Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1871)
- Date
- 1871-09-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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„ „Das ist mein Kutscher," " entgegnete der Rabbiner lächelnd. „Ach, ich verstehe," antwortete Rabbi Samuel, „der Mann ist beim Rabbi als Kutscher eingeschrieben." „ „Ja," " sagte der Rabbiner, „ „aber es wird nicht lange währen, so wird er selbst eine „Toleranz" erlangen; er ist ein großer Takif 4) bei den hiesigen Seroreß. ^)" " Als die beiden Männer herbeigekommen waren, nahm die Berathung ihren Anfang. Rabbi Samuel wollte die schreckliche Lage der Israeliten von Böhmen und Mähren schildern; Aguilar unterbrach ihn. „Ihr braucht uns keine Beschreibung zu machen," sagte er, „wir wissen das Alles; könnten wir unsern Brüdern mit unserm Herzblute Helsen — wir würden keinen Augenblick zögern, es zu thun." „Auf unsere Verwendung hin," nahm Rabbi Berusch das Wort, „haben bereits die holländischen Glaubensgenoffen ihre Regierung veranlaßt, sich am hiesigen Hofe für die Böhmischen und Mährischen Juden zu verwenden. Der holländische Gesandte, der Baron von Burmania, hat Alles aufgeboten, um die Zurücknahme des Verbannungsdecrets zu erwirken; die Königin ist unerbittlich." „Was mag," fragte Rabbi Samuel, „die Königin zu diesem grausamen Befehl veranlaßt haben und was mag es sein, das sie so hartnäckig macht d" „„Die eigentliche Veranlassung,"" entgegneteJsak Wesnitz, „ „ ist wohl in Prag zu suchen. Die Prager haben sich, um mit Kriegscontnbutionen verschont zu bleiben, gegen die Preußen äußerst zuvorkommend benommen. Um für den Zorn der Königin nunmehr, nachdem die Oesterreicher wieder eingezogen sind, einen Ablenker zu haben, hat man die Juden bei der Königin angeschwärzt und sie des Einverftändniffes mit den Preußen beschuldigt. Ja, man hat der Königin ein abgeschmacktes Mährchen aufgebunden. Man hat ihr erzählt, der Preußenkönig habe sich in Person zu weit vorgewagt und wäre von unfern Vorposten gefangen worden, wenn er nicht in das Haus eines Juden geflüchtet wäre. Während ihn unsere Vorposten suchten, habe der Jude dem Könige von seinen Kleidern gegeben, habe ihm einen langen Bart angeheftet und ein Käppchen aufgesetzt. Dann habe er eine Gemara auf den Tisch gelegt, den König davorgesetzt und ihm angelernt, daß er summen und sich schaukeln solle. Als nun die Esterhazy-Jäger in das Haus kamen und den König suchten, da ist ihnen nicht in den Sinn gekommen, daß der lernende Bochur der Preußenkönig sei; sie haben dann das ganze Haus durchsucht, aber den König natürlich nicht gefunden. Solche Dinge, die sich Irgendeiner ausgedacht hat, sind der Königin erzählt 1) Angesehen und vielvermögend. 2) Vornehme Beamte. worden. Daher ihr Haß gegen die Juden von Böhme« und Mahren. — Daß sie aber so hartnäckig darauf besteht, soll darin seinen Grund haben: König Friedrich soll ihr einen Brief geschrieben haben, in welchem er droht, alle verbannte Juden in seine Staaten aufzünehmen und aus den kräftigen Männern unter ihnen Regimenter zur Bekämpfung der Oesterreicher zu formtreu. Natürlicherweise machte die Drohung des Feindes die Königin nur noch hartnäckiger."" „Dem sei wie ihm wolle," sagte Baron Aguilar, „Eines steht fest, daß es schr schwer halten wird, auf die Königin einzuwirken. Wenn wir es nur dahin bringen könnten, daß sich die englische Regierung der Sache annehmen wollte. Ich habe einen expreffen Boten nach London geschickt und meine dottigen Freunde hatten bereits dieserhalb Audienz beim englischen Premierminister, Lord Harrington. Aber die englische Regierung weigert sich, dareinzusprechen. „Es sei das." sagte Lord Harrington, „eine innere Angelegenheit, iu der auswärtige Mächte nicht interveniren dürften." Diese Ansicht Lord Harmgton's ist vom großen Nachtheil; denn ich bin fest überzeugt, wenn England, der tteuste Buudesgenoffe Oesterreichs, ein Wott darein reden wollte, der Widerstand der Königin würde gebrochen werden." „„Kanu man nicht hier,"" ftagte Rabbi Samuel, „„den englischen Gesandten beeinflussend"" „Ach," entgegnete der Rabbiner, „der hiesige Gesandte, Sir Thomas Robinson, ist ganz unzugänglich. Wir haben schon Alles versucht." Bis jetzt hatte Menascheh kein Wort gesprochen; als er aber den Namen des Ritters Robinson hörte, ftagte er lebhaft: „Ist das vielleicht derselbe, der ftüher Ministerresident in Frankfurt am Main ward" „„Ja, mein Kind,"" antwottete der Rabbiner, „„es ist derselbe, er ist von Frankfurt hierher versetzt worden." " „O, das ist gut," rief Menascheh freudig, „von. dem hoffe ich unter Gottes Beistand Alles zu erlangen, was wir wünschen." „„Du?" " ftagte Rabbi Samuel erstaunt, „„kennst Du ihnd"" „Ja," entgegnete Menascheh, „ich habe einst seinem einzigen Kinde das Leben gerettet." Welche freudige Auftegnng sich der Männer bei diesen Worten bemächtigte, kann man sich leicht vorstellen. Zog doch ein neuer Hoffuungsfttahl in die schon an einem günstigen Erfolge verzweifelnden Herzen l Man beschloß, daß vor allen Dingen Rabbi Samuel und Menascheh sich zu dem Gesandten begeben sollten. Als die Beiden im Gesandtschaftshotel erschienen, und den Gesandten zu sprechen verlangten, wurden sie vom Portter barsch abgewiesen; der Gesandte sei nur da. um die Interessen der englischen Unterthanen zw