Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1871)
- Date
- 1871-09-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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681 gegen die Aufhebung des Decrets vom October bezüglich der Naturalisation der algerischen Juden erlassen. In Irland sind von einer Bevölkerung von -5,402,759 Seeln 4,141,933 Katholiken, 683,295 Protestanten, 558,238 Presbyterianer, 258 Juden und 19,283 gehören anderen Glaubensgenosfenfchaften an. Feuilleton. Aur rechten Jett. XXVI. Vater und Tvhn. Rabbi Samuel Sulzbach hatte die Seinen einstweilen in Kollin, das nur wenige Meilen von Prag entfernt ist, untergebracht. Er selbst wollte nach Wien reisen, um dort am Hofe der Kaiserin die Aushebung des Verbannungsdecrets zu erwirken. „Was willst Du uns noch länger begleiten," sprach er zu Menascheh, „in unserer Noth und in unserem Elend? Alle jungen Leute, die des Lernens halber nach Prag gekommen, sind in die Heimath gereist. Kehre auch zu Deinen Eltern zurück." „Nicht doch," entgegnete Menascheh, „habe ich die Tage des Glückes mit Euch genossen , so will ich mich auch im Unglücke nicht von Euch ttennen. Vielleicht kann ich Euch von Nutzen sein. Erlaubt mir, daß ich Euch nach Wien begleite." Gern willigte Rabbi Samuel in dieses Verlangen, und bald befanden sich die Beiden auf dem Wege nach der Residenz jener Kaiserin, der die Geschichte einen viel besseren Namen bewahrt als sie ihn verdient hat. Eigensinnigen, störrischen Charakters war Maria Theresia; die Befriedigung ihrer Launen und Capricen ging ihr über Alles; hatte doch in ihrem Namen und in ihren Diensten Trenk mit seinen Panduren Gräuel verübt, deren Aufzählung noch heute den Hörer erzittern lassen; hatte doch Maria Theresia all diese Gräuel belobt und belohnt, um nachher den Pandurenobersten, der bei Hofe nicht zu schweifwedeln verstand, auf dem Spielberge bei Brünn einkerkern und im Gefängnitz verfaulen zu lassen! Doch das Alles war der Krieg, der grauenhafte, entsetzliche. von unmenschlichen Barbaren geführte Krieg — was aber hatten die armen Juden von Prag, von Böhmen und Mähren verbrochen, daß Maria Theresia so namenloses Elend über sie brachte? Leeren, vollständig unbegründeten Gerüchten, von böswilligen, judenfeindlichen Verleumdern hatte sie vollen Glauben geschenkt! Und was lag am Ende der hohen Kaiserin daran? Waren doch die armen Verfolgten nur Juden, die von den Panduren Gebrandschatzten lediglich Juden, oder niÄeres Bürger- und Bauemvolk! lieber solches Gewürm dünkte sich im vorigen Jahrhundert eine Kaiserin viel zu erhaben. Ha, auch der Wurm krümmt sich unter der Nadel. Das sollte wenige Jahrzehnte später die eigene, leibliche Tochter der hohen Kaiserin, die erhabene Königin von Frankreich, Marie Antoinette, erfahren, als sie im Gefängnisse schmachten, vom Pariser Pöbel tausend Demüthigungen erfahren und endlich den Armen-Sünder-Karren besteigen mußte, der sie zur Guillotine, zum Blutgerüste führte. Hatte wohl Maria Theresiia eine Ahnung davon, als sie über hunderttausend unschuldige Menschen und treue Unterthanen Verbannung, Elend, Tod und Verderben verhängte, daß einst das entsetzlichste Schicksal die eigene Tochter, die eigenen Enkel erellen könnte? O, hätte sie das ahnen können, sie hätte gezögert, das furchtbare Verbannungsdecret zu unterschreiben. Aber kurzsichtig ist der Mensch, blind für die Folgen seiner Thaten; befangen von Wahn und Vorurtheil, vergißt er nur zu oft der waltenden Vorsehung droben. Es war ein langer, beschwerlicher Weg zurückzulegen , ehe die Residenz erreicht werden konnte. Rabbi Samuel hatte sich einen Wagen und zwei Pferde gekauft; eines Kutschers bedurfte er nicht; er selbst lenkte die Pferde. „Wie Ihr so gut das Kutschiren versteht!" sagte Menascheh; „ich bewundere Euch, Rabbi Samuel, Ihr seid doch in Allem und Jedem erfahren." „„Wenn man schon so viel erlebt und erduldet hat, wie ich,"" antwortete der Angeredete, „„so lernt man. Alles. Ach, mein liebes Kind, was habe ich schon Alles durchgemacht!"" „Ihr seid nicht in Prag geboren? Ich merke es schon lange an Eurer Sprache." „„Nein, mein Kind, ich bin kein einheimischer Prager, und wie weit mußte es mit dieser alten, ehrwürdigen Gemeinde kommen, daß sie einen „Auswärtigen" zu ihrem Primator erwählte!"" „Darf ich wissen, woher Ihr stammt?" „„Geboren bin ich im äußersten Norden Deutschlands; in Altona bei Hamburg habe ich das Handwerk eines Schriftsetzers erlernt; spater machte ich Geldgeschäfte und wohnte längere Zeit im „Reich", wo ich auch Mirjam, mein Welb, kennen lernte und heirathete. Ich wurde reich, sehr reich, erlangte die Gunst meines Fürsten und war der eigentliche Beherrscher und Verwalter des ganzen Fürstenthums; da, mit einem Schlage, hat mir Gott Alles genommen; ich wurde bei meinem Fürsterr verleumdet und durch einen Machtspruch verurtheilt, mit Weib und Kind eines schrecklichen Todes zu sterben, wiewohl ich kein Unrecht gethan hatte. Eiu Freund rettete mich und mein Weib vom Tode; mein Kind mußte ich zurücklast'en; was aus ihm geworden, '' habe ich niemals erfahren können; vielleicht ist es ge-