Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1871)
- Date
- 1871-09-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XII Jahrgang. M 3«. Der Israelit. Ein Henlrak - Grgan für das orthodore Iudenthum. Herausgegebm von Dr. Lehwaun in Mainz. Mittwoch, den 6. September 5631 (1871). Diese Zeitung erscheint wöchentlich Einmal, Mittwochs, in mindesten- 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 8 Thlr. pr. L. «der fl. 5. 15 kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehme» Bestellungen an. Inserate 2 Sgr. die Petttzeile oder deren Raum. Oesterreichifche Banknoten laut Court. Directe Francozu» sendung unter Streifband pro. Jahrgang 4 Thlr. pr. C. oder 6 fl. öftere, an die Expedition franco einzuseichm. Anhalt: Leitender Artikel: Die Heilung der Seele. Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenzev: Deutschland: Mainz. Mainz. König. Berlin. Köln. Aus der Provinz Posen. Sternberg. Wreschen. Aus Ostfriesland. — Schweiz. — England. London. Irland. — UenwÄd»: Zur rechten Zeit. der ZSeilager Leitend^ Der Eintritt in den Gemerndebund. Gvrrr^»dnbeflztn: Deutschland: Letteader Artikel. Die Keilung der Seele. Mainz, 29. August. IV. Wenn der Mensch für die Heilung seiner Seele sorgen will, so find cs namentlich zwei Verhältnisse, die er dabei in's Auge zu fassen nöthig hat: er muß zuerst dasjenige zu entfernen suchen, was im Laufe der Zeit als Kraukheitsstoff sich in in seine Seele eingenistet hat. und dann muß er zu verhüten streben, daß er auf solchem Wege wandele, auf welchem zu erkranken feine Seele in Gefahr gcräth. Beides ist sehr schwer zu vollbringen. Es muß der Mensch zunächst sein ganzes vergangenes Leben an seinem geistigen Auge vorüberziehen lassen und seine Thaten prüfen, ob sie zu tadeln odok zu billigen seien; hat er ste oder einige von ihnen als unrecht erkannt, so muß er den Ursachen nachspüren, aus denen sie hervorgegangen, den Quellen, aus denen ste hervorgequollen; denn nicht jede böse That hat gleichen Ursprung. Nur gar zu oft kömmt es vor, daß der Mensch aus schlimmem Wege wandelt ohne es selbst zu wissen, denn die Leidenschaft verblendet seine Augen, wie es heißt r>'v »3-n nnnrran ->«" vn v\ „Mancher glaubt, er sei auf rechtem Wege — am Ende aber führt er zum Verderben" (Prov. 14, 12). Nachdem aber der Mensch durch vieles Nachsinnen und Erwägen den Unwerth, die Verkehrtheit so mancher seiner Thaten erkannt hat, so muß er die Fehler seiner Seele, in welchen dieselben ihren Ursprung haben, zu bestem, zu ändern, zu heilen suchen. Ist es zum Beispiel Stolz, woran er leidet, so muß er sich zu unterrichten suchen über die Verwerflichkeit, über das Thönchte des Stolzes, muß es sich in's Bewußtsein rufen, daß no*) anj» ropn, daß vergänglich, eitel, thöricht find die Vorzüge, aus die er stolz ist, muß bedenken, daß von allen hohen Eiaenschasten des größten Mannes aller Zeiten, unseres Lehrers Moscheh, einzig und allein dessen Demuth und Bescheidenheit von der heiligen Schrift gerühmt weiden, daß der Stolz nichts ist als Thorheit, daß der Stolz sogar zum Götzendienste führt, daß dieser moralische Fehler es war, welcher den Namen Jerobeams mit