Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1871)
- Date
- 1871-09-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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680 Winde Hängt, den können und dürfen wir nicht zu unsrem Landrabbiner erwählen. Wir würden dadurch Lüge und Heuchelei in Gemeinde, Schule und Cultus Platz greifen lassen und den schwersten Verrath am Heiligsten begehen. — Lassen wir uns von dem Phrasenwerk dieser Partei nicht blenden! Die dritte Richtung ist jene, welche soeben in Augsburg ihre Karten' offen gedeckt hat und damit bekundete, wohin in ihren Consequenzen die Reform — sei es die kluge, listige der zweiten Richtung, sei es die noch weiter „fortgeschrittene" — führt. Abrogation des ganzen Judenthums ist die Folge alles solchen Gebahrens. Daß von dieser Richtung Niemand Aussicht hat, bei uns gewählt zu werden, ist gewiß. Schwierig ist es aber, unter den Bewerbern den richtigen Mann zu treffen. Wie können wir die wahre Gesinnung des Mannes erforschen? Wie sollen wir alle die Bewerber genau kennend Muß nicht selbst bei dem redlichsten Willen uns die Furcht vorschweben, daß wir einen Jrrthum begehen und unsere Stimmen einem Anwürdigen geben? Unser Rath in dieser schwierigen Angelegenheit ginge deßhalb dahin, die Ansicht von Autoritäten einzuholen. Wir haben uns, wie oben dargelegt, am meisten vor 'den Anhängern der zweiten Richtung zu hüten, welche nicht offen mit ihrer wahren Gesinnung hervortreten, während die Vertreter der dritten wenig Hehl aus ihren Ansichten machen. Diese zweite Richttmg wird aber namentlich revräsentirt durch die sogenannte „Breslauer Schule". Dheils Zöglinge des Breslauer Seminars, theils Mitglieder des „jüdisch-theologischen Vereins" sind die Hauptvertreter dieser Partei. Weisen wir deßhalb entschieden eine jede Candidatur dieser Männer zurück. Wenden wir uns dagegen an bewährte Männer oer ersten Richtung, an Männer, welche mit Herz und That ganz und voll auf dem Boden des Judenthums stehen, welche bereits Bürgschaft abgegeben haben, daß sie auf der Höhe der allgemeinen Bildung nnd Wissenschaft stehend, das ganze Judenthum heilig und unverbrüchlich für alle Zeiten bewahren; legen wir ihnen die Liste der Bewerber vor und lassen uns von ihnen die Männer bezeichnen, auf welche wir unsere Wahl lenken dürfen. Es werden diese Männer gern bereit sein, uns in dieser Weise zur Seite zu stehen, und wir haben die Gewißheit, daß sie uns Keinen empfehlen werden, der nicht in jeder Weise würdig und geeignet wäre, das Hohe wichtige Amt des Landrabbiners zu übernehmen. Wir werden alsdann unsere Wahl zum Heile nnd Segen ftir uns nnd unsere Kinder vornehmen können. Soeben kommt ein Gerücht zu unseren Ohren, dessen wir hier erwähnen müssen. Es soll nämlich von gewisser einflußreiß-r Seite dafür gewirkt werden, gar keinen selbstständigen Landrabbiner für unsere Provinz anzustellen, sondern das Landrabbinat mit dem zu Hannover zu vereinigen. Wenn solches ernstlich geplant werden sollte, so kann man nicht kräftig und eindringlich genug hiergegen seine Stimme erheben. Abgesehen davon, daß der Kreis unseres Landrabbinats groß genug, ist, einen eigenen Landrabbiner zu erhalten, daß unsere Verhältnisse entschieden verwahrlost würden, wollten wir uns zur Filiale zu dem ohnehin schon großen Landrabbiuate der Landdrosteien Hannover, Lüneburg nnd Stade degradiren lassen, so ist auch der gegenwärtige Inhaber des Landrabbinats dieser Bezirke die ungeeignetste Persönlichkeit, der wir unsere Angelegenheiten anvertrauen konnten^ Anhänger der von uns als „zweite Richtung" geschilderten Partei, hat er feine 2ojähr. bisherige Wirksamkeit als unersprießlich in hohem Grade gekennzeichnet. An dem Sitze seines Rabbinats — der Stadt Hannover —, wo sich seine Leistungen naturgemäß am nachhaltigsten und gedeihlichsten erweisen konnten, gewahren wir den Gottesdienst resormirt, die Schule in Schrecken erregendem Weise verwahrlost, die religiöse Unwissenheit furchtbargroß, unjüdische Gesinnung' nnd unjüdischen Wandet täglich überhandnehmend — kurz das Bild einer jüdischen Gemeinde, welche bald vom Jüdischen fast Nichts mehr aufzuweisen haben wird, als den Namen. — Vom diesem Schritte möge uns Gott bewahren! ' Mögen die Männer, in bereit Händen das Wohl und Wehe unseres Gemeindelebens gelegt ist, ftei von allem Vorurtheil, frei von jeder Nebenabsicht, lediglich .das wahre Interesse unserer Provinz nnverrückt im Auge halten und die richtigen Mittel ergreifen, den geeigneten Landrabbiner zu berufen. Wir wiederholen: am sichersten erscheint cs uns, wie oben angedeutet, durch bewährte Autoritäten die würdigen Candidaten bezeichnen zu laffen. Möge unsere Stimme nicht ungehört Verhallens Es handelt sich um die wichtigste Angelegenheit unserem ganzen Provinz! Schweiz. □ Im Schweizer Kanton Aargau ist am 30. Juli mit 21,000 gegen 14,000 Stimmen ein Gesetz angenommen worden, wonach die Geistlichen aller Confessio nen alle sechs Jahre der Wiederwahl durch die Gemeinden unterliegen. England. London. Die englisch-jüdische Gesellschaft, in Verbindung mit der „Alliance Jsr.", hat einen Protest