Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1871)
- Date
- 1871-09-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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678 I liche Synagoge durch eine Orgel zu verunstalten und hatte es bereits soweit gebracht, daß die Einführung Derselben im Repräsentanten - Collegium beschlossen worden war. Auch im Vorstände standen die Stimmen 3 gegen 3, da der Vorsteher, Herr S. M. Frank, als Präses seine entscheidende Stimme noch reservirte. In einer so tief eingreifenden und wichtigen Angelegenheit wollte er zuerst die Stimmen der Gemeinde in einer öffentlichen Versammlung hören. Die Discussionen darüber wurden sehr erregt geführt. Die neologe Partei verschmäht kein Mittel, ihr Ziel zu erreichen, ja es vermaß sich sogar ein Anhänger derselben, die Person unseres Rabbiners in dessen Abwesenheit zu injuriren. Durch ein solches Gebühren mußte jeder denkende Mensch empört werden. Nicht nur die orthodoxe, sondern auch die neologe Partei mißbilligte dies im höchsten Grade und wurden die Ausdrücke des Tadelns so erregt und heftig, daß an eine ruhige Discussion gar nicht mehr zu denken war, so daß die Versammlung geschlossen werden nlußte. Es hatte aber dieser Zwischenfall der neologen Pattei den Todesstoß versetzt, denn nachdem noch am darauffolgenden Sabbat vom Herrn Rabbiner in einer glänzenden Predigt gegen die Einführung der Orgel gesprochen wurde, stimmte der Präses im Vorstande mit der otthodoxen Pattei und der Gottesdienst wird nach wie vor in alter, herkömmlicher Weise gehalten. Seit Kurzem ist durch die Initiative unseres Rabbiners am nzv ein zweiter Gottesdienst, Mittags 12 Uhr (?), eingerichtet worden, woselbst Mincha gebetet, Ein- und Ausheben mit Chor begleitet und eine Predigt oder Texterklärung zum Wochenabschnitt gehalten wird. Es hat diese neue Einrichtung hauptsächlich den Zweck, den Schülern, die auch am Samstag die Lehranstalten besuchen, sowie den Geschäftsleuten, die sich durch den heiligen Sabbat vom Geschäft nicht abhalten lassen, Gelegenheit zu geben, die Synagoge besuchen zu können. (!!!) Größere Zugeständnisse hätten doch die Neologen eigentlich nickt erwatten können, als daß der Gottesdienst, um nicht zu sagen die Religion, sich nach dem Publikum einrichtet, während es eigentlich gerade umgekehrt fein sollte. Aber siehe da! Der Mittags-Gottesdienst ist weit spärlicher als der Haupt-Gottesdienst des Morgens besucht. Die Schüler werden von den Eltern zum Synagogenbesuch nicht angehalten und die Geschäftsleute gehen ihren alten Weg oder sagen, sie könnten auch in der Mittagspause nicht abkommen, denn möglicherweise könne sich auch um diese Zeit ein Käufer einfinden. Wahrlich, betrübend ist es, wenn man auf den belebtesten Straßen, wo die Mehrzahl der Geschäfte in jüdischen Händen ist, gewahren muß, wie am Sabbat alle Geschäfte offen sind. Wer am Schabbos nicht raucht, wird als otthodox verschrieen. (?) Und die reifere Jugend, nun freilich, die wetteifett in Jrreligiösität. Als *"l'lich in einer hiesigen, der Mehrzahl nach aus Juden sehenden Gesellschaft das Stiftungsessen gehalten werden sollte, da mußte es natürlich unkoscher gekocht wer-- den, weil man vorfchützte, es gäbe sonst Rischuß. Von circa 100 jüdischen jungen Leuten aßen , sage und schreibe, 8 keine verbotenen Speisen. Ich habe junge Leute gehört, die prahlend verkündeten, wir haben nur am 2"', nicht einmal am geschlossen. Jndeß dies gchört doch zu den Seltenheiten, denn an den hohen Festtagen hat doch die weit überwiegende Zahl der hiesigen jüdischen Geschäfte ihre Verkaufslokale oder Büreaur geschlossen, aber selbst am rnwn rup gewöhnlich geöffnet. Möge der Gott Israels die Herzen der Uebertreter Seiner göttlichen Gebote am heiligenerleuchten, damit sie von ihren Wegen zurückkehren und leben. Aus der Provinz Posen, 8. August. Die auch von Ihnen gebrachte Nachricht, daß Herr Goldring in Jarocyn Bürgermeister geworden sei, ist dahin zu berichtigen, daß er stellvertretender Bürgermeister geworden, und das ist nichts Seltenes mehr. In Jaftrow z. B. ist Herr K. E. Apolant schon seit 20 Jahren ältester Rathmann und hat als solcher bereits öfter in Abwesenheit des Bürgermeisters dessen Stelle vertreten und die Leittmg der städtischen Angelegenheiten besorgt. (Jsr. Wochenschr.) Sternberg (Mecklenburg), 13. August. Der Vicereldwebet Albert David vom 1. Pomm. Grenad.- Regim. Frd. Wilh. IV. (Nr. 2) ist zum Offizier ernannt worden, nachdem er schon vorher das eiserne Kreuz erhalten hatte. Derselbe hat nun, als er seine hier wohnenden Eltern besuchte, die Gelegenheit benutzt sich seinem Landcsfürften, dem Großherzog, vorzustellen (wie es bei solchen Beförderungen militärische Sitte ist), und ist von diesem in einer ihn unter noch besonders ehrenden Umständen bewilligten Audienz empfangen worden, bei welcher Gelegenheit Se. Hoheit ihm auch das mecklenburgische Militär-Verdienst-Kreuz persönlich verliehen hat. Dieser in den hochadeligen Kreisen Mecklenburgs etwas Aufsehen machende Fall ist um so erfreulicher, als ja bekanntlich die Juden in diesem Lande nur schwer und allmählich zu einer Stellung gelangen, die ihnen anderwärts leichter erreichbar ist, und solche Vorkommniffe immerhin erheblich beitragen, ihre Situation zu verbessern. Ich bemerke noch nachträglich, daß der Großherzog sich auf einem Landschlosse befand, wo er wegen emer Nachkur vom Brunnengebrauch Niemanden zur Audienz annahm und nur hier eine Ausnahme machte. (Jsr. Wochenschr.) Wrefchen, 28. August. Die Trauäckunde vom Tode des Herrn M. Hausdorff in Breslau in Nr. 33 des „Israelit" enthält einen Jrrthum. Der Verklätte ysi war weder Bruder noch Verwandter des Rabbi Selig Hausdorff in Jerusalem. Derselbe hatte nur zwei Brüder, deren Einer ein sehr geachtetes, frommes Mitglied hiesiger Gemeinde, der Andere aber in. Gnesen wohnhaft ist.