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Der Israelit · 1871-09-06 · Heft 36 (6.9.1871) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 36 (6.9.1871)
Date
1871-09-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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versorgte. Auch von andern wohlthätigen Glaubensgenossen, namentlich in Brüssel, wurde unser Unternehmen in bereitwilligster Weise gefördert. So gelang es uns denn, sämmtliche israel. Kriegsgefangene — nur einige wohlhabende Mobilgardisten, die von der Heimath aus unterstützt wurden, ausgenommen — mit warmen Unterkleidern , Hemden, Strümpfen, Taschentüchern und Stieseln zu versorgen, sie alle während einer Dauer von sechs Monaten mit jüdischer Kost zu versorgen, für jeden Mann an das Gouvernement 5 kr. per Tag zu erlangen (dieses Geld wurde später-an die Gefangenen zurückerstattet), und als es inr Frühjahr den Gefangenen gestattet wurde, auf eigene Kosten in die Heimath zurückzukehren, sie mit Reisegeld zu versehen. Es wurden vertheilt 173 Hemden, 103 Unterjacken, 63 Unterhosen, 185 Paar Strümpfe. 24 Paar Schuhe, 13 Paar Stiefel', außerdem Leibbinden, Taschentücher, Röcke und Hosen, Vr'sn und nröJD yi. Für die Kranken und Verwundeten in den Hospitälern wurden 316 st. 23 kr. verwandt; im Ganzen wurden verausgabt 3262 fl. Was hier die jüdische Bruderliebe gethan, ist unbeschreiblich. Viele israel. Kriegsgefangene, welche die Belagerung von Metz mitgemacht hatten, kamen krank hier an; genasen aber bald in Folge der guten Verpflegung, so daß von Allen nicht ein Einziger gestorben, während die Sterblichkeit unter den in den Baracken und im Zeltlager internirten Gefangenen eine ziemlich bedeutende war. Möge der allgütige Gott uns ferner vor Krieg und andern Unglücksfällen behüten — 'eoen loyo pta -in« iu! — König im Odenwalde. In Nr. 40 der „Allgemeinen Familienzeitung", welche in Stuttgart erscheint, lesen wir unter „Mannigfaltiges" dem Wortlaute nach das Folgende: „Eine böse Persiflage. Ein französischer Patriot, Herr Cisfon in Rio-Janeiro, hatte es nicht unterlassen wollen, an die in der brasilianischen Reichs-Hauptstadt lebenden Elsaß-Lochringer einen Aufruf zur Unterzeichnung einer Protest - Adresse gegen die Abtretung ihrer heimathlichen Depattements an Deutschland zu richten. Der Aufruf war nicht an taube Ohren ergangen. Schon am nächsten Tage nach seinem Erscheinen brachte das „Journal do Commercio" folgendes Inserat: „Monsieur Cisson. Mer habe gelese mit Plaesir eire patriotik Proclamation an Alsacien und Borrain se bleibe frangais. Se habe ganz recht, mer wolle nix sein deitscb, compatriot von die preissische Kaschorr, mer wolle sein compatriot von die brave Monsieur Cisson. Nehme se unsere Name fer ze protestire gegen die deitsche Kaschorr, wo unser schenes Strassburg gebonbardert habe. Sollst de kriegen de Krach. Joseph Baer. Moritz Guttmann. Jacob Goldmacher. Veit Edelmann. Samuel Jeitteles. Simon Wolf. Ananias Rosenau, Isaac Adler.41 So weit die Stuttgarter. Ob nun die in der brasilianischen Reichs-Hauptstadt lebenden Elsaß-Lothringer nur Juden sind, wie wir sie hier unterzeichnet finden , das wollen wir dahingestellt fein lassen. Es bedarf überhaupt das Ganze keines Commentars, es wird Jeder einsehen, was man wieder damit will. Ob ebenfalls die Persiflage in Wirklichkeit von einem Rio- Janeiro-Journal oder direct von der Stuttgarter „Allgemeinen Familienzeitung" ausgeht, darüber dürfte man füglich auch in Ungewißheit bleiben. Es kann uns dies ja ganz gleich sein, wir wollen nur unsere gerechte Entrüstung darüber äußern und das Ganze mit dem kräftigsten Tadel belegen und zurückweisen. Berlin. Nach dem zweiten und letzten Rechenschaftsbericht des Comite's für die während des Krieges 1870—71 in Berlin befindlichen jüdischen Soldaten hatte dasselbe eine Einnahme von 3651 Thlr. 3 Sgr. 10 Pf. und eine Ausgabe von 3531 Thlr. 27 Sgr. 10 Pf. Der Kaffenbeftand von 119 Thlr. 6 Sgr. wird, da das Somit« von fast allen Spendern ermächtigt ist, den Ueberschuß nach bester Einsicht zn verwenden , zur Begründung des Vereins für Beköstigung der jüdischen Soldaten hiersclbst, welches Benefiz ganz besonders bei der Berliner so bedeutenden Garnison allen Theilen Deutschlands zu Gute kommt, verwendet. Köln, im Elul. Sie würden mich, sehr geehrter Herr Redacteur, durch Ausnahme nachfolgender Zeilen in Ihr vielgelesenes, das Judenthum und seine wahren Interessen stets vertretendes Blatt, sehr verbinden^ Glauben Sie indeß nicht, daß die Zustände des heiligen Köln, die ich hier zu beschreiben versuchen werde, so rosig sind, als man sie draußen, in Folge der hier herrschenden religiösen Windstille, vielfach "hält. Die Mettopole der Rheinprovinz sollte eigentlich ihren Schwesterstädten als Beispiel dienen dürfen und dennoch ist dieses durchaus nicht der Fall. Während bekanntlich das Gros der hiesigen nichtjüdischen Bevölkerung der betteffenden Geistlichkeit blindlings anhängt, glaubt die hiesige Judenschaft, natürlich mit einigen löblichen Ausnahmen, unsere heilige Religion immer mehr und mehr ignoriren zu dürfen, in der Meinung, hierdurch für aufgeklärt gelten zu können. Zwar ist durch die Bemühungen unseres Rabbiners Br. Schwarz unsere Gemeinde, ttotz der inneren Gegensätze, nicht wie in anderen größeren Gemeinden gettennt, wir haben hier zwar nur einen, den heiligen Ueberlieferungen entsprechmden Gottesdienst , aber ein Blick auf die Zustände außer dem Gotteshause genügt um zu erkennen, auf wie losem Sande diese Einigkeit gebaut ist. Seit einigen Jahren schon bemüht sich die hiesige neologe Partei, unsere Herr-

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