottes Antlitz steht. Ihn fürchtet, vor Ihm schämet Euch Eurer Sünde, aber nicht vor schwachen, sündigen, hinfälligen Menschen nach dem Allsspruche des königlichen Sängers, mix xbi Tnnjn rpaiw, „ich werde" reden von Deinen Zeugnissen und mich nicht schämen" oder nach den Worten des Propheten Jesaias, \32 v>or »DK «b '2 yiMJ m&ro, „ich werde machen mein Antlitz dem Kiesel gleich und werde wissen, daß ich nicht mich schäme," und Gott, der Herr, wird Euch helfen und stützen st1? p 2y 'v -ay amfw 't, die aber, so Euch beschämen, da Ihr in Gottes Wegen zu wandeln strebt, sie werden selbst beschämt werden. Es ist der Neid, der sie veranlaßt, Euch zu verhöhnen; sie wollen nicht, daß Ihr besser seid als sie; 10 durchschauet denn ihre unedlen Beweggründe und lasset Euch nicht durch sie beirren. Wir haben tit den vorstehenden sechs Capiteln (von Nr. 33 an) uns bemüht, die Schwächen, an denen unsere Seele leidet, dem Leser vorzuführen und die Art und Weise der Heilung darzulegen. Wir haben zuerst nachgewiesen, daß derartige Krankheiten vorhanden und daß sie geheilt werden müssen; wir haben ferner gesunden, daß die ersten Erfordernisse zur Heilung der Seele sind: die Klärung und Vervollkommnung der Vernunft, sowie die Fürsorge, daß das als wahr und gut Erkannte belebend und kräftigend aus den Willen einwirke und daß zur Ausführung solch edlen Vorhabens gerade die gegenwärtigen Tage der Einkehr bei uns selbst besonders geeignet seien. Wir haben dann gesehen, daß wir auf die Vergangenheit und Zukunft unser Auge richten müssen, um zu entfernen, was die Vergangenheit schon in uns verdorben, und zu. erwirken, daß wir allen etwa kommenden Gefahren gerüstet entgegentreten; wir haben dann dasjenige betrachtet, was der Heilung der Seele hindernd entgegentritt: den Unglauben, das Aufgeben seiner selbst, die Gewöhnung an das Schlechte, die Trägheit und die falsche Schau:, und haben gelernt, dem Allem erfolgreich entgegenzutreten. Schon sind, wenn diese Blätter vor die Augen der