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Der Israelit · 1871-09-13 · Heft 37 (13.9.1871) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 37 (13.9.1871)
Date
1871-09-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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€98 wahren, nicht aber, um sich von aller Welt überlaufen zu kaffen. r- Rabbi Samuel nahm einen doppelten Dukaten und -rückte ihn dem Portier in die Hand; dieser wurde auf einmal ausnehmend höflich. „Es thut mir heimlich leid," sagte er, „daß ich die Serren nicht einlassen darf; aber ich habe strenge Ordre. eine Excellenz, der Gesandte, find leidend und wollen Ruhe haben." „Ist die Familie Sr. Excellenz in Wien anwesend'?" fragte Menaschch. „„Jawohl,"" antwortete der Portier, „„seine Schwester und das gnädige Fräulein, sein einziges Sind."" „Fuhren Sie uns zu den Damen!" Der Portier zog die Klinget und ersuchte den herbeieilenden Diener, die Fremden bei den Damen des Hauses zu melden. Fraulein Robinson und deren Nichte waren nicht wenig erstaunt über den angemeldeten Besuch; nichtsdestoweniger gestatteten sie, daß die Fremden eintteten möchten. Menaschch erkannte die ältere Dame sofort wieder; es war dieselbe, durch deren Unachtsamkeit einst das Kind in den Main gefallen war; das Kind, nunmchr ein halberwachsenes Mädchen, hätte er nicht wieder erkannt. „Meine Damen," sagte Menaschch, „Sie erinnern sich wohl kaum ,-„Jk nix du önderstchen teitsch,"" unterbrach ihn die ältere Miß Robinson, »»sxovL english, if jou please!““3) Weder Rabbi Samuel noch Menaschch sprachen englisch. „Permettez vous,“ fragte Rabbi Samuel, „que je von» parle fran^ais, mademoiselle?“ 4) „„Nrx Frentsch, English!"" rief die Dame barsch. „Aber ich bitte Dich, liebe Tante," sagte die jüngere Miß Robinson in englischer Sprache, „erlaube mir, daß ich den Dolmetscher mache; ich will Dir wortgetreu übersetzen, was die Fremden sagen." „ „Wirst Du denn niemals lernen," " entgegnete die Tante in der einzigen Sprache, deren sie mächtig war, „„was fich schickt? Ziemt es fich, daß Du mit fremden Leuten Dich unterhältst, während ich nicht verstehe, was sie sprechen? Nein, ich werde Sir Thomas bitten lassen, hierherzukommen."" Sie that also, und bald daraus erschien der Gesandte, die Fremden mit fragenden Blicken vornehm schauend. „Gnädiger Herr," sagte Menaschch, „Sie erinnern sich vielleicht, daß, als Sie in Frankfurt wohnten, Ihr Fräulein Tochter eines Tages in den Main fiel." „„Gewiß erinnere ich mich,"" entgegnete der Gesandte, „„ein junger Mensch rettete sie mit Lebensgefahr und verschmähte jede Belohnung."" „Es thut mir leid," sagte Menaschch, „daß ich Eurer Excellenz den Ring nicht mehr zeigen kann, den Sie mir damals verehrten; allein die Panduren haben mich ausgeplündert und haben auch den Ring genommen." ,,„O,"" ries der Gesandte erfreut, „„Sie sind jener edle junge Mann! Lasten Sie mich Ihnen nochmals danken, und Alles, was ich besitze oder was ich vermag, steht zu Ihren Diensten."" , Trotzdem die Tante sie zurückzuhalten versuchte, sprang Miß Alice herbei, uno reichte Menaschch die Hand. „Mein Lebensretter!" rief sie, „wie glücklich schätze ich mich, Ihnen jetzt danken zu können! Wie oft habe ich diese Stunde herbeigesehnt." Die Tante wollte schon wieder eine Rede über das unschickliche Benehmen ihrer Pflegbefohlenen halten, als einige englische Worte ihres Bruders sie daran erinnerten, was Menaschch einst für seine Tochter gethan. Jetzt lies auch sie hin und ergriff die beiden Hände des jungen Mannes, in einen Redestrom ausbrechend, von dem leider Menaschch nicht ei« einziges Wort verstand. Der Gesandte übersetzte nur so viel davon, daß die Dame die beiden Herren inständigst bitte, zum dinner5) dazubleiben. „Wir müssen ergebenst danken," sagte Rabbi Samuel , „wir sind Juden und können daher der gütigen Einladung nicht Folge leisten." „„Und .darf ich ftagen,"" fragte der Gesandte, „„womit ich den Herren sonsten dienen kann?"" „Wir gehören," entgegnete Rabbi Samuel, „zu den aus Prag vertriebenen Juden und wollten Eure Excellenz inständigst bitten, Sich gnädiglich für uns am hiesigen Hose verwenden zu wollen." Die Züge des Gesandten verfinsterten sich. „Kommen Sie mit mir," sagteer, „wir wollen in meinem Cabinette diese Angelegenheit ausführlich besprechen. (Fortsetzung folgt.) 5) Mittagessen. Hierzu zwei Beilagen. 3) Sprechen Sie Englisch, wenn's Ihnen gefällig ist. 4) Erlauben Sie. daß ich zu Ihnen Französisch spreche, gnädiges Fräulein.__ ___ Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerci in Mainz.

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