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Der Israelit · 1871-09-13 · Heft 37 (13.9.1871) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 37 (13.9.1871)
Date
1871-09-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Gut in Jablonitz gekauft, was auch in das dortige Grundbuch eingetragen wurde. Nun ist ein Abkömmling jener Familie, nämlich der Nadoscher Baron, gegen diesen Kauf aufgetreten, und wollte ihn den Israeliten streitig machen. Es kam zum Prozesse, in welchem die Juden den berühmten Advocaten aus Neutra, Herrn von Nire, ausgenommen haben. Die ganze Neutraer Behörde war auf Seiten des Barons; der Baron wäre schon der Gewinnung seines Prozesses sicher gewesen, wenner nur noch den Advocaten Nire bestechen und für sich kaufen könnte. Der Baron begab sich zu Herm von Nire und legte ihm 200 fl. auf den Tisch, welche aber Herr von Nire durchaus nicht nehmen wollte. Der Baron betheuerte und schwur, das Geld nicht zurücknehmen zu wollen, worauf Nire sagte: Also gut! Wenn Sie das Geld nicht zurücknchmen wollen, so behalte ich es, aber ich werde darüber nach meinem Wunsche verfügen können und die Juden werden es tüchtig bekommen. Der Baron meinte nun, daß die Senitzer Juden eine tüchtige Strafe bekommen würden und verließ frohen Muches den Advocaten. Herr von Nire begab sich sodann nach Senitz und gab dem dortigen israel. Vorsteher, Herm Popper, die 200 fl., damit sie die armen Senitzer Juden „tüchtig bekommen" sollen. Der Vorstcher ließ sogleich zu nruo alle Arme zusammenrufen und die 200 fl. wurden unter ihnen nach Verhältnis vertheilt. Anfangs wußte wohl Niemand, woher das Geld komme, und erst bei Nacht im Cafino entdeckte Herr von Nire die Geschichte und schloß mit den Worten: Ich lasse mich nicht bestechen! PreHburg. Die hiesige Zeitung schreibt: Wir haben neulich einer Richter-Ernennung voll Anerkennung Erwähnung gethan, weil dieselbe einen unserer bisherigen Mitbürger betraf und als eine glückliche Wahl von Seiten des Justizministeriums zu regiftriren war. Inder Samftagsnummer des „Buda-Pefti-Közlöny" begegnen wir abermals einer Richter-Ernennung, die wir wenfalls mit einigen Worten glossiren wollen. Das Amtsblatt bringt uns nämlich Kunde, -daß der König auf Vorschlag des Justizministers Bittä den bisherigen Rathsecretär beim Cassationshofe in Pesth, den Herrn vr. Sigmund Decsey zum Ersatzrichter 1. Classe bei der k. Tafel in Pesth ernannt habe. Nun sind wir unbedingteAnhänger der absoluten Gleichheit der Bürger im Staate, Anhänger jener, Gott sei Dank! nicht mehr traumhaften Theorie, wonach ohne Unterschied der Confession und des Standes, mit lediglicher Berücksichtigung der Qualiftcation und des Charakters der Candidaten die Aemter im Staate zu besetzen seien. Wir sollten daher, um consequent zu scheinen, es gar nicht hervorheben und vollkommen unberücksichtigt lassen, daß der neuernannte Oberappellationsgerichtsrah der Confession nach Jude ist: ist es doch selbstverständlich und nicht weiter rühmenswerth, daß Justizminifter Bittö als Mann von modern-europäischer Anschauung im Allgemeinen und kmit besonderer Berücksichtigung des 17. Ges.-Art. vom Jahre 1867 ohne Rücksicht auf die Confession der Aspiranten Sr. Majestät die Vorschläge zur Besetzung der Richterstellen unterbreitet. Mein wir können es uns trotz alledem nicht versagen, diese Ernennung besonders hervorzuhcken, weil wir nach einer kurzen, wohlthuenden Unterbrechung in jüngster Zeit in großen und einflußreichen Wiener Journalen wieder einmal mit erneuertem Eifer die These in allen Variationen haben ventiliren gesehen, daß Ungarn ein Land voll asiatischer Barbarei und mittelalterlicher Vorurtheile geblieben; Regierung und Volk in ihren Anschauungen total zurückgeblieben, illiberal, ohne Cultur, ohne Bildung, ohne Civilisation. Da thut es denn förmlich wohl, Thatfachen registnren zu können, die ein unleugbares Zeugniß geben von dem civilisatorischen Fortschritte im heimischen Staatsleben. Im Vorjahre ernannte der damalige Justizminister den Debreziner Advocaten vr. Philipp Weinmann zum Richter bei der Pefther königl. Tafel; nun hat Mmister Bittü den gewesenen Pefther Advocaten und von HorvLth zum Rathssecretär ernannten vr. Decsey ebenfalls zum Richter bei dem für ganz Ungarn amtirenden Appellationsgerichte in Pesth ernannt, und wir haben demnach zwer ungarische Oberappellationsgerichtsräthe jüdischer Confession. Nun ftagen wir mit aller einem Provinzjournale Weltblättern gegenüber schuldigen Ehrfurcht, ob unsere, cisletthanischen Collegen im Stande sind, uns, nicht <et«a einen Oberlandesgerichtsrath oder einen Rathssecretär beim obersten Gerichtshöfe, — nein, nur einen Landesgerichtsrach oder auch nur eiuen Bezirksrichter in der ganzen westlichen Reichshälfte zu nennen, der Jude wäre. Wir fragen ferner, wo denn der gepriesene Liberalismus der West- Hälfte des Reiches bleibt Angesichts des früheren Vorgehens des Wiener Oberlandesgerichtspräsidenten Ritter v. Hein gegenüber jüdischen Advocaturscandidaten oder Angesichts der Begründung eines Urtheils des k. k. Bezirksgerichtes Wieoen, welches das „Wiener Tagblatt" letzthin veröffentlichtes Darum, meine hochgeehtten Herren, kämpfen wir Me, Mann an Manu, Schulter an Schulter, gemeinsam und mit vereinten Kräften gegen Reaction und Finsterniß und für Licht, Aufklärung und Gleichheit, — aber mit ehrlichen Waffen. Frankreich. Paris. Die Gerichtsverhandlungen in Versailles über die Communisten sind diese Woche beendet worden. Wir wollen von diesen vielen Verhören, denen die Hauvtauftviegler unterworfen waren, bloß dasjenige hervoryeben, was sich auf den einzigen jüdischen Communisten Gaston Cremieux bezieht. Gaston Cremieux war der

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