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Der Israelit · 1871-09-06 · Heft 36 (6.9.1871) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 36 (6.9.1871)
Date
1871-09-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Fluch beladen hat für alle Zeiten. Findet aber der Mensch, daß Zorn, Geiz oder Trägheit die unlöblichen Eigenschaften sind, die er besitzt, so muß er über diese Nachdenken, in den Schriften der Sittenlchrer, z. B. im Choboth Halebaboth über die Verwerflichkeit dieser Laster Nachlesen, die üblen Folgen derselben sich zu Gemüche führen und nicht eher ruhen, bis er für seine Seele von diesen Krankheiten Heilung gefunden. Mit derselben Sorgfalt muß der Mensch auch der Zukunft entgegenschauen und vorsorglich zu verhüten suchen, daß er nicht den Lastern verfalle. Nicht jede Zeit bringt dieselben Versuchungen; die Verführung erscheint in vielerlei Gestalten. Es kommen Tage angestrengter Beschäftigung. Was ist da natürlicher, als daß der Mensch, der sich gewöhnt hat, tagtäglich einen Theil seiner Zeit dem Thorastudium zu weihen, sich durch die Fülle der ihm obliegenden Pflichten daran hindern läßt — und siehe da, er entwöhnt sich allmählich davon und der Quell des ewigen Lebens versiegt für ihn. Wenn solche Tage herankommen, so muß der das Gute ernstlich wollende Israelit mit verdoppelter Sorgfalt darauf bedacht sein, daß Nichts ihn zurückhalte von dem Studium der Gotteslehre. und Gott wird ihm helfen, auf daß er mit Leichtigkeit vollführe, was anfangs so schwierig erschien. — Oder es kommen Zeiten, da man durch das nicht zu vermeidende Zusanmenkommen mit übelwollenden Menschen gereizt und dem Zorne leicht zugänglich wird. Da ist denn gedoppelte Pflicht, dem Zorne keinerlei Zutritt zu gestatten, es sich zum Bewußtsein zu führen, daß der Zornige dem Götzendiener gleicht, indem er dem Götzen der eigenen Leidenschaft ftöhnt, daß der Zorn ihm schadet an Leib und Seele und ihn zu Handlungen hinreißt, die hinterher zu bereuen er alle Ursache hat. — Oder es kommen Tage des Kummers, widerwärtige Verhältnisse, die sein Vermögen beeinträchtigen, seine Geschäfte zerrütten; da ist der Mensch nur zu leicht geneigt, all das Bittere, das ihn betrifft, seine Umgebung entgelten zu lassen, mißmuthig, zänkisch und ungerecht zu sein gegen Weib und Kinder, herrisch und auffahreno gegen seine Untergebenen, ungefällig gegen seine Mitmenschen, hart gegen die Armen; in der Voraussicht solcher Dinge aber ist es heilige Pflicht, sich zu beherrschen und sich der üblen Laune, durch die das Unglück nur noch verschlimmert und verbittert wird, nicht hinzugeben. — Oder es kommen Tage der Freude und des Glückes; da-wird so leicht übermüthig das Herz und vergißt seines Schöpfers, da ziehen der Stolz und die Eitelkeit ein; da glaubt man so gern den Schmeichlern und begünstigt sie; aber der Mensch, der da derhüten will, daß seine Seele erkranke, wird gerade in solcher Zeit sich doppelt bemühen, bescheiden und demüchig vor Gott zu wandeln und Alles, was ihm geworden, als ein unverdientes Gnadengeschenk betrachten. Auf solche Weise wird es gelingen, nicht allein die Krankheiten der Seele zu heilen, sondern drohenden Er-- krankungen derselben vorzubeugen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Corresppn- -enzen Deutschland. Mainz, 28. August. Wir haben heute 1346 fl. 5 kr. für Die Armen, Nothleidenden rc. in Palästina nach Amsterdam an das dortige Centrat- Comite geschickt. Die Summe der in diesem Jahre für obige Zwecke von uns. gesammelten und übermittelten Gelder beträgt nunmehr 18,688 fl. 51 kr. Mainz, 30. August. Die letzten französischen Kriegsgefangenen, die bisher noch in den deutschen Lazarethen verpflegt wurden, sind in ihr Vaterland zurückgekehrt. Zugleich hat damit das hiesige Comits, bestehend aus den Herren Rabb. Dr. Lehmann, Rentner Lazarus Friedmann und Banquier Joseph Fulda, die zusammengetreten waren, um für die israel. Gefangenen Fürsorge zu treffen, seine Thätigkeit eingestellt. Ein Rückblick auf diese in den Annalen der Geschichte gewiß sehr seltene Thätigkeit ist daher wohl, an oer Zeit. .; Wie bereits in diesen Blattern mitgetheilt wurde, betrug die Zahl der hier während des Winters mternirten israel. Kriegsgefangenen circa 200. Da das Gouvernement gestattet hatte, daß dieselben als Arbeiter in Privathäusern placirt würden, so hielt es der Herausgeber d. Bl. für seine Pflicht, soviel als möglich dafür zu sorgen, daß die Israeliten bei Israeliten untergebracht würden. Es gelang ihm denn auch, eine größere Anzahl in Mainz, Bischofsheim a. M., Rüffelsheim, Weisenau, Krummstadt, Bieberich, Schierstein, Trebur, Biblis und anderen benachbarten Ortschaften unterzubringen. Aber noch blieb ein großer Theil derselben unversorgt; auch mangelte es den Leuten an warmen Kleidern für den Winter. Der Herausgeber dieser Blätter, der hier in Mainz für die überaus zahlreichen deutschen israel. Soldaten und Landwehrmänner, die hier in Ouattier lagen, die Wohlthätigkeit der hiesigen Glaubensgenossen schon ganz außerordentlich in Anspruch genommen hatte, wandte sich darauf um Beihilfe für die französischen Kriegsgefangenen an Herrn Rabbiner Hirsch '"2 in Frankfurt a. M., der in zuvorkommendster Weise dem Ersuchen entsprach und rn Frankfurt ein Comitä gründete, welches das hiesige, obenge-: nannte, unterdeß zusaunnengetretene reichlich mit Mitteln

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