Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1871)
- Date
- 1871-09-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XTL Aahraana. Beilage zu Rr. 36 des Zsraelit. Kettender Artikel. Der Eintritt in dm KemeindeSnnd. Der ganze Jammer unserer Zeit, das tief erschütternde Weh unserer Zustände offenbaren sich in unsäglicher, schmerzensreicher Fülle in der Erwägung, daß es eine Frage sein kann, eine Frage, welche von jedem Standpunkte aus mindestens eben so viel Anlaß zu einer verneinenden, wie zu einer bejahenden Antwort gewährt: ob die gesetzestreuen jüdischen Gemeinden Deutschlands sich dem projectirten israelitischen Gemeindebund anschließen sollen oder nichts Wie hätten unsere Urgroßväter gejubelt, wenn es ihnen vergönnt gewesen, in einer Zeit wie die unsrige zu leben, wo durch des allgütigen Weltenlenkers Gnade die erhabene Mission Seines Volkes auch für der Sterblichen blöde Augen sichtbare Erfolge zu erringen beginnt, wo von dem herrlichen Gottesschatze, den Israel treu unter den beispiellosesten Widerwärtigkeiten des äußeren Geschicks bewahrt, einige Perlen Eigenthum der Gesammtmenschheit geworden, und Menschenliebe und Menschenrecht und Menschengleichheit von den Culturvölkern anerkannt und mehr oder minder die Grundlage ihres inneren Staatenbaues werden! Wie hätten sie gejubelt, wenn von ihrem Nacken der feindliche Bruder die Centnerlast Jahrtausend alter Schmach und Bedrückung freundlich gelöst, wenn ihnen die bisher nur zur Faust sich ballende Bruderhand zum herzlichen brüderlichen Händedrucke sich dargeboten hätte, wenn die Pforten der GheM niedergestürzt und sie als gleichberechtigte Brüder eingetteten wären in den Kreis ihrer Mitbürger! Wie hätten sie gejubelt — nicht sowohl ob der Freiheit, die ihnen gewährt, ob des Hochgefühls, der Schmach enthoben zu sein — ob des o^n »np, den zu leisten sie sich berufen gefühlt: Angesichts der anerkennenden wohlwollenden Umgebung laut und offen den Namen Gottes zu heiligen durch eine um so tteuere Pflichterfüllung, durch eine um so freudigere Hingebung an das Heiligthum Gottes, durch eine um so glorreichere Entfaltung des Gottesbanners über den Häuptern des einigen, freien, gleichberechtigten Israels in Mitten aller Völker! Und wir, die Urenkel, denen Gott diese Zeit beschieden hat, — wir!? — Das Herz bricht im Gefühle dessen, was wir hätten sein, was wir hätten leisten sollen und im Bewußtsein deffen, was wir find und leisten.' Die „einheitliche Heerde Gottes", wie ist sie zerstreut, durch Abhänge und Schluchten von einander geschieden und nicht vernehmen die Zersprengten den Ruf ihres „Hirten", der durch der Ereignisse herzerhebende, herzerschütternde Gewalt sie ruft, sich um Ihn zu sammeln und Ihm zu folgen auf den Pfad durch grünende Fluren, durch lachende Triften dorthin, wo im langvermißten Heimathland ewige Lust und Wonne harren. Nur eine kleine Schaar vernimmt diesen Ruf, nur ein kleines Häufiein folgt ihm — die Andern haben kein Ohr und kein Herz für die Stimme ihres Vaters, der sie in den nächtlichsten Stunden ihres Volksdaseins beschirmt, für den Ruf ihres Hirten, der sie „durch der Völker Wüste" geleitet und wunderbar geführt bis auf diesen Tag. Wer kann leugnen, daß dem also ist? Und wer erkennt, daß dem also ist, wahrlich, der darf sich der traurige» Konsequenzen dieser beklagenswerthen Thatsache nicht entziehen, nbpr »oy ra 'mv net um di^ip Verrath wäre es an der Heilung der Schäden unseres Volkes, wollte man nicht in seiner ganzen Schärfe, in seinem ganzen Umfange den Bruch erkennen, wollte man dagegen vielmehr schwachmüthigen Sinnes den Frieden, den nicht zu erschütternden Frieden im Munde fuhren. Die Scheidung ist da, die Trennung in That, in Gesinnung, im Leben hat sich vollzogen — wir harren sehnsuchtsvoll des Tages, wo Gott in Seiner Gnade Dfnax by om 2b zppd, wir aber müssen „auf der Hochwarte stehen" und gewissenhaft die drohende Gefahr zu erkennen streben und gewiffenhaft das Unsrige thun, um uns unsere Kinder als die treuen Ha »wu Schild- und Waffenträger Gottes zu erhalten und das Heiligthum für uns und die Zukunft zu bewahren. Nicht wir suchen Stteit, suchen Spaltung und Trennung — wir wollen treu ausharren auf dem uns von Gott angewiesenen Posten bei dem Panier des Judenthums, bei den Standarten unserer Väter — sie, die abgefallenen Brüder, sind es, die sich von dem Posten und der Fahne entfernt haben und nicht fernerhin die Zeichen und die Farben des nationalen Heiligthums ttagen wollen, die sich von uns gettennt, von uns geschieden haben. Wir sprechen nur diese ohne unser Zuthun sich vollzogene Thatsache aus und weigern uns, ihnen fahnenflüchtig zu folgen. Unser Standpunkt ist unverrückbar gegeben und wir gewähren Jedem mit Freuden einen Platz bei und neben uns; — ihr Standpunkt ist ein für uns unerreichbarer; — um ihn zu theilen, müßten wir zuvor unser Gewissen mit Abfall und Verrath am Allerheiligsten belasten; — sie können deshalb wohl zu uns kommen — und mit warmer bvii-