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Der Israelit · 1871-09-13 · Heft 37 (13.9.1871) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 37 (13.9.1871)
Date
1871-09-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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692 großer Lehrer, einst geweidet, sind wir doch die Söhne und Töchter der Männer und Frauen, die am Berge Sinai einst gesprochen ymi) rwyi, „wir wollen thun und gehorchen"! und deßhalb hat die Emunah tief Wurzel geschlagen in unsern Herzen und ist selbst bei den oem Judenthume Entfremdeten nicht erstorben. Aber vTi'sv nrroji, aus ihrem Munde ist sie abgeschnitten; mit stolzen, übermüthigen Worten verhöhnen sie Gottes Gebot und Gottes Lehre, haben angcfüllt den Mund mit Redensarten aus Büchner und Moleschotts Schriften, die sie aber nicht einmal selbst gelesen, sondern die ihnen in populären Zeitschriften sind mundgerecht gemacht worden oder die sie von den Wanderaposteln der Affenabstammungstheorie gehört haben. O, seht sie Euch doch an, diese Menschen, diese Carricaturen von Philosophen! Vom Judenthum, von der heiligen gottgeoffenbarten Religion, die seit Jahrtausenden unser kostbarstes Besitzthum, wissen sie nichts, und dennoch verwerfen sie höhnend und spottend, was sie nicht kennen. Nicht gleich jenen Zweiflern und Leugnern vergangener Zeiten, die trotz ernstlichen, angestrengten Nachdenkens, trotz mühevoller Studien sich nicht vor Abwegen schützen konnteu und dadurch die Emunah verloren haben — nein, nicht jenen in ihrer Verirrung noch immer achtbaren Denkern gleichen die Commis und Lehrlinge, die Comptoiristen und Börsenmänner von heute, die sich in den Strudel des Lebens stürzen und hinterher gleich Ertrinkenden den Strohhalm falschen Raisonnements ergreifen, um den Abfall vom Gottesgesetze zu beschönigen. Diese gleichen vielmehr den alten Heiden und Götzendienern. — Wir hören die heilige Schrift stets und immer vor dem Götzendienste warnen, wir sehen Israel von Zeit zu Zeit bald in den Netzen des Baal, bald in denen des Kemosch, bald in andern thörichten Götzenanbetungen Verstrickt. Welch ein Reiz lag wohl darin, einen Stein dem Merkur zuzuwerfen oder dem Baal Peor zu opfernd Diese Frage muß jedem Denkenden sich aufwerfen, und in der That haben die großen Männer unseres Volkes, namentlich Maimonides, sie bereits erörtert. Der Reiz lag nicht im Götzendienste selbst, sondern in dem ihm zu Grunde liegenden Principe. Schwer ist das cot? wvbo b'p, das Joch der himmlischen Regierung zu tragen. Streng und hart sind die Gesetze und Pflichten, welche das Judenthum seinen Bekennern auflegt. Es fordert die strengste Reinheit in Gedanke, Rede und That; es gebietet die strengste Sittlichkeit und verbietet, den Leidenschaften die Zügel schießen zu lassen; es erheischt die sorgfältigste und gewiffenhaftefte Redlichkeit im Verkehre mit den Nebenmenschen; es legt uns Pflichten auf vom Morgen bis zum Abend, von der Geburt bis zum Tode; es stellt seine Anforderungen an unsere Speisen und Gettänke, an unsere Arbeit und Ruhe, an unser eheliches Leben, an die Erziehung unserer Kinder, an unsern Verkehr mit Eltern und Geschwistern; unsere Kleidung und Wohnung, unser Säen und Pflügen und Ernten, unser Dreschen und Brodbacken und unsere Mahlzeiten umaibt es mit Gottesgeboten und gestattet uns zu keiner Zeit und an keinem Orte irgendwelche Ungebundenheit. Wie anders im Heidenthume, tut Götzendienste! Da sind alle Laster erlaubt, da ist es gestattet, allen Leidenschaften zu fröhnen, da gibt es gar keine Sünde und kein Verbrechen außer dem Morde, und im schlimmsten Falle versöhnt eine leichte Ceremonic die zürnende Gottheit. — Darin bestand der Reiz des Götzendienstes im Alterchume, darin besteht der Reiz des Unglaubens in der Gegenwart. All die zahllosen Götter des Alterthums, man nennt sie heute „Kräfte" — und so wenig wie die Götter der Sonne, des Mondes, des Meeres, dte Baum¬ und Flußgötter im Altetthume irgendwelche Pflichten auflegten, ebensowenig fühlt sich der Mensch heutzutage gebunden durch die Annahme von „Kraft und Stoff!" Deßhalb verschließet er sein Auge vor der Wahrheit, deßhalb leugnet er den allmächtigen Gott, den Welteuschövfer, um den größten Thorheiten, die je der Menschengeist ausgeheckt, den Phatastereien eines Darwin und seiner Apostel gläubig zu lauschen, m» nrpDD nmDj\ „verloren ist der Glaube und abgeschuitten aus ihrem Munde". Aber nur d,tsö, aus ihrem Munde und nicht aus ihren Herzen! Und deßhalb ward Gott nicht müde, trotz der ersichtlichen Erfolglosigkeit, Seine Propheten zu senden an jedem Tage, früh und spät, und deßhalb wollen auch wir nicht verzweifeln an den abtrünnigen Söhnen und Töchtern unseres Volkes. ynanx) nwta, „Du bist mir ehelich verbunden." spricht Gott zu Seineni Volke, „durch die Emunah". Die Emunah, der treue, überzeugungsvolle Glaube, ist gleichsam der Trauring, durch den wir unauflöslich an Gott gebunden sind, denn Gott will uns keinen Scherdebrief geben, 03dn rorv-o nso n»n. Und wenn auch die Asche der modernen Lebensanschauungen die Herzen überschüttet, tief innen glüht der heilige Gottesfunke, der nur angefacht zu werden braucht, um zur wohlthätigen, erwärmenden, beglückenden Flamme emporzulodern und die mit Schlacken behaftete Seele zu läutern. Aber wie ihn anfachen, diesen göttlichen Funkens Ja, das ist schwer, sehr schwer; das ist ja so oft den Gottgesandten Propheten mißlungen! Schwer ist es,, aber nicht unmöglich. In Seiner Gnade hat uns der allgütige Gott die herannahenden, großen, furchtbaren Tage gegeben, die auch unsern modernen Brüdern und Schwestern noch nicht verloren sind. So möge denn Jeder, dem das große Glück beschieden, nach dieser Seite hin thätig sein zu können, die Gelegenheit ergreifen und dem Unglauben entgegentreten mit liebevollen, sanften, aber doch kräftig mahnenden, gottbegeistetten Worten, damit der Frevel wie Rauch von der Erde verschwinde und die Furcht vor Gott und die Liebe zu Gott die ganze Menschheit durchdringe, damit alle Welt sich ein-

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